Für sowas ist im teuersten Parlament Europas und zweitgrößten der Welt natürlich Geld da: CDU-Bundestagspräsidentin Julia Klöckner will die Social-Media-Präsenz des Hohen Hauses massiv ausweiten und sucht dafür, wie “Bild” berichtet, einen speziellen TikTok-Referenten (m/w/d, was nicht für männlich-weiß-deutsch, sondern “männlich /weiblich/ divers steht, nur zur Info!) . Die Stelle, intern ausgeschrieben, lockt mit einem attraktiven Gehalt von bis zu 8000 Euro brutto im Monat (Besoldungsgruppe A13 bis A15 plus Zulagen), ermöglicht Arbeit im Homeoffice und bietet eine ausgewogene Work-Life-Balance – ganz nach Art des Hauses und seiner gewählten Insassen, die es sich ebenfalls überdotiert gut gehen lassen. Ziel ist es, Inhalte zu produzieren, Clips “pointiert“ zu schneiden und Reichweite zu generieren – vor allem, damit die Politik im Plenum junge Menschen dort erreichen kann, „wo sie sich informieren“, wie Klöckner betont.
Diese Begründung entbehrt insofern nicht einer gewissen Ironie, als gerade die Zielgruppe von TikTok, die schwerpunktmäßig zwölf bis 16-jährige umfasst, von der selben Politik ja just mit Social-Media-Verboten und Netzkontrollen vom Internet ferngehalten werden soll von zu viel nicht kuratierte Information. Solange es sich um selbst bespielte Formate und eigene Kanäle handelt, gilt dieses Misstrauen offenbar nicht…
Zweck dient wohl vor allem der Eigenprofilierung Klöckners
Die Ex-Weinkönigin Klöckner selbst ist bereits stark auf Instagram (mit rund 210.000 Follower) und Facebook präsent, wo sie oftmals mit professionell inszenierten Videos von Terminen und Reisen auffällt und mehr Reichweite hat als der offizielle Bundestags-Account. Ihr TikTok-Vorstoß dient denn auch offenkundig nur teilweise für den Bundestag, eher wohl vor allem ihrer eigenen Profilierung als Hausherrin und zur Steigerung der eigenen “Sichtbarkeit” – auf Steuerzahlerkosten, versteht sich. Das Social-Media-Team des Parlaments wurde bereits enger an ihr direktes Umfeld – unter anderem ihren Vertrauten Matthias Paul – angebunden.
Der Zeitpunkt der Ausschreibung sorgt für Unruhe und Kritik nicht nur bei der Opposition: Während der Bundestag einen angeblich rigiden Sparkurs fährt (wenngleich dieser lediglich 2,2 Prozent Kürzungen vorsieht, indem rund 60 Stellen dieses Jahr wegfallen sollen), stockt Klöckner ausgerechnet den Präsidialbereich munter weiter auf – und schafft fünf neue Stellen. Viele fragen sich da, was der Zweck dahinter ist: Geht es wirklich primär um parlamentarische Öffentlichkeitsarbeit oder um Selbstinszenierung der Bundestagspräsidentin? Zu alledem warnen auch noch Datenschützer vor TikTok. Diese Idee wirft jedenfalls mehr Fragen auf, als “die Klöcknerin von notre-democratié” zu beantworten vermag… (TPL)























