Eine junge Frau aus Schweden begeistert eine große Fangemeinde in sozialen Medien mit Beiträgen über europäische Kultur, Natur und vorchristliche Spiritualität: Die 23-jährige Alvi Gunilla ist Anhängerin des Paganismus, einer neuheidnischen Bewegung, die viel mit Naturverbundenheit, altgermanischem und keltischen Brauchtum und Rückbesinnung auf die frühesten Wurzeln des Kontinents zu tun hat. Das allerdings stößt einem links-woken britischen Archäologie-Professor sauer auf – weshalb er seine Online-Reichweite nutzt, um der jungen Frau mit absurder Mentalakrobatik zu unterstellen, sie sei ein „Neo-Nazi“.
Sie und ihr Umfeld werden seither bedroht, ihr Wirken und Erwerbseinkommen werden ihnen verunmöglicht – und das, obwohl Gunilla hochschwanger ist. Nun wurde sogar eine Weltkulturerbe-Stätte von dem berserkerhaften Professor zur Anwendung von „Cancel Culture“ animiert.
Professor verteufelt harmlosen Heiden-Content
Alleine auf Instagram folgen Gunilla und ihrem Content rund 335.000 Nutzer. Und wer dort oder auf X (dort hat sie knapp 30.000 Follower), nachsieht, erkennt heimatverbundene, aber letztlich völlig harmlose und unpolitische Einblicke. Die Blondine, die dem germanisch-nordischen Heidentum anhängt, teilt dort interessante Beiträge über das kulturelle, spirituelle und natürliche Erbe ihrer skandinavischen Heimat und wieso die zeitlosen Weisheiten und Mythen ihrer Vorfahren auch für die Jetztzeit relevant sind. Mal geht’s auch über Runen oder Volksinstrumente, immer mit positiver Ausstrahlung, stets ohne Abwertung anderer Kulturen und Traditionen.
Doch überall, wo es Fans gibt, finden sich auch Neider und Missgünstlinge. Im Fall der jungen Schwedin, die in wenigen Monaten ihr erstes Kind erwartet, ist der größte Gegner ein Akademiker aus England. Der Archäologe Howard Williams von der englischen Universität Chester in England arbeitet sich seit geraumer Zeit an ihr ab – immer mit demselben Muster. Er will nämlich erkannt haben, dass sie in Wahrheit ein „Neonazi“ sei. Dies macht er an ihrem aus einem Computerspiel stammenden Lieblingslied fest, am Emblem eines Werbepartners, das er fälschlich für eine Schwarze Sonne hält oder an der „Kontaktschuld“, dass eine Freundin eine legale patriotische Partei unterstützt.
Völlig absurde Nazikeule mit Folgen
Die Absurdität des Psycho-Profs Williams geht so weit, dass er selbst im Nachnamen ihres Verlobten – Hesselbäck – eine vermeintliche Lobesarie auf Hitlers-Vize Rudolf Heß wittert. Auch ihre Freude über den Fund uralter Schriftzeichen in Deutschland interpretiert er völlig abstrus als vermeintliche Nazi-Mystik. Das sind aber keine harmlosen Ergüsse eines offenbar unterbeschäftigten Akademikers, denn Williams hat selbst 175.000 Follower auf Tiktok, die er auf ihr Umfeld ansetzt. Er und seine Fans sollen damit drohen, persönliche Informationen über sie und sogar ihre Wohnadresse herauszufinden und zu teilen.
Eigentlich wollte das Paar ein Treffen mit Fans skandinavischer Geschichte an einer Weltkulturerbe-Stätte in Schweden organisieren, an der sie sich vor vier Jahren kennenlernten. Dies wurde offenbar von Williams‘ Mob verhindert, der so lange auf die dort Zuständigen eingewirkt habe, bis die Zusammenkunft gecancelt wurde. Außerdem hetzte er laut ihrer Aussage seine Fans auf einen anderen Akademiker, dessen Expertise sie für das Treffen gebucht hätten, sodass auch dessen bürgerliche Existenz ins Visier geriet. Wie ein britischer Gentleman verhält sich der Archäologe übrigens auch nicht: Zwischendurch beschimpft er die Schwedin dann auch mal wenig schmeichelhaft als „blasse Neonazi-Barbie“.
Junger Familie droht plötzlich der Ruin
Sie und ihr Verlobter sehen sich nach der Hetzjagd kurz vor der Geburt ihres Kindes nun plötzlich sogar vor einem finanziellen Engpass. Durch die mutmaßliche Verteilung privater Informationen über die junge Familie im Williams‘ Dunstkreis überlegt das Paar bereits, aus Eigenschutz umzuziehen. Außerdem überlegen sie, sich rechtlich gegen die Anfeindungen zu wären.
Um all diese Dinge in der unerwarteten Notlage bestreiten zu können, hat Alvi Gunilla einen Fundraiser gestartet. Ihre Geschichte scheint einen Nerv zu treffen: Denn binnen der ersten Stunden kam bereits knapp ein Drittel der anvisierten Summe zusammen.
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Dieser Beitrag stammt von Julian Schernthaner und erschien zuerst auf “Der Status”.























