Dorfgemütlichkeit der künftigen indigenen Minderheit: Ein aussterbendes kulturelles Relikt in Buntland (Symbolbild:Imago)
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Hilfe, ich bin die weiße Minderheit in unserem Dorf!

Noch steht mein Dorf auf einer relativ wohlhabenden Insel der Seligen. Ich schimpfe über Benzinpreise, doch ich bin einer der wenigen, der überhaupt ein Auto besitzt. Stellen wir uns vor, die etwa acht Milliarden Menschen der Welt würden zu einem einzigen Dorf schrumpfen. Dieses Dörfchen hieße Welthausen und läge idyllisch im Harz, gestaltet wie ein zauberhaftes Disney-Dorf, das Millionen Besucher anlocken soll. Alle Proportionen der realen Welt blieben erhalten.

Das Dorf Welthausen im Überblick

In Welthausen leben genau 100 Menschen. Davon sind 62 Asiaten, 20 Afrikaner, neun Europäer, acht Nordamerikaner und der Rest verteilt auf Südamerika sowie Ozeanien. Etwa 50 sind Frauen und 50 Männer. Nur 16,5 Prozent sind weißer Herkunft. Rund 29 bekennen sich zum Christentum, etwa 26 zum Islam, 15 zum Hinduismus, vier zum Buddhismus und etwa ein bis zwei zu anderen Religionen. Rund 24 haben keine religiöse Zugehörigkeit.

Wohlstand, Ungleichheit und Gesundheitsversorgung im Dorf

Sechs Personen unseres Dorfes besitzen so viel Reichtum wie die ärmere Hälfte aller Dorfbewohner zusammen. Die reichsten zehn Prozent halten fast drei Viertel des gesamten Vermögens. Wer ein stabiles Dach über dem Kopf und regelmäßig Essen im Kühlschrank hat, zählt zu den privilegierten 27 Prozent.

Rund 80 leben in einfachen oder ärmlichen Häusern. Etwa acht leiden unter Hunger oder Unterernährung. Wer Geld auf dem Konto oder in der Tasche hat, gehört zu den privilegierten 14 Prozent des Dorfes. Besonders krass zeigt sich das bei der Gesundheitsversorgung: Etwa 46 Dorfbewohner haben keinen Zugang zu Ärzten und sicheren Geburten.

Lebenserwartung und Sterben im Dorf

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Welthausen liegt bei etwa 73 bis 74 Jahren. Wer hier geboren wird, kann global gesehen mit rund 74 Jahren rechnen. Doch das variiert enorm je nach Herkunft und Lage. Wer in Welthausen in einer der privilegierten Ecken lebt, stirbt im Schnitt mit 80 bis 85 Jahren. In den ärmeren Vierteln, besonders in Afrika oder Teilen Asiens, sterben viele bereits mit 60 Jahren oder früher.

Dankbarkeit statt Vorwurf

Wenn du heute aufwachst, ohne Krieg vor der Haustür, Folter oder akuten Hunger, geht es dir besser als Hunderten Millionen anderen. Hast du ein Zuhause, Kleidung und Essen, bist du besser dran als ein Großteil der Menschheit. In Welthausen wird klar: Wir sind die Minderheit, die in relativem Wohlstand und guter Gesundheit lebt. Wertschätzen wir, was wir haben.

 Ob aber Tagestouristen noch Lust hätten, das 100-Seelen-Dorf Welthausen zu besuchen, nachem sie dies alles vorher gelesen haben?

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