Vorbei sind die wilden Wild-West-Zeiten, in denen der Benzinpreis wie ein Yo-Yo alle halbe Stunde rauf und runter ging. Als ob der Tankstellenbesitzer hinter dem Tresen mit dem Würfelbecher die neuen Preise auswürfeln würde. Mit diesem Glücksspiel ist jetzt Schluss. Denn unser fürsorglicher Vater Staat hatte mal wieder eine super geniale Idee, wie sie nur alle paar Jahrhunderte vorkommt. Künftig darf jede Tankstelle den Preis nur noch einmal am Tag ändern und zwar pünktlich um 12:00 Uhr mittags. High Noon am Zapfhahn. In der guten alten Zeit wurden um 12 Uhr die Weißwürste billiger, weil sie das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hatten.
So schön das auch klingen mag die 12-Uhr-Benzinpreiskurzzeitbremse hat erhebliche nachteilige Auswirkungen auf die Freundschaft unter uns Bundesbürgern. Früher fuhr man an einer Tankstelle vorbei, sah zwölf Cent günstigeren Sprit und spürte sofort die heilige Verpflichtung, alle Freunde zu informieren. Per Telefon, per WhatsApp, als hätte man gerade im Wald tausend Steinpilze entdeckt. Die Freunde warfen sich die Jacke über, schnappten den Autoschlüssel und düsten los durch die blühenden Landschaften, auf der Jagd nach diesem kleinen märchenhaften Glück.
Lustige Schnitzeljagd
Es war wie eine lustige Schnitzeljagd quer durch die Republik. Man lernte auf diesen Benzinpreis-Jagausflügen die eigene Heimat nochmal richtig kennen. Diese Zeiten sind jetzt vorbei. Die tägliche Jagd nach dem günstigsten Preis ist abrupt beendet. Ab sofort darf der Tankpeis ausgerechnet um zwölf Uhr mittags, wenn anständige Menschen traditionell ihre Mittagssuppe löffeln, geändert werden. Die Kirchturmuhr schlägt zwölf Mail und es fühlt sich an, wie eine Zeitenwende bei uns in Kleinbergkirchhausen. Berlin ist weit weg, greift aber doch in unser friedliches Leben massiv ein.
Was waren das für schöne, überraschungsreiche Zeiten, als der Benzinpreis hüpfte wie der Aktienkurs von Volkswagen. Vorbei mit den Eilmeldungen an die Kumpels, vorbei mit den heldenhaften Rasereien für zwei Euro Ersparnis, von denen dann ein Teil auf der Strecke verpuffte.
Traurige neue Welt
Bei 50 Litern und zwölf Cent gespart kamen immerhin 6 Euro zusammen. Das entsprach beim Discounter exakt 20 Flaschen Bier á 30 Cent. Dies hat die Regierung nicht bedacht. Auf der Strecke bleibt auch die schöne Gelegenheit, sich als guter Freund zu beweisen. Man kann nicht mehr stolz verkünden: „Leute, ich hab was entdeckt – zugreifen!“
Hat die Politik bei diesem 12-Uhr-Termin wirklich an alles gedacht? Wir sitzen am Küchentisch und haben unserem Freundeskreis plötzlich nichts mehr mitzuteilen. Eine traurige neue Welt. Einen Grund, „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“ anzustimmen, ergibt sich daraus allerdings trotzdem nicht.























