Jetzt sind auch schon jahrzehntealte Nacktszenen am Set sexueller Missbrauch: Schauspielerin Anett Renneberg (Foto:ScreenshotYoutube)
[html5_ad]

Neues aus der Reihe „Ich war auch mal irgendwann Opfer“: Immer mehr MeToo-Spätoffenbarungen nach Fernandes-Kampagne

Im Kielwasser der seit zwei Wochen schwelenden Fernandes-Ulmen-Posse um angeblich verbreitete Deepfake-Videos setzen nun auch wieder die „MeeToo“-Spätoffenbarungen ein. Diesmal ist es die vor allem aus der ARD-Serie „In aller Freundschaft“ bekannte Schauspielerin Annett Renneberg, die mit einem angeblich seit 35 Jahren anhaltenden Trauma an die Öffentlichkeit ging. Im Alter von 13 Jahren habe sie am Set des Films „Die Brut der schönen Seele“ Szenen drehen müssen, die sie schwer belastet hätten. „Es gab eine Masturbationsszene, die vor einem Spiegel im Stehen begann und bei der ich meine Brüste entblößen musste“, berichtet sie in der „Bunten“. „Aus heutiger Sicht und mit heutigem Wissen würde ich sagen, dass ich damals am Set missbraucht wurde“, so Renneberg. Denn auch eine gespielte Szene ihrer Entjungferung durch den 17 Jahre älteren Schauspieler-Christoph Hohmann sei mehrfach wiederholt worden, weil ihr Stöhnen zu unecht gewirkt habe. Es sei ein “Albtraum” gewesen.

Doch damit nicht genug: 1991 habe die heute 48-Jährige doch tatsächlich im Unterhöschen eine Szene drehen müssen, die der verstorbene Regisseur Rainer Behrend vorher mit ihr probiert habe. „Bekleidet zwar, aber mit Anfassen.“ Sie sei mit nur 13 Jahren als Debütantin ohne Betreuung am Set und in einigen expliziten Szenen total überfordert gewesen und wäre „vor Scham gerne in den Boden versunken“.

„Mutige Frau“

Auch in den Jahren danach habe Renneberg „immer wieder Sex-, Nackt- und Liebesszenen“ drehen müssen, die die Handlung nicht weitergebracht hätten. Es sei nur darum gegangen, eine Frau nackt zu zeigen, was bedeutet habe, dass sie am Set völlig schutzlos gewesen sei. Ihr sei gesagt worden, sie solle nicht so zickig sein, sich nicht anstellen, sie könne doch zeigen, was sie habe. Dieser Missbrauch werde sie immer begleiten, „die Grenzüberschreitungen haben damals meine Seele verdunkelt“, so Renneberg weiter. Lange habe sie vieles verdrängt. „Ich glaube, ich bin eine mutige Frau. Aber ich habe Angst, dass ich jemandem schade. Dabei ist mir geschadet worden“.

So kritikwürdig der Umgang mit ihr im Teenageralter zweifellos war: Hier wird rückschauend eine zum Berufsalltag von Schauspielern nunmal zwangsläufig dazugehörende berufliche Erfahrung zum Missbrauch hochstilisiert – und vo allem stellt sich hier mal wieder die Frage, warum sie auch in späteren, reiferen Jahren weiterhin immer wieder Szenen drehte, die ihr dermaßen zuwider waren und nicht aus einem Beruf ausgestiegen ist, der ihr angeblich so vieles gegen ihren Willen abverlangt hat. Dies und der Zeitpunkt der Veröffentlichung solcher Bekenntnisse ist es, der nun wieder den Eindruck erweckt, das Ganze diene dazu, dem großen Mischmach aus Deepfake-Gesetzen, Klarnamenpflicht, Social-Media-Verboten et cetera hinzugefügt zu werden, der gerade wieder angerührt wird. Renneberg hätte seit Jahren die Gelegenheit gehabt, die Zustände in ihrer Branche anzuprangern. Nun, da sie kürzlich nach neun Jahren ihre Stammrolle in der ARD-Serie verloren hat und auf neue Angebote wartet, fallen sie ihr plötzlich medienwirksam ein. Dies gibt auch diesen dramatischen Schilderungen einen fragwürdigen Beigeschmack, wie bereits in so vielen Fällen zuvor. (TPL)

04ce10b0402e495c8518a60e6688cb87
image_printGerne ausdrucken

Themen