Auch in der fünften Woche des Iran-Krieges bleiben die Aussagen von US-Präsident Donald Trump widersprüchlich. Von einem baldigen Kriegsende bis zur weiteren Eskalation durch den Einsatz von US-Bodentruppen bringt er alles aufs Tapet. In seiner gestrigen Rede an die Nation verkündete er: „Wir haben es alles geschafft“ und listete auf wie viele militärische Kapazitäten des Iran man zerstört habe. Die iranische Marine sei „weg“, die Luftwaffe „in Ruinen“, die Anführer „tot“, die Revolutionsgarde „dezimiert“, die Raketenfähigkeiten „gestutzt“ und die Waffenfabriken „in Stücke“. Obwohl die iranische Bedrohung nun „ausgeräumt“ sei, werde der Krieg aber noch weitergehen. „In den nächsten zwei bis drei Wochen werden wir sie zurück in die Steinzeit bringen, wo sie hingehören“, drohte Trump, nur um zugleich wieder seine Bereitschaft für ein Abkommen mit den Mullahs durchblicken zu lassen. Sollte dies aber nicht zustande kommen, werde man die iranischen Elektrizitätswerke und die Öl-Infrastruktur angreifen.
„Regime Change war nie unser Ziel“, sagte er weiter, obwohl er genau dies in seiner ersten Botschaft zu Kriegsbeginn ausdrücklich erklärt hatte. Mit dieser erratischen Rede, die das iranische Regime für tot erklärte, aber mit ihm verhandeln will, den bereits erreichten Sieg ausrief, aber auch die wochenlange Fortsetzung des Krieges ankündigte, hat Trump wenig zur Klärung der Lage beigetragen. Damit lässt er natürlich auch Raum für die Spekulationen der üblichen „Experten“, die alle möglichen Szenarien zusammenraunen können, obwohl auch sie keinen Einblick in die inneren Verhältnisse im Iran haben.
Ein Deal ohne Machtwechsel wäre ein Fehlschlag
So sollen etwa die Revolutionsgarden (IRCG) die faktische Macht übernommen haben, der Wächterrat und die Expertenversammlung würden nur noch formal weiterbestehen. Da die IRCG Schlüsselindustrien wie Energie, Bauwesen und Telekommunikation kontrollieren, würden sie ihre Macht nicht wieder abgeben, wird weiter behauptet. Dass das iranische Volk hier vielleicht noch ein Wort mitzusprechen hat, kommt offenbar wenigen in den Sinn. Aufgrund der Nachrichtensperre weiß niemand, ob und wann sich neue Aufstände formieren, die dem mindestens stark angeschlagenen Regime den Rest geben, das erst zu Jahresbeginn geschätzt weitere ca. 30.000 Menschen abschlachtete. Tatsache ist, dass niemand derzeit abschätzen kann, wie die genauen Machtverhältnisse sind. Politische Ferndiagnosen vom heimischen Computer aus, die aus nichts als Vermutungen bestehen, geben jedenfalls keine brauchbare Orientierungshilfe.
Sollte das Regime nicht stürzen und Trump sich mit dem, was davon übrig ist, auf einen Deal einlassen, muss man den Krieg allerdings in der Tat als kolossalen und für das iranische Volk absolut katastrophalen Fehlschlag einstufen, da es dann weiterhin dieser barbarischen Theokratie ausgeliefert wäre, die ihre geschwundene Macht nur umso skrupelloser festigen und noch viel entschlossener nach atomaren Waffen streben würde. Dennoch ist es derzeit schlicht zu früh, um irgendeine fundierte Prognose abzugeben oder gar eine Bilanz zu ziehen. (ZPL)























