Dass in Berlin dort, wo einst Schwarz-Rot-Gold erstrahlte, die Flaggen aller Herren Länder und auswärtiger, also nicht dem Souverän des deutschen Staatsvolks zuzuordnender Mächte wehen, ist man gewohnt; Ukraine-Flaggen, EU-Flagge, Regenbogenflagge. Doch es geht noch bunter: Am Mittwoch wehte vor mehreren Berliner Bezirksrathäusern die blau-grüne Flagge der Sinti und Roma mit dem roten Wagenrad. Die Aktion sollte ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen. Sozialsenatorin Cansel Kızıltepe (SPD) begründete diesen neuerlichen “Symbolakt” mit klaren Worten: „Jeden Tag werden Romnja und Sintizze diskriminiert und ausgegrenzt. Das passiert auch in Berlin. Aber wir nehmen das nicht hin.“ Solche Behauptungen, die die eigene Bevölkerung zu Rassisten und Fremdenhassern stempelt, gehören in Berlin zur Staatsräson
Angesichts des Übertragungsrumgeopferes der linken Senatsverwaltungen mutet dieses neuerliche “Haltung zeigen” und “Zeichen setzen” längst pathologisch an. Der Kolumnist Gunnar Schupelius wirft der Senatorin zu Recht vor, ihre Behauptung einer “systematischen Ausgrenzung von Sinti und Roma” in der Hauptstadt nicht überzeugend belegen zu können. Als Beweis führte Kızıltepe den „Berlin Monitor 2025“ der Universität Leipzig an. Demnach hätten 25 bis 30 Prozent der Befragten stereotypen, abwertenden oder ablehnenden Aussagen über Sinti und Roma zugestimmt. Schupelius kritisiert jedoch die Methodik der Umfrage scharf: Selbst die Zustimmung zu positiv klingenden Sätzen wie „Sinti und Roma sind besonders gute Musiker“ werde dort als „benevolenter Antiziganismus“ gewertet – also als versteckte Diskriminierung durch Verallgemeinerung. Eine solche Auslegung mache fast jede Aussage verdächtig und schwäche die Aussagekraft der “Studie” erheblich.
Märchen von der “systematischen Diskriminierung”
Zusätzlich beruft sich die Senatorin auf die Dokumentationsstelle Antiziganismus DOSTA/MIA. Diese meldete für das Jahr 2024 insgesamt 247 „antiziganistische Vorfälle“ in Berlin. Allerdings bleiben diese Vorfälle undurchsichtig: Es gibt keine näheren Beschreibungen, keine Überprüfung der Meldungen und für 2025 fehlen die Zahlen komplett. Für Schupelius reicht das nicht aus, um von einer systematischen Diskriminierung in Berlin zu sprechen. Das Flaggenhissen ist eher wie eine symbolische Geste, die einer soliden Begründung entbehrt. Wer als Regierung eine Minderheitenflagge offiziell hisst, müsse stichhaltig nachweisen können, dass diese Gruppe tatsächlich täglich massiv benachteiligt werde.
Genau diesen Nachweis bleibe die Sozialsenatorin schuldig. Stattdessen werde mit fragwürdigen Umfragedeutungen und unklaren Vorfallzahlen gearbeitet.Schupelius stellt damit grundsätzlich die Frage, ob solche symbolischen Aktionen der Realität in Berlin gerecht werden oder eher einer politisch gewünschten Narrative folgen. Es bräuchte daher wahrlich mehr Sachlichkeit und bessere Belege, bevor der Berliner Senat mit offiziellen Flaggenaktionen bestimmte Gruppen besonders herausstellt (TPL).






















