Ende März gab es einen Anschlag auf die Stromversorgung einer Pumpstation der Transalpine Ölpipeline (TAL) bei Terzo di Tolmezzo in den italienischen Alpen. Die Pipeline führt über die Alpen nach Deutschland. Drei Tage lang floss kein Rohöl mehr vom Hafen Triest zu den Raffinerien in Süddeutschland. Besonders betroffen war die MiRO-Raffinerie in Karlsruhe, Deutschlands größte. Die Anlage musste auf Lagerbestände zurückgreifen. Erst in der Nacht zum 30. März lief die Pipeline wieder an.
Die TAL ist eine der wichtigsten Energierouten Mitteleuropas. Sie versorgt Raffinerien in Bayern, Baden-Württemberg und teilweise Tschechien mit Rohöl und deckt einen erheblichen Teil des Bedarfs an Benzin, Diesel und Flugkraftstoff in der Region.
Warum blieb der Vorfall so lange unter dem Radar?
Der Anschlag auf einen Strommast an der Pumpstation wurde zunächst nicht öffentlich gemacht. Erst Anfang April berichteten WELT am Sonntag und Business Insider darüber – gestützt auf zwei unabhängige Quellen. Die italienische Polizei ermittelt vor Ort, das Bundeskriminalamt ist eingeschaltet. Die Betreiberfirma TAL und der italienische Stromnetzbetreiber Terna äußern sich bislang nicht zur Ursache.
Kritiker werfen Behörden und Unternehmen vor, den Vorfall bewusst heruntergespielt oder verzögert kommuniziert zu haben. Ähnlich wie bei früheren Angriffen auf europäische Energieinfrastruktur (z. B. Nord Stream) drängt sich die Frage auf: Sollte die Öffentlichkeit nicht frühzeitig über Bedrohungen kritischer Versorgungslinien informiert werden? Stattdessen erfuhren Bürger und Politik erst Wochen später davon.
Hohe Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur
Der gezielte Angriff auf die Stromzufuhr zeigt, wie anfällig moderne Energieversorgung ist. Eine einfache Beschädigung eines Strommastes in den Alpen reichte aus, um eine 753 Kilometer lange Pipeline für Tage lahmzulegen. In Zeiten geopolitischer Spannungen – von der Straße von Hormuz bis zu laufenden Konflikten – wird deutlich: Europa hängt an dünnen Fäden.
Die MiRO-Sprecherin bestätigte: „Wir haben drei Tage lang kein Rohöl bekommen und aus unseren Beständen gelebt.“ Eine akute Krise blieb dank Puffern aus, doch das Szenario eines längeren Ausfalls wäre dramatisch gewesen – mit möglichen Engpässen an Tankstellen und höheren Preisen.
Transparenzdefizit und offene Fragen
Bis heute gibt es keine gesicherten Erkenntnisse zu Tätern oder Motiv. Spekulationen reichen von politisch motivierten Akteuren über Saboteure bis hin zu anderen Hintergründen. Die Ermittlungen laufen. Der Tweet des norwegischen Energie-Professors Francesco Sassi (@Frank_Stones) hat das Thema nun stärker ins Bewusstsein gerückt.
Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie gut ist die europäische Energieinfrastruktur gegen hybride Bedrohungen geschützt? Und warum werden solche Vorfälle oft erst dann öffentlich, wenn Journalisten nachhaken? In einer Zeit, in der Versorgungssicherheit zur nationalen Frage wird, darf Transparenz kein Nice-to-have sein.
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Dieser Beitrag erschien auch auf “MMNews”.























