Was ein Zinnober um einen Wal! (Symbolbild:Imago)
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Wal-Kampf und kein Ende: Die “Timmy”-Vermenschlichung treibt immer irrere Blüten

Die Hysterie um den in der Ostsee gestrandeten Wal, dem „Bild“ den verniedlichenden Namen „Timmy“ gegeben hat, treibt immer absurdere Blüten. Die 58-jährige Klimaaktivistin und Tierschützerin “Nicola” reiste eigens aus München an, um dem sterbenden Tier beizustehen. Allerdings nicht aus der Ferne, sondern indem sie sich von einer Fähre aus in die Fluten stürzte, um zu dem Wal vorzudringen. Etwa drei Meter vor ihrem Ziel wurde sie von der Polizei gestoppt. Ziel ihrer Aktion sei es gewesen, Aufmerksamkeit in den Medien zu bekommen. „Der Wal stirbt nicht. Er weint. Er hat Vitalität. Das sieht man. Schlauchboote, die sich ihm nähern, begrüßt er mit einer Fontäne“, sagte sie. Als Eisbachsurferin mache ihr das kalte Wasser nichts aus.

Es war bereits Nicolas zweiter Versuch, nachdem sie am Samstag schon in die Ostsee gesprungen war. „Die Frau war in den 500-Meter-Sperrbereich eingedrungen. Angesichts der niedrigen Außentemperaturen und des kalten Wassers war dies nicht ungefährlich. Zudem befindet sich in dem Bereich eine Fahrrinne mit Schiffsverkehr“, erklärte die Polizei. Eine Anzeige sei nicht ausgeschlossen. Till Backhaus, der SPD-Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, bekräftigte, dass es für den Wal aufgrund seines Gesundheitszustands keine realistische Aussicht auf Rettung gebe.

Anhaltende Mischung aus Tragödie und Farce

Damit will sich der Millionär und Media-Markt-Gründer Walter Gunz aber nicht abfinden, der sich in den letzten Tagen vehement und medienwirksam in das Thema einmischte. Gunz unterstützt den Verein Pixel-Helper, der den Wal freibaggern will. Vor Gericht scheiterte er aus formellen Gründen mit einer Klage, da der Verein nicht für den Wal klagen könne. Fünf weitere Klagen wurden bislang mit ähnlicher Begründung abgelehnt, drei weitere Verfahren seien am Freitag noch offen gewesen, erklärte das Gericht. Auch bei Backhaus ist Gunz mit seinem Plan gescheitert. Dennoch will er sich weiter bemühen. Die Kosten für einen Rettungsversuch will er übernehmen.

Diese seit Wochen anhaltende Mischung aus Tragödie und Farce geht also weiter und lockt weiterhin alle möglichen Profilneurotiker an. Es scheint, als habe diese von der Politik seit Jahren gegeneinander aufgehetzte Gesellschaft hier etwas gefunden, auf das sie sich in diesem untergehenden Land noch einigen und den allgegenwärtigen Problemen eine Zeitlang entfliehen kann. (TPL)

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