Der Skandal von Hannover um die langjährige SPD-Politikerin Hülya İri (Jouwatch berichtete) hat strafrechtliche Konsequenzen: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die ehemalige stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Stadtrat und ihre Tochter Esma B. wegen Untreue und Subventionsbetrug. İri hatte 2018 gemeinsam mit Familienangehörigen den Integrationsverein „Integrationsarbeit Kronsberg e.V.“ gegründet. Ziel war es, in dem Neubauviertel Kronsberg “Probleme mit aggressiven Jugendgruppen” zu bekämpfen. Der Verein erhielt in wenigen Jahren über 1,2 Millionen Euro an Fördergeldern – darunter 740.000 Euro aus dem Bundes-Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) sowie Mittel des Landes Niedersachsen und der Region Hannover.
Ende März 2026 ging der Verein dann in Insolvenz; er verfügte nicht einmal über eine Homepage und soll nur “geringe Aktivitäten” entfaltet haben. Offenbar ging es allein darum, sich im Stil des NGO-Komplexes die Taschen vollzumachen.Gerüchte über Unregelmäßigkeiten kursierten bereits seit zwei Jahren, wurden aber im linksgrünen Genossen-Sumpf ignoriert. Kern der Vorwürfe ist die zweckwidrige Verwendung der Gelder. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erstattete Mitte März Strafanzeige wegen des Verdachts, dass ein Großteil der AMIF-Mittel nicht für Integrationsarbeit, sondern unter anderem für Immobilienkäufe verwendet wurde. Hinzu kommen anonyme Anzeigen, darunter eine aus dem Dezember 2025, sowie eine Strafanzeige der Stadt Hannover wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten bei hohen Verdienstausfallentschädigungen für İri.
Ämterhäufung und familiäre Verflechtung nach “Türken-Style”
Auch kleinere Förderungen – etwa 8.000 Euro Coaching-Geld 2019 und 20.000 Euro für das Projekt „Demokratie goes online“ 2022 von der Lotto-Sport-Stiftung – stehen im Zusammenhang mit Prüfungen und Rückzahlungen (2.786,91 Euro).Der Fall hat eine deutliche Vetternwirtschafts-Komponente. İris Tochter Esma B. war bis Ende 2025 in der Stadtverwaltung tätig, zuletzt im Dezernat des SPD-Ordnungsdezernenten Axel von der Ohe, der bei der Kommunalwahl im September 2026 als Oberbürgermeisterkandidat antritt. İris Sohn wechselte Anfang März 2026 auf eine befristete Stelle im selben Dezernat für „Prozessmonitoring, Controlling und Organisation“ und gehörte zuvor zum Wahlkampfteam von der Ohes. Die Familie hatte die hannoversche SPD jahrelang aktiv unterstützt, unter anderem bei Wahlkämpfen.Die SPD-Politikerin Doris Schröder-Köpf (Landtagsabgeordnete und ehemalige Migrationsbeauftragte) hatte den Verein mehrfach mit Empfehlungsschreiben und einer Stellungnahme unterstützt.
Ende 2025 soll İri mit Nachdruck ein weiteres positives Schreiben der Stadtverwaltung für ein Vereinsprojekt gefordert haben – vergeblich.Ende März 2026 legte Hülya İri ihr Ratsmandat aus gesundheitlichen Gründen nieder. Nachdem die SPD ein Parteiordnungsverfahren androhte, ließen İri und ihre beiden Kinder ihre Parteimitgliedschaft ruhen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen seit Freitag. Der Skandal belastet die hannoversche SPD kurz vor der Kommunalwahl erheblich, da er das Bild von Ämterhäufung, familiärer Verflechtung zwischen Politik, Vereinsarbeit und Verwaltung und möglicher Misswirtschaft vermittelt. (TPL)























