Abgehobener geht's nicht: Wirtschaftsweise Schnitzer (Foto:Imago)
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„Wirtschaftsweise“ Schnitzer trägt bei Miosga 430-Euro-Schuhe – und empfiehlt den Deutschen, wegen der Spritpreise mal “einen Pulli weniger” zu kaufen

Die „Wirtschaftsweise“ Monika Schnitzer hat wieder einmal hilfreiche Tipps für die unter den exorbitanten Spritpreisen leidenden Deutschen. Nachdem sie ihnen bereits zu Monatsbeginn nahegelegt hatte, sich zu überlegen, „wo ist es wirklich wichtig zu fahren, wo kann ich darauf verzichten, wo kann ich eine Fahrgemeinschaft bilden, wo kann ich vielleicht mal mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren“, legte sie am Sonntag bei Caren Miosga in der ARD nach und dehnte ihre Empfehlungen auf weitere Alltagsbereiche aus. Die zusätzlichen Ausgaben für Benzin und Diesel ließen sich etwa dadurch ausgleichen, dass man „den ein oder anderen Pullover“ weniger kaufe oder vielleicht „zwei Tage weniger in den Urlaub“ fahre, riet sie. Mit solchen Sparmaßnahmen würden die meisten nicht so schnell ans Existenzminimum kommen. Nur den wenigen, die davon wirklich betroffen seien, sollte man Unterstützung zukommen lassen, so Schnitzer. Mit bestechender Logik gab sie auch zu bedenken, dass wer Auto fahre, sich ja schließlich schon mal ein Auto leisten könne. Somit rede man nicht über die „Allerärmsten“, und nur „ganz wenige“ seien tatsächlich von dem Preisanstieg tatsächlich betroffen. Wer beruflich 1.000 Kilometer im Monat fahre, hätte Mehrkosten von 30 oder 50 Euro. „30 Euro mehr im Monat, selbst wenn das sechs Monate dauert, sind das 180 Euro mehr. Selbst wenn es 50 Euro sind, sind das 300 Euro mehr. Das werden die allermeisten tragen können“, befand die arrogante Professorin, die, gemeinsam mit ihrem Mann, der ebenfalls Wirtschaftsprofessor ist, auf ein Jahreseinkommen von 200.000 bis 250.000 Euro kommen dürfte und sich ab 1. Mai auch noch auf eine satte Gehaltserhöhung freuen darf, da es zu den zahllosen Absurditäten in diesem Land gehört, dass Professoren verbeamtet werden.

Auf Fahrgemeinschaften oder den öffentlichen Nahverkehr wird sie also kaum zurückgreifen müssen. Schnitzer verstieg sich gar zu der Behauptung, durch den armseligen Tankrabatt von ca. 17 Cent, den die Bundesregierung für Mai und Juni großzügig als Almosen gewährt, hätten die Menschen keinen Anreiz zum Sparen! Sie glaubt offenbar ernsthaft, die paar Euro, die dadurch zusammenkommen und die angesichts der allgemeinen Lebenshaltungskosten nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein sind, würden die Deutschen zu wilden Kauforgien verführen. Mit solchen Milchmädchenrechnungen bringt man es in Deutschland zur „Wirtschaftsweisen“. Auch vom ebenfalls bei Miosga anwesenden Unions-Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn ließ Schnitzer sich nicht beschwichtigten.

Arroganter Marie-Antoinette-Verschnitt

Dessen Einwurf: „Bei mir daheim im Münsterland und in vielen anderen Regionen Deutschlands fahren die Leute Strecken zu ihrem Arbeitsplatz. Und für die ist das gerade ziemlich brutal und ja, für die machen auch 30, 50 oder 100 Euro im Monat einen Unterschied“, wischte Marie-Antoinette-Verschnitt Schnitzer ebenso unwirsch und arrogant beiseite wie seinen Hinweis, die Leute würden bereits sparen, und niemand würde auf die Idee kommen, wegen 17 Cent Entlastung „wieder zu fahren als gäbe es kein Morgen“, wenn der Preisanstieg bei 50 Cent liege.

Darauf belehrte Schnitzer ihn: Ein Unternehmer, der höhere Kosten habe, werde seine Preise erhöhen, wenn er nicht im internationalen Wettbewerb stehe. Und das tue ein Busunternehmer nicht. Dann werde er seine Preise anheben müssen. Genau das sei der Effekt einer solchen Energiekrise: „Die Preise steigen und wir alle müssen damit umgehen“. Für jemanden wie Schnitzer, die bei ihrem Auftritt bei Miosga Schuhwerk im Wert von 430 Euro trug, ist es natürlich leicht, anderen vorzuhalten, sich über Mehrkosten von „30, 50 oder 100 Euro im Monat“ nicht künstlich aufzuregen. Aus dem von der Lebensrealität abgeschnittenen Elfenbeinturm ist man gerne freigiebig mit guten Ratschlägen. Dass Schnitzer von dem Geld der Menschen lebt, die sie von ihrem von der Allgemeinheit bezahlten Münchner Lehrstuhl und öffentlichen Podien herab überheblich und süffisant schulmeistert, dürfte ihr gar nicht bewusst sein. Anstatt ihre vermeintliche wirtschaftliche Expertise in der Praxis unter Marktbedingungen zu beweisen, lässt sie, die strikt gegen staatliche Eingriffe argumentiert, sich selbst gerne vom Staat bezahlen und schwadroniert dafür weltfremden Unsinn zusammen. Damit ist sie ein weiteres Sinnbild für die unfähigen „Eliten“, die den Ton in diesem Land angeben. (TPL)

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