Unter den Linden in Berlin-Mitte entsteht direkt neben dem Neubau der Polnischen Botschaft das Elisabeth-Selbert-Haus - Kostenpunkt mindestens 117 Millionen plus X (Foto:Imago)
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Perverse Kostenexplosionen: Hunderte Millionen Euro für Neubau der Bundestagsverwaltung

Die Deutschen sollen sparen und sparen und immer Geld für immer weniger und schlechtere Leistungen zahlen, ihre „Volksvertreter“ verbraten jedoch aberwitzige Summen für ihre Repräsentativbauten – und wie bei allen Bauvorhaben in diesem Land sprengen die ohnehin exorbitanten Kosten jeden vorab gesetzten Rahmen. Die Summe für den Neubau des Elisabeth-Selbert-Hauses für die Unterbringung der Bundestagsverwaltung liegen laut der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) aktuell bei 117,4 Millionen Euro – mindestens. Ursprünglich war ein Umbau des Gebäudes aus DDR-Zeiten geplant, für den man 28 Millionen Euro veranschlagte. Später wurde jedoch ein Neubau beschlossen, da das frühere Gebäude den baulichen Anforderungen angeblich nicht mehr entsprochen hatte. 2022 hatte die Bima die Kosten mit 89 Millionen Euro angegeben, zuvor lag die Kalkulation bei 73 Millionen Euro.

Das alte Gebäude wurde ab 2020 abgerissen, der Neubau läuft seit 2024. Deshalb könnten die Baukosten für die Projekte nicht verglichen werden, argumentiert die Bima mit der Kreativität, die man von solchen Behörden kennt. Den abermaligen Kostenanstieg begründet sie vor allem mit einer „Baugrundproblematik“, konkret dem hohen Grundwasserspiegel und dem sandigen Boden. Zudem würden auch die „aktuellen marktbedingten Kostensteigerungen“ den Baupreis in die Höhe treiben. Natürlich wird es nicht bei den 117,4 Millionen bleiben. Dabei handele es sich lediglich um die bislang „haushaltsseitig anerkannten Baukosten“. Darin seien „Risikokosten und gegebenenfalls weitere Baukostensteigerungen nicht enthalten“, schränkte die Bima bereits vorsorglich ein.

Weit hinter den Planungen zurück – Kanzeramt-Erweiterungsbau lässt grüßen

Aber auch sonst bleibt die Fertigstellung des Bundestagsbaus weit hinter den Planungen zurück. Ursprünglich sollten die neuen 197 Büros vor zwei Jahren durch die Parlamentsverwaltung bezogen werden, dann in diesem Jahr, nun soll es im Sommer 2027 soweit sein. Die Fertigstellung des ebenfalls zum Bundestag gehörenden Elisabeth-Lüders-Hauses sollte ursprünglich 190 Millionen Euro kosten. Inzwischen geht der grüne Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour davon aus, dass es „zweieinhalbmal so teuer“ wird.

Immerhin gibt es auch gute Nachrichten: Ende Juni soll der Einzug in das neue Bundeskanzleramt erfolgen – 12 Jahre später als geplant und für Kosten von offiziell 777 Millionen Euro (ursprünglich 485 Millionen), aber Bundeskanzler Friedrich Merz endlich angemessen in der größten Regierungszentrale der (mindestens) westlichen Welt untergebracht zu sehen, dürfte vielen schwergebeutelten Deutschen das Herz erwärmen – zusätzlich zur Freude über den zweimonatigen Tankrabatt von 17 Cent, den seine segensreiche Regierung ihnen gewährt. (TPL)

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