Wolfgang Reitzle: Diplomatisches, aber in der Sache harte Abrechnung mit der deutschen Politik als "Vermächtnis” eines scheidenden Top-Managers (Foto:Wikicommons)
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Manager-Legende Wolfgang Reitzle: Abrechnung mit Merz und seiner Versager-Regierung

Wenige Tage bevor der 77-jährige Manager Wolfgang Reitzle seine Tätigkeit als Aufsichtsratsvorsitzender bei Continental beendet und in den Ruhestand geht, hat er in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) noch einmal Kritik an den Zuständen in Deutschland und an der Bundesregierung geäußert. Dabei kam zwar nichts Neues heraus, zumindest stellte ein wirklicher Experte aber noch einmal klar, wie die Lage ist. Steigende Steuern und Abgaben sowie überbordende Bürokratie würden Unternehmen und Wettbewerbsfähigkeit schaden, so Reitzle. Eine „völlig verfehlte deutsche Energiepolitik“ habe zu „einem der höchsten Strompreise der Welt geführt“ und sei Treiber der Deindustrialisierung. Es sei ein „fataler Irrtum“, ausschließlich auf erneuerbare Energien zu setzen. Solar- und Windstrom seien zwar CO2-neutral, aber nicht grundlastfähig“. Reitzle hält einen 50:50-Mix aus Atomkraft und Öko-Strom für ideal.

Da Atomkraft in Deutschland aber auf absehbare Zeit nicht mehrheitsfähig erscheine, brauche es moderne Gaskraftwerke mit CO2-Abscheidung. Der Ausbau der Erneuerbaren sollte gestoppt, die Förderung eingestellt werden. „Eine Technologie, die auch nach über 30 Jahren immer noch auf Subventionen angewiesen ist, kann nicht richtig sein“, so Reitzle weiter. Den Untergang der deutschen Autoindustrie hingegen befürchtet er nicht. Deren Dominanz sei zwar vorbei, ihre Marken seien aber zu stark, als dass sie einfach verschwinden würden. Bei E-Mobilität werde Deutschland wohl nicht mehr mithalten können, meint Reitzle. „Wir müssen uns die intelligenten Nischen suchen“. Eine Absage an das EU-Ziel der Klimaneutralität erteilt er nicht.

“Kein Sinn, sich als Musterschüler zu positioneren”

Nur das deutsche Ziel, es bereits 2045 erreichen zu wollen, hält er für verfehlt. Diese fünf Jahre würden heute harmlos klingen, aber eine dreistellige Milliardensumme zusätzlich kosten. Es ergebe auch, so Reitzle, absolut keinen Sinn, sich hier wieder als Musterschüler positionieren zu wollen. Öl werde wegen des EU-Zertifikatehandels dann in anderen europäischen Ländern verbrannt. „Im Ausland freut man sich über unsere Dummheit“, so Reitzles Fazit. Dass es sich bei der gesamten Klimaideologie um einen wirtschaftlich selbstmörderischen Wahnsinn handelt, bei dem es keinen Unterschied macht, ob man ihn bis 2050 oder fünf Jahre früher anpeilt, scheint er nicht zu denken – oder er erspart sich den Shitstorm, der unvermeidlich folgen würde, wenn er es offen aussprechen würde.

Was die Bundesregierung betrifft, zeigt Reitzle sich von Kanzler Friedrich Merz enttäuscht – gerade, weil er ihn persönlich kenne und sehr schätze. Er könne nur hoffen, „dass die SPD sich endlich besinnt“. Allerdings hegt er große Zweifel an der generellen Reformfähigkeit Deutschlands. „Es geht uns noch zu gut. Wahrscheinlich muss der Leidensdruck noch größer werden“, meint er. Ein paar kritische Worte zum Abschied, ohne allzu tief in die grundsätzlichen Probleme des Landes einzutauchen, sind Reitzles einstweiliges Vermächtnis. Anstatt einmal mit aller Deutlichkeit auszusprechen, dass dieses Land auf allen Ebenen dem Untergang entgegentaumelt, begnügt er sich mit ein paar Allgemeinplätzen, die außerhalb der links-grünen Blase mittlerweile jedem bekannt sind. Vielleicht hat er die Hoffnung auch aufgegeben und mit 77 Jahren Besseres mit dem Rest seines Lebens vor, als sich noch mit den hoffnungslosen Verhältnissen hierzulande herumzuärgern. (JS)

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