Keine Zeugen Jehovas – sondern Genossen, die Scherben kitten wollen (Symbolbild:KI)
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Rettet die SPD: Genossen im Außendienst…

Die SPD verlor 2025 rund 910.000 frühere Wähler an die AfD. Bundesweit liegt sie teils nur noch bei 12 Prozent, in Sachsen-Anhalt sogar bei 7 Prozent. Nun hilft nur noch die rote Feuerwehr. Wenn die Hütte brennt, hilft kein Homeoffice. Und bei der SPD brennt die Hütte. Die frühere Arbeiterpartei steht da wie ein Versicherungsvertreter ohne Kugelschreiber.

Also muss die rote Feuerwehr raus. Ein Brand wird nicht im Homeoffice gelöscht. Die SPD zieht deshalb in den Außendienst. Nicht in CDU-Straßen, sondern in ehemaligen SPD-Hochburgen.

Mit dem “Vorwärts” vor dem Bauch

Die neuen SPD-Hausierer treten sicherheitshalber paarweise auf, Mann und w und ggf. d, rote Mappe, freundliches Lächeln, wetterfeste Schuhe. Vor dem Bauch halten sie eine alte Druckausgabe des „Vorwärts“, fast wie die Zeugen Jehovas ihren „Wachtturm“. Für die Partei beginnt damit das große Klingelputzen.

Das gehört zu den unbeliebtesten Tätigkeiten überhaupt. Man kommt ungelegen, rückt den Leuten auf den Pelz und bekommt die Tür oft vor dem ersten Satz vor der Nase zugeschlagen. Leicht ist die Personalsuche dafür nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass der Job nur mit Mindestlohn vergütet wird.

“Guten Tag, wir möchten über die SPD sprechen!”

An der ersten Tür öffnet ein Mann im Unterhemd. Er schaut auf den „Vorwärts“ und fragt: „Sind Sie von der SPD oder von der Heizkostenabrechnung? Beides macht mir schlechte Laune.“

Die Genossin lächelt. „Wir möchten Sie zurückgewinnen.“ „Zurück?“, fragt der Mann. „Ich war nie weg. Ihr ward es, die gegangen sind! Früher ging es bei euch um Arbeit, Rente und bezahlbare Miete. Heute redet ihr so, dass ich erst meinen Enkel fragen muss.“ Der Genosse versucht es mit sozialer Gerechtigkeit. Der Mann zeigt auf seine Arbeitsschuhe, die an der Tür stehen. „Dann erklären Sie mir, warum ich morgens um fünf aufstehe und abends das Gefühl habe, ich finanziere eine SPD das mich für rückständig hält.“

Das Himmelreich ohne Mitgliedsantrag

An der zweiten Tür wohnt eine Rentnerin. Die Genossin erklärt, die SPD wolle wieder näher bei den Menschen sein.

„Kindchen“, sagt die Rentnerin, „ich habe schon genug Nähe. Jeden Monat reicht meine Rente nich mal fürs Nötigste. Dann sammle ich Flaschen.“

Der Genosse spricht vom neuen Grundsatzprogramm. Die Rentnerin fragt nach ihrer Rente. Die Genossin spricht von Respekt. Die Rentnerin fragt nach dem Arzttermin. Der Genosse spricht von Zukunft. Die Rentnerin fragt, ob diese Zukunft auch bezahlbares Essen enthält.

Der rote Klingelbeutel bleibt leer

In der dritten Straße öffnet ein früherer Schlosser. Vierzig Jahre Arbeit, Gewerkschaft, Betriebsrat. Früher wählte er SPD, wie andere sonntags Brötchen holen.

„Heute höre ich von euch nur noch, was alles wegmuss“, sagt er. „Der Verbrenner weg, die alte Heizung weg, die Industrie weg, die alte Sprache weg. Da fragt man sich irgendwann, ob man selbst auch wegkann.“

Die Genossin sagt „Transformation“. Der Mann hebt die Hand. „Bitte kein Fremdwort. Ich habe Feierabend.“

Frusterlebnisse an Haustüren

Dann sagt er: „Die AfD redet wenigstens über meine Arbeit. Ihr redet über mich, als wäre ich ein Problemfall.“

34 weitere Frusterlebnisse an Haustüren. Am Abend kehren die beiden SPD-Boten zurück. Der „Vorwärts“ ist zerknittert. Die Proslektmappe ist noch voll. Ein Mann wollte wissen, ob die SPD auch klingelt, wenn er im Krieg gefallen sei.

Vielleicht braucht die Partei wirklich einen besseren Außendienst, so wie bei den Riester-Verträgen. Das war ja auch ein SPD-Reinfall.

Tja, wer andren eine Grube gräbt…

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