"Zufällig gerettet" im Mittelmeer (Symbolfoto:Von Gene Isenko/shutterstock)
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Tickende Zeitbombe – Alarm in Athen: 550.000 Migranten warten in Libyen auf die Überfahrt nach Europa

Athen – Griechenlands Migrationsminister Thanos Plevris schlägt Alarm. Rund 550.000 Migranten und Flüchtlinge halten sich derzeit in Libyen auf und warten auf eine Gelegenheit, das Mittelmeer nach Europa zu überqueren. Die Aussage des Ministers am Sonntag fällt zusammen mit günstigem Wetter: Leichte Winde und ruhige See im östlichen Mittelmeer begünstigen die gefährlichen Bootstouren von der libyschen Küste aus. Erst am Wochenende rettete die griechische Küstenwache 125 Menschen in zwei Booten südlich von Kreta.

Die Zahl klingt dramatisch – und sie ist es auch. Doch sie bezieht sich nicht auf alle Ausländer in Libyen. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) zählte Ende 2025 insgesamt fast 940.000 Migranten im Land – den höchsten Stand seit Beginn der systematischen Erfassung. Viele stammen aus Sudan, Niger, Ägypten, Tschad und Nigeria. Viele arbeiten in Tripolis, Benghasi oder Misrata als Billigkräfte auf Baustellen oder in Haushalten. Dennoch bilden Libyen und seine Milizen seit Jahren ein zentrales Drehkreuz für Schleuser. Instabilität, fehlende Staatlichkeit und die Nähe zum Mittelmeer machen das Land zum Sprungbrett Richtung EU. Griechenland spürt den Druck besonders auf der östlichen Route. 2025 erreichten rund 42.000 Menschen die griechischen Inseln per Boot – 20 Prozent weniger als im Vorjahr. Dennoch stieg die Zahl der Ankünfte auf Kreta und Gavdos stark an: Vierfach mehr als 2024, weil Schleuser von Ostlibyen aus neue Wege nutzen.

Deutschland fördert faktische Menschenschleusung via “Seenotretter” weiterhin

Frontex meldet für die gesamte östliche Mittelmeerroute 2025 einen Rückgang um 27 Prozent auf etwa 51.400 Übertritte. Gleichzeitig blieb die zentrale Mittelmeerroute (vor allem Italien) mit rund 66.000 Ankünften der wichtigste Weg. Insgesamt starben 2025 nach IOM-Angaben fast 8.000 Migranten weltweit auf den Routen – viele im Mittelmeer. Athen sucht verzweifelt die enger Zusammenarbeit mit  der EU-Grenzschutzagentur Frontex; libysche Behörden werden Schleuserbanden bekämpft, Boote früh erkannt und Abfahrten verhindert. Italien setzt seit Jahren auf ähnliche Abkommen. Libysche Küstenwache hat allein seit Jahresbeginn 2026 Tausende Versuche gestoppt. Dennoch bleibt das System fragil: Libyen ist kein stabiler Partner, sondern ein Land mit rivalisierenden Milizen, in dem Migranten oft in Lagern ausgebeutet oder misshandelt werden. Doch die Die EU setzt weiter auf „Externalisierung“ der Grenzen – Geld, Ausbildung und Ausrüstung für libysche Behörden sollen Abfahrten stoppen –, während vor allem Deutschland weiter die „Seenotrettung” staatlich sponsort und Öl ins Feuer gießt.

Kritiker sprechen von einer Verlagerung des Problems. Humanitäre Organisationen wie UNHCR registrieren in Libyen über 110.000 Flüchtlinge und Asylsuchende (Stand April 2026), vor allem aus Sudan und Eritrea. Viele sind vor Krieg und Verfolgung geflohen. Für Griechenland bedeutet das gute Wetter jetzt höchste Alarmstufe. Minister Plevris warnt: Die ruhige See könnte Tausende zusätzlich motivieren. Schuld ist die Politik Brüssels – und vor allem von Deutschland, die den Schleusern den Rücken stärken.

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