Der ehemalige Fußballkommentator Marcel Reif hat sich nun ebenfalls in den Chor derer eingereiht, die nicht nur vor der AfD warnen, sondern ihretwegen das Land verlassen wollen. Im Podcast der Moderatorin Bettina Böttinger verkündete der 76-Jährige mit Blick auf die hohen Umfragewerte der AfD: „Vielleicht geht’s uns auch zu gut. Vielleicht ging’s uns allen zu lange zu gut.“ Möglicherweise sei daraus „eine Gleichgültigkeit gegenüber falschen Tendenzen und Strömungen“ entstanden. Natürlich durfte auch der bei solchen selbsternannten Warnern und Mahnern unvermeidliche Vergleich mit der Weimarer Republik nicht fehlen. „Es ist gefährlich zu sagen, das ist Satire. Die sehen uns lächeln und sagen: Euch wird das Lächeln schon noch vergehen“, sagte er zu den Forderungen der AfD. Zwar gestand er großzügig zu, dass nicht jeder AfD-Wähler ein Nazi sei, beklagte aber, dass bei vielen Bürgern „irgendein Quatsch“ verfange, der eigentlich als solcher erkennbar sein müsste. „Aber wir kriegen es nicht hin“, so sein Fazit.
Damit meint er aber natürlich nicht Quatsch wie den Multi-Kulti-Irrsinn oder die „Klimakrise“, sondern die Forderungen der AfD, dieses Land wieder in die Normalität zurückzuführen. Von Reif, dem Sohn eines jüdischen Holocaust-Überlebenden, hat man noch nie Warnungen vor der Islamisierung Deutschlands und der allein durch die Massenmigration immer weiter eskalierenden Gewalt oder dem längst wieder normal gewordenen Antisemitismus gehört. Lieber warnt auch er vor denen, die diesen Irrsinn endlich beenden wollen.
Unerträgliche Selbstgefälligkeit
Da er seit 2013 Schweizer Staatsbürger sei und die deutsche Staatsbürgerschaft aufgegeben habe, könne er jederzeit wieder in die Schweiz zurückkehren, so Reif weiter, der in München lebt. Was ihm jedoch Mut mache, sei die Arbeit mit Schulklassen. Wenn er dort über den Holocaust spreche, würden die Schüler zuhören „und nicht, weil sie müssen, und die stellen danach vernünftige Fragen“, meint er. Den Jugendlichen bläue er regelmäßig ein: „’Niemand kann euch verantwortlich machen für das, was damals war, aber wenn es sich wiederholt, ist jeder Einzelne von euch schuldig, das sage ich euch, und ich werde euch finden!’“ Das zeige Wirkung. „Es ist noch nicht alles verloren“, so sein Eindruck. Bei ihm und anderen seiner Kategorie ist jedoch alles verloren, vor allem der Blick für die Realitäten in diesem Land, die sie in ihren Elfenbeintürmen gar nicht wahrnehmen, sich dies aber einbilden.
Die Selbstgefälligkeit, mit der sie die Menschen bevormunden und ihnen die „richtige“ Denkweise vorgeben wollen, ist unerträglich. Wenn Reif sich einmal in der Schweiz unter deutschen Auswanderern umhören würde, erführe er, dass diese Deutschland sicher nicht aus Angst vor der AfD verlassen haben. Aber das interessiert ihn wahrscheinlich ohnehin nicht. Es wäre wohl für alle das Beste, wenn er mit seinen 76 Jahren in die Schweiz zurückkehren und sich seine Weisheiten sparen würde. Denn diejenigen, die nicht die Möglichkeit zum Auswandern haben, müssen sehen, wie sie in diesem wahnsinnig gewordenen Land klarkommen. (TPL)























