Tipps für Aufsteiger - und die Trittleiter nach oben nicht vergessen! (Symbolbild:KI)
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Wie man Abgeordneter wird und richtig abkassiert: Eine praktische Kurzanleitung

Wer ins Parlament will, braucht weder eine solide Ausbildung noch ein abgeschlossenes Studium. Qualifikation zählt in diesen Kreisen nicht. Kinderbuchautoren können Wirtschaftsminister, Küchenhilfen Außenminister werden. Gefragt ist allein die selbstdarstellerische Kompetenz, mit eleganter Sprache die Wähler zu besänftigen oder komplett zu verwirren. Es ist die strategische Kunst des kollektiven Phrasendreschens, die den Weg an die „Fleischtöpfe“ ebnet.

Zunächst das Wichtigste: Man kann sich nicht einfach bei einer Partei mit einem Lebenslauf bewerben, um als Abgeordneter eingestellt zu werden. So funktioniert das System nicht.

Die zähe Ochsentour der Jungaktivisten

Nachdem dies klar ist, nähern wir uns dem kalkulierten Lebenslauf eines MdB in spe. Als Jungaktivist schließe man sich der Jugendorganisation einer Partei an. Man wähle möglichst eine solche, bei der man diesen opportunistischen Schritt später nicht bereut. Doch wer selbst bei der Antifa aktiv war, kann heute dennoch Finanzminister werden.

Alsdann werde man aktiv und nehme an allen Veranstaltungen teil, insbesondere an den Schulungen. Dort wird ganz Wichtiges gelehrt. Man lernt, wie man mit vielen weichgespülten Worten rein gar nichts sagt. Die Wähler verlangen auch nicht mehr. Sie sind an das schwafelige Gerede gewöhnt.

Hervortun duch durch Hyperaktivität

Ob Du einen Beruf gelernt hast oder nicht, ob Du studiert hast oder nicht, das spielt keine Rolex. Du wirst nicht wegen fachlicher Kompetenz gewählt. Es zählt allein, wie Du mit aalglatter Sprache alles vertuschen kannst. Witze erzählen können kommt auch gut an. Stelle Dich auf hunderte Bürgerdialoge in den stickigen Nebenräumen von Gaststätten ein. Dort triffst Du die Wähler. Durch diese zähe Ochsentour musst Du durch, selbst noch als gewählter Abgeordneter. Vergiss Familie und Partnerschaft, denn Du bist abends nur selten zu Hause. Der pflichtbewusste Karrierist opfert sein Privatleben auf dem Altar der Macht.

Man tue sich alsdann durch Hyperaktivität hervor. Selbst bei einfachsten Hilfsdiensten kannst Du glänzen. Beim Aufräumen nach dem Grillfest oder beim Kleben von Plakaten zeigt sich der wahre Klassenkämpfer. Dann bewerbe man sich um einen Stellvertreterposten im Ortsverein, zum Beispiel als stellvertretender Schriftführer. So kann man einspringen und seine bühnenreife Einsatzbereitschaft beweisen, wenn der Erste gerade nicht kann.

Ungeschriebenes Gesetz der politischen Rekrutierung

Zugleich rückt man selbst als Stellvertreter in die erweiterte Vorstandsmannschaft und kommt so mit zu überregionalen Treffen. Diese Treffen sind das eigentliche Kernstück jeder politischen Karriere. Man kann sich vernetzen, Visitenkarten austauschen und Kontakte pflegen. Absolute Trinkfestigkeit zählt hier mehr als jeder Universitätsabschluss. Neue Bekanntschaften unterm Tisch, nachts um drei, entwickeln sich besonders langanhaltend. Es ist ein bewährtes, ungeschriebenes Gesetz der politischen Rekrutierung.

Unbeliebte Themen bei Sitzungen von Gremien bieten eine hervorragende Gelegenheit. Die Förderung der Reparatur von Abwasserleitungen ist so ein Fall. Tu das, was kein anderer gerne tun mag. Ist das getan, melde man sich als Redner an. Es reichen nur vier Minuten. Beweise in dieser Zeit deine propagandistische Überzeugungskunst. Was sehr gut ankommt: Rede frei, ohne vom Blatt abzulesen. Andere werden so auf Dich aufmerksam. Reden, reden, üben, das ist der Schlüssel für die künftige Karriere.

Titel auf kommunaler Ebene erwerben

Lokale Politik ist sterbenslangweilig. Diskussionen um Parkbänke, Straßenschilder und Hundehinterlassenschaften machen keinen Spaß. Aber man hat durch diesen Unfug einen Titel erworben: Fachbereichsreferent für das kommunale Stadtbild. Und schon hat der profane Name Uwe Stein ein gewisses Ansehen errungen. Das macht sich auch bei überregionalen Treffen besonders gut. Und der Kontakt zur Presse wird erleichtert, denn man ist kein „no-name“ mehr.

Auch innerhalb Deiner Partei gibt es Ämter, die zwar kein Geld einbringen, dich aber mit den internen Abläufen, Querverbindungen und Ränkespielen vertraut machen. Ohren auf und Mund zu, das ist hier die Devise.

Organisch gewachsene Netzwerke

Wer nun nicht profaner Gemeinderat werden will oder Stadtrat, sondern einen hochbezahlten Job als Abgeordneter anstrebt, weiß um die Härte des Pflasters. Die Zahl der Mitbewerber ist riesig. Deren Netzwerke sind seit sechzig Jahren organisch gewachsen.

Man suche sich daher eine Aufgabe, die nicht sonderlich begehrt ist. Der Posten als Kreisrat wird finanziell nicht vergütet, bringt Dich aber in Kontakt mit wichtigen Leuten. Du triffst dort Landräte und Landtagsabgeordnete. Nicht nur das, Du lernst auch deren persönliche Referenten kennen. Und genau diese Leute wissen sehr genau, wo demnächst ein lukrativer Job im Büro eines Mitglieds des Landtags oder Bundestags besetzt werden soll. Diese Stellen werden niemals in der Tageszeitung ausgeschrieben. Sie werden diskret unter der Hand vergeben, vornehmlich durch persönliche Empfehlung.

Endlich: Die Belohnung für bewährte, aalglatte Inkompetenz!

Da Du mittlerweile durch Deine strategisch platzierten Presseartikel bekannt geworden bist, hilft Dir das sehr. Auch Deine kleinen Vier-Minuten-Reden auf den Parteiversammlungen haben sich herumgesprochen. Du musst diese Auftritte nur aufzeichnen und ab damit in TikTok, YouTube und Instagram. Was denken sich die alten Platzhirsche dabei? So einen rampenmondsüchtigen Mann muss man einfach einfangen, bevor er gefährlich wird. Du bewirbst Dich am Ende gar nicht mehr. Du wirst gefragt, ob Du die Aufgabe als persönlicher Mitarbeiter eines MdL oder MdB übernehmen möchtest.

Und hier beginnt das echte Geldverdienen, was präzise in der Personalordnung des Landtags beziehungsweise des Bundestags festgelegt ist. Nicht der Abgeordnete bezahlt Dich aus eigener Tasche, sondern der Steuerzahler über den Bundestag. Deine bewährte, aalglatte Inkompetenz wird nun endlich staatlich alimentiert.

Koffertragen macht Spaß

Ein Assistent tritt niemals selbst in Erscheinung. Er unterstützt diskret seinen Herrn und legt diesem die passenden Worte auf Sprechzetteln in den Mund. Der Abgeordnete gibt diese Notizen dann als seine eigenen geistigen Schöpfungen aus. Ehe man es sich versieht, wird man als Adjutant zu größeren Konferenzen eingeladen. Jemand muss ja schließlich die schwere Aktentasche samt Inhalt hinterhertragen. Das ist der Preis für den Einblick in die Macht.

Wie gesagt, es ist unmöglich, sich bei einer Partei direkt um diesen MdL- oder MdB-Job zu bewerben. Man kämpft stattdessen in der sogenannten Aufstellungsversammlung um einen sicheren Listenplatz. Vor hunderten von Delegierten oder Mitgliedern kann man eine fünfminütige Vorstellungsrede halten, sofern man dafür ausgewählt wurde. Nachdem Du aber in den letzten Jahren extrem umtriebig warst, kennen Dich fünfzig Prozent der Anwesenden bereits persönlich.

Die Ziehung des großen Loses

Du bist kein unbeschriebenes Blatt mehr. Dein unermüdliches Posten auf Social Media hat Dir manche schlaflose Nacht gekostet, aber Du hast Dir einen Namen gemacht. Du funktionierst wie ein bekannter Markenartikel. Du giltst nun als Spezialist für Dingsbums. Nach Deiner hoffentlich witzigen und fachlich oberflächlichen Vorstellungsrede stimmt der Saal ab. Entweder Du wirst angenommen oder Du fällst durch. Landest Du auf Platz 34 der Liste, so ist das zwar ehrenvoll, aber Du hast womöglich keine reale Chance mehr. Der Einzug über die Landesliste deines Bundeslandes in das jeweilige Parlament ist dann in weiter Ferne.

Je nach Parlament und der Anzahl der Stimmen, die Deine Partei am Ende erreicht, ist eine Platzierung unter den ersten vier, zehn, zwanzig, dreißig oder vierzig absolute Bedingung. Das ist reines mathematisches Glücksspiel.

Alle wollen an die parlamentarischen Fleischtöpfe

Nehmen wir an, die Prognosen sagen Folgendes voraus: Deine Partei würde bei vierzehn Prozent insgesamt 43 Personen ins Parlament befördern. Dann ist immer noch nicht sicher, ob Du auf Platz 39 tatsächlich drin wärst. Denn die Direktkandidaten gibt es ja auch noch. Diese wollen nicht huckepack über die Landesliste einziehen, sondern gewinnen ihren Wahlkreis direkt. Und diese regionalen Größen wollen natürlich auch alle an die parlamentarischen Fleischtöpfe.

Es ist ein unendlich langer Weg voller Entbehrungen. Das alles macht man für ein MdB-Einkommen, über das jeder Immobilienmakler nur müde lacht. Die Vermittlung einer einzigen 4-Zimmer-Eigentumswohnung bringt mehr Provision. Und Kunden sind zudem dankbarer als Wähler. Aber was tut man nicht alles für die Ehre und das berauschende Gefühl der Macht…

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