Erweist sich Russland im Ukraine-Krieg etwa einmal mehr als Teil von jeder Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft? Bei einem schweren russischen Drohnen- und Raketenangriff auf die Ukraine in der vergangenen Nacht wurde auch das zentral gelegene ARD-Studio in Kiew erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Zum Glück befanden sich zum Zeitpunkt des Angriffs keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Studio, sodass niemand verletzt wurde. Ob es sich um einen schicksalshaften Kollateralschaden handelte, ist nicht ganz klar – doch dass hier eine der Schaltzentralen der deutschen Auslandspropaganda ins Visier geriet, erscheint mehr als ein sinnträchtiger Zufall. Die ARD-“Tagesschau” nahm den Vorfall zum Anlass, in dramatischen und bombastischen Worten den (für einen Krieg allerdings nicht wirklich besonders ungewöhnlichen) Schaden infolge des Luftangriffs zu beschreiben und schreib von eingestürzten Wänden, geborstene Fenster, herausgerissenen Rahmen, Glassplittern überall und zerstörter Technik; das Bild, das sich dem ARD-Team vor Ort nach dem Angriff geboten habe, sei “erschütternd” gewesen. Da es sich um keinen direkten Treffer handelte, folgerten die Blitzmerker der Tagesschau in bestechender Intelligenz, dass die Schäden “wahrscheinlich durch die Druckwelle einer Explosion in der Nähe” entstanden.
Studioleiter Vassili Golod beschrieb die Szene theatralisch: „Den eigenen Arbeitsplatz völlig verwüstet zu sehen, ist ein Schock.“ Er betonte, dass die russischen Luftangriffe seit Jahren Teil der brutalen Alltagsrealität in der Ukraine seien. Tausende Zivilisten seien getötet worden, Krankenhäuser, Schulen und nun auch Redaktionsräume zerstört. Dennoch habe er „riesigen Respekt“ vor seinem Team, das sich von dieser Aggression nicht einschüchtern lasse und weiterhin mit vollem Einsatz seiner journalistischen Aufgabe nachgehe: “objektiv zu berichten, was geschieht”. Seinen Humor hat Golod also offenbar schnell wiedergefunden – denn was die ARD in der Ukraine betreibt, hat mit neutraler Berichterstattung ähnlich viel zu tun wie die “Tagesschau” und andere “Nachrichtenformate” des “Ersten” mit unabhängigem Journalismus. Alleine die Formulierung “von dieser Aggression nicht einschüchtern lassen” für einen im Rahmen eines Krieges leider normalen und zu erwartenden Luftangriffs zeugt von der Voreingenommenheit.
Normalerweise Luftschutzalarm nur als PR-Ritual
Die Verantwortung für das ARD-Studio trägt der linksextreme Rotfunk WDR, dessen Intendantin Katrin Vernau sich „sehr erleichtert“ zeigte, dass keine Kolleginnen und Kollegen zu Schaden kamen, gleichzeitig aber die “extrem gefährlichen Bedingungen” unterstrich, unter denen das Team seit Jahren in Kyjiw arbeite: „Die Kolleginnen und Kollegen kennen die Berichterstattung im Ausnahmezustand und werden auch jetzt alles tun, um über den russischen Angriffskrieg und seine Hintergründe zu informieren“, erklärte Vernau. Sie habe „großen Respekt vor dem Mut und der Leistung“ des Teams. So mutig allerdings auch wieder nicht – denn in diesem merkwürdigen Sitzkrieg mit weitgehend starren Frontlinien und nur sporadischen Luftangriffen auf die Hauptstadt selbst läuft das Leben nicht nur weitgehend normal weiter, sondern ein erheblicher Teil der wehrfähigen Bevölkerung verweilt inzwischen als Deserteure oder geduldete Exilanten im Ausland – und die Etappenhasen von EU und westliche Regierungen tingeln in schöner Regelmäßigkeit nach Kiew, um dort Geldgeschenke und Solidaritätsadressen zu überbringen, ohne dass dabei irgendwelche Gefahr drohte; wenn auch zu diesen Besuchen der Kurztrip in einen Luftschutzkeller wegen zufällig wohlgetimter Bombenalarme zu den festen PR-Terminen zählt, würden unsere Politiker diese Reisen kaum auf sich nehmen, wäre die Angriffsgefahr real.
Die “Tagesschau” droht: Trotz der Zerstörung soll die Berichterstattung aus der Ukraine ohne Unterbrechung fortgesetzt werden. Das Team setzt auf mobile technische Lösungen und Ausweichmöglichkeiten. Nimm das, Putin! (JS)























