Schleswig-Holsteins Ex-MP Torsten Albig: Sein Anti-Brandmauer-Appell lässt die SPD schier ausflippen vor Empörung (Foto:Imago)
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Mahnender Rufer in der Wüste: Albig-Vorstoß zu pragmatischem Umgang mit AfD lässt Genossen ausflippen

Wenn entsprechende Appelle schon in der CDU auf taube Ohren und erbitterten Widerstand der Parteiführung stoßen, sind sie in der völlig auf Antifa-Linie gezogenen SPD erst recht in den Wind gesprochen: In der SPD hat der Vorstoß des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Torsten Albig zur Überwindung der Brandmauer für wutschnaubendes Entsetzen gesorgt. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ hatte Albig dafür plädiert, die Ausgrenzung der AfD zu überdenken. Statt die Partei dauerhaft zu isolieren, sollten Sozialdemokraten auch Minderheitsregierungen akzeptieren, die von der AfD toleriert werden. Albig argumentiert, dass bei AfD-Werten um die 30 Prozent in manchen Regionen eine strikte Ausgrenzung kontraproduktiv sei. Man dürfe ehemalige SPD-Wähler nicht „einmauern“, sondern müsse ihnen Wege zurück bieten.

Solche Stimmen der Vernunft sind in der SPD noch einsamer und in den Wind gesprochen als bei der Union, und man wundert sich, dass es überhaupt noch solche seltenen Fälle von intelligenter Realpolitik bei den Genossen gibt, die noch nicht das Handtuch geworfen haben. Albig verweist auf das Beispiel Dänemark, wo Sozialdemokraten punktuell mit rechtspopulistischen Kräften zu Themen wie Migration kooperieren. Eine reine Ausgrenzung lasse nur frustrierte Wähler zurück und gefährde langfristig die Existenz der Sozialdemokratie. Besonders vor den Landtagswahlen 2026 in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sei Pragmatismus gefragt. Dort könnte eine SPD-geführte Minderheitsregierung unter Manuela Schwesig auf fallweise AfD-Toleranz angewiesen sein, um handlungsfähig zu bleiben.

SPD läuft stumm gegen den Versuch ihrer Rettung

Innerhalb der SPD sahen die meisten Funktionäre ob solcher rationalen Vorschläge rot. Landesverbände aus Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Nordrhein-Westfalen distanzierten sich scharf von Albig; NRW-Spitzenkandidat Jochen Ott nannte die Idee „falsch und verheerend“ und betonte in so theatralischer wie absurder Gleichsetzung der heutigen politischen Situation mit der späten Weimarer Republik unter Rückgriff auf den Satz von Reichskanzler Joseph Wirth: „Der Feind steht rechts.“ Auch Altkanzler Olaf Scholz mahnte zur Beibehaltung der Brandmauer. Auf dem SPD-Parteitag 2025 hatten die Delegierten bereits die Vorbereitung eines AfD-Verbotsverfahrens beschlossen – eine Linie, die viele Genossen nun gefährdet sehen.

Albig hatte dabei lediglich versucht, seine Partei vor der völligen Marginalisierung zu retten. Denn die SPD  verliert seit Jahren Wähler an die AfD, besonders in Ostdeutschland und bei traditionellen Klientelen aus Arbeitermilieu und ländlichen Regionen. Umfragen zeigen die AfD in immer mehr Bundesländern vorn, während die SPD ums Überleben kämpft. Kritiker Albigs werfen ausgerechnet ihm Naivität vor: Eine Zusammenarbeit würde die AfD “salonfähig machen” und deren “radikale Positionen” in der Mitte verankern. Da diese Position in der schwindenden SPD die breite Mehrheit reflektiert, bleibt nur die Feststellung: Diese Partei ist nicht mehr zu retten. (TPL)

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