Das Märchen von den CDU-Jägern und dem Kaninchenhöchststeuersatz
Es war einmal im Königreich von Friedrich dem Ersten, genannt dem Unglücklichen, dessen Schloss mit hohen Türmen stolz über dem Lande ragte. Gar bunte Fahnen wehten von den Zinnen und der Hofstaat war groß und stets hungrig. Zehntausende Beamte, Schreiber und Wachen mussten täglich an den Ufern der Spree gespeist werden.
Die alte Jagdordnung im Königreich
Die wichtigste Nahrungsquelle waren die flinkenden wilden Kaninchen in den tiefen, dunklen Eichenwäldern des Reiches.
Der König kannte ein altes, weises Gesetz: Jeder Untertan durfte in den königlichen Wäldern jagen. Ein Viertel der Beute gehörte dem Jäger und seiner Familie, drei Viertel sollten in die Schlossküche wandern. So war es seit alters her, seit den Tagen König Ludwigs der Deutschen Erhard. Die meisten Jäger brachten des Abends vier Kaninchen heim. Ein Kaninchen für den eigenen Topf, drei für das Schloss.
Die Bestrafung des besten Jägers
Doch es lebte ein Spitzenjäger unter den Durchschnittsjägern, geschickter und unermüdlicher als alle anderen. Er kannte jede Fährte, baute listige Fallen und zog von vor Sonnenaufgang bis tief in die Nacht durch den königlichen Eichenwald. Täglich brachte er sechzehn Kaninchen zum Schlosstor. Die Köche jubelten, vier gehörten ihm, zwölf der königlichen Tafel. Der Neid der Ungerechten
Der Schatzminister, ein blasser Mann der Listen und Zahlen, wurde neidisch. „Es kann nicht sein“, sprach er, „dass einer so viel mehr hat als die anderen. Das ist ungerecht!“ Und er beschloss: Wer mehr als vier Kaninchen bringt, darf fortan nur noch eines behalten. Gerecht ist gerecht – und gleich arm ist eben auch gerecht.
Heute bleibt die Küche kalt
Aber er hatte Pech beim Denken – wie mancher in Regierungsgeschäften heutzutage. Am nächsten Tag brachten alle Jäger nur noch vier Kaninchen. Keines mehr. Der Minister schrie den Spitzenjäger zornig an: „Wo sind meine 12 Kaninchen?“ Der Jäger blickte ihn ruhig an und sprach: „Warum soll ich mich bis zur Erschöpfung plagen, neue Fallen ersinnen und lange im Walde stehen, wenn Ihr mir den Lohn meiner Mühe nehmt?
Sechzehn Kaninchen bringen mir am Ende nicht mehr als vier. Ich legte mich ins königliche Gras und sah den königlichen Vögelein zu. Also blieben an diesem Abend viele Töpfe in der großen Schlossküche kalt und leer.
Der Kaninchensteuersatz im Reiche des Königs Fritz dem Ersten
Unser moderner Schatzminister betrachtet die fleißigsten Jäger mit genau dem gleichen neidischen Argwohn. Er will offensichtlich den alten Fehler seiner mittelalterlichen Vorgänger wiederholen. Am Ende wird genau den fähigsten Jägern die Lust zum Jagen genommen. Sie arbeiten weniger, wagen keine großen Streifzüge mehr, investieren nicht in bessere Fallen und tun nur noch das Nötigste.
Die Folge: Am Ende steht die Schlossküche mit leeren Töpfen da. Manche ziehen gar fort zu einem anderen König, denn gute Steuerjäger sind allerorten ein nachgesuchter Beruf. Und die Moral von der Geschicht‘: Wer Leistung bestraft, bekommt am Ende weniger von allem.