“Fahrzeugdurchsuchung" im 19. Jahrhundert: Kritische Geister wurden auch damals von der Obrigkeit gefilzt (Symbolbild/Illustration:KI)
[html5_ad]

Heinrich Heine, ein unbequemer Deutscher: Heute würde ihn der Verfassungschutz jagen

Heinrich Heine zeigte schon vor fast 200 Jahren, wie der Staat mit frechen Köpfen umgeht. Damals wurde der Koffer gefilzt. Heute wäre das Handy dran. Wer wissen will, wie der Staat mit unbequemen Geistern umgeht, muss nicht nach Brüssel schauen. Ein Blick in die deutsche Geschichte genügt. Heine, geboren 1797 in Düsseldorf und gestorben 1856 in Paris, war kein Bombenleger, kein Putschist und kein Mann mit Geheimbund im Keller. Er hatte nur etwas viel Gefährlicheres: einen Kopf, eine Feder und Spott im Blut.

Heine war der Albtraum jeder Obrigkeit. Er schrieb mit Feder, Spott und falschem Stallgeruch – elegant, bissig und so verständlich, dass normale Menschen merkten, wenn sie gerade regiert, gegängelt und für dumm verkauft wurden. So etwas mögen Machtapparate bis heute nicht. Der Untertan darf leiden, zahlen und jubeln. Denken soll er bitte nur in zugelassenen Portionen.

Brav getauft und trotzdem verdächtig

Heine versuchte sogar, sich anzupassen. 1825 ließ er sich evangelisch taufen, denn er war als Jude geboren worden. Zum Protestantismus wechselte er, weil ihm in Deutschland ansonsten viele Türen verschlossen blieben. Geholfen hat ihm diese Anpassung wenig. Für die Obrigkeit blieb er ein Außenseiter mit zu viel Geist, zu viel Spott und zu wenig Bereitschaft, brav den Hut zu ziehen.

Am 10. Dezember 1835 schlug die Bundesversammlung in Frankfurt zu: Die Schriften des sogenannten “Jungen Deutschland” wurden verboten. Heine wurde gleich mit eingepackt, obwohl er gar nicht richtig zu dieser Truppe gehörte. Wenn der Staat einmal mit dem großen Besen kommt, fegt er alles zusammen, was nicht brav in der Ecke steht. Heute nennt man das Netzdurchsetzungsgesetz.

Kofferfilzen an der Grenze

Besonders deutlich wird das in Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“: Das Werk erschien 1844 und verarbeitet seine Deutschlandreise von Paris nach Hamburg im Winter 1843. Heine besucht die alte Heimat, die Mutter, den Verleger und zugleich ein Land, das ihn längst als geistigen Störenfried behandelt.

An der Grenze zum preußischen Machtbereich greifen die Douaniers zu – die Zöllner. Sie wühlen im Koffer, sie suchen nach verbotenen Büchern. Heine versteht sofort den ganzen Witz der Lage. Der Staat sucht im Gepäck nach gefährlicher Ware. Die eigentliche Schmuggelware sitzt aber hinter seiner Stirn. Darum schreibt er:

Und viele Bücher trag ich im Kopf!
Ich darf es euch versichern,
Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest
Von konfiszierlichen Büchern.

Das ist politischer Sprengstoff mit Reim: Ihr könnt meinen Koffer filzen, aber an meinen Kopf kommt ihr nicht heran!

Die Botschaft der Verfolgten

Heine ist eine Warnlampe. Die Verfolgten von damals sagen uns heute: Glaubt keinem Staat, der Kritik erst etikettiert und dann bekämpft. Glaubt keiner Macht, die behauptet, sie wolle nur Ordnung schützen, während sie in Wahrheit den Widerspruch weghaben will.

Heines „Wintermärchen“ ist kein Märchen. Es ist eine Gebrauchsanweisung zum Misstrauen. Wer den Koffer eines Dichters filzt, will irgendwann auch in seinen Kopf. Heute hat die Technik dafür bessere Schlüssel. Genau deshalb müssen wir lauter werden, nicht leiser.

c036854541ef4e509ae03af51918b8ae
image_printGerne ausdrucken

Themen