Du bist nichts – das Wir ist alles: Franziskas Brantners grüner Totalitarismus und das Glück im Kollektiv

Grünen-Co-Vorsitzende Franziska Brantner hat sich in den Kopf gesetzt, sich als Intellektuelle zu profilieren – und scheitert dabei erwartbar ebenso kläglich wie ihre Parteigenossin Annalena Baerbock, wobei sie in ihrer Unbedarftheit die eigene illiberale, kollektivistische und totalitäre Gesinnung der Ökosozialisten unfreiwillig offenbart wie kaum jemand sonst in ihren Reihen. Auf dem Grünen-Debattenforum “IM/PULS – Forum für Zukunft versuchte sie sich am Freitag an der Darlegung eines grünen Freiheitsbegriffs – was an sich schon ein Widerspruch in sich ist, da linke Parteien mit der Freiheit grundsätzlich auf Kriegsfuß stehen, denn anders wäre ihre zutiefst menschenfeindliche Ideologie gar nicht umsetzbar. Was Brantner dort absonderte, lässt schaudern und frösteln zugleich: Der westliche Wirtschaftsliberalismus laufe darauf hinaus, dass Leistungsträger Reichtum erwirtschaften und damit zwangsläufig auch Ungleichheit hervorbringen, erklärte Brantner; Freiheit sei damit „zum Codewort für: „die Starken machen, was sie wollen‘“ geworden.

Ein Freiheitsbegriff, der sich am Privateigentum orientiere, sei “vor allem amerikanisch” geprägt, dozierte sie in atemberaubender Verkürzung der Liberalismustheorie. Die europäische Tradition habe Freiheit dagegen immer “als Praxis gedacht”, formulierte sie zynisch – und bezog sich dabei auf das Werk „Vita activa oder Vom tätigen Leben“ der Philosophin Hannah Arendt. Wenig überraschend, missbrauchte – um nicht zu sagen pervertierte – Brantner Arendts praktisches Freiheitsverständnis schamlos für grüne Ideologie und Dogmatik: Die wesentlichen Merkmale von “Freiheit als Ergebnis kollektiven Handelns” (eine Formulierung, die Stalin nicht schöner hätte ausdrücken können) seien: „Auch morgen nicht zwangsbestimmt zu sein durch die Klimakrise“ und „keine Angst vor dem Fall in die Armut“ zu haben.

Grüner Ungeist und Karikierung des Freiheitsbegriffs

Und dann fielen zwei Sätze, die die Orwell’sche Verbiegung und totalitäre Umdichtung von “Freiheit” fast wörtlich aufgriffen – wobei Brantner selbst diese Parallelen vermutlich verborgen blieben: „Niemand ist frei allein. Frei sind wir nur als wir“, lautete dann die aberwitzige Kernthese, die sie als Ergebnis ihres Nachdenkens präsentierte. Nicht mehr das Individuum also, sondern die Masse, das Kollektiv ist der Schlüssel zur Freiheit; dies ist dasselbe Freiheitsverständnis wie in Hitlers berüchtigter Reichenberger Rede zur Hitlerjugend  („…und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben”, gemeint im Sinne von “frei von der Gemeinschaft”).

Mit einer solchen Karikierung des Freiheitsbegriffs ist es der Grünen-Chefin dann auch problemlos möglich, den Irrsinn der Klimapolitik und “Energiewende” nicht etwa als Einschränkung von Unternehmens- oder Konsumfreiheit, sondern als Erweiterung politischer Handlungsmöglichkeiten umzulügen. Den Umstieg auf Erneuerbare Energien lobte Brantner als „ökologische Innovation“, die den deutschen Politikbetrieb bereichert habe. In Wahrheit  haben sich nur einige wenige staatlich subventionierte Konzerne an diesem politisch verordneten wirtschaftlichen Selbstmord bereichert; der Rest der deutschen Wirtschaft wird in atemberaubendem Tempo durch künstlich überhöhte Energiepreise und eine schikanösen Bürokratiehölle vernichtet, denen der grüne Ungeist zugrunde liegt, den Brantner als “Freiheit” definiert. Die deutsche „Energiewende“ dient längst auf der ganzen Welt als abschreckendes Beispiel, dem man auf gar keinen Fall nacheifern sollte, wenn man an seiner Zukunftsfähigkeit interessiert ist. Doch das lässt Brantner natürlich nicht gelten. In typisch grüner Faktenresistenz behauptete sie, dass die Wirtschaft stagniere und immer weniger Jugendliche optimistisch in die Zukunft blickten, liege „nicht an Energiepreisen, wie manche meinen“.

Erweiterung des totalitären Wortschatzes

In einer geistig wirklich freien, autonomen Gesellschaft – die Deutschland seit Merkel nicht mehr ist – wären solche Aussagen wie die Brantners verpönt und würden auf Entsetzen stoßen. Die Widerspruchslosigkeit, die auf solche unfassbaren, von pseudointellektuellen Parteischranzen dahingeplapperten Sätze folgt, ist bezeichnend. Natürlich kann echte Freiheit immer nur beim Individuum beginnen, das sich aus freiem Willen mit anderen verbindet, um bestimmte Ziele zu erreichen – während die Einbindung ins Kollektiv und die Unterwerfung unter Ideologien das Gegenteil bedeuten. Grüne – und Linke generell – gehen jedoch von willkürlichen Abstraktionen aus, denen der Einzelne sich zunächst einmal unterzuordnen hat und die festlegen, wie viel Freiheit ihm zugunsten des höheren Ziels noch erlaubt werden kann und darf. Das diktatorisch festgelegte „Wir“ ist die Grundlage aller kollektivistischen Systeme, sei es der Kommunismus, Faschismus oder Nationalsozialismus. Es führt zwangsläufig immer zum Totalitarismus, der dann mit Parolen wie „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ verbrämt wird, wobei der vermeintliche „Gemeinnutz“ gar nicht konkret definierbar und völlig willkürlich ist.

Brantners Phrase „Frei sind wir nur als wir“ hat insofern in ihrer hirnrissigen Widersprüchlichkeit das Potential, den totalitären Wortschatz um eine weitere Orwell`sche Volte zu bereichern; keinesfalls jedoch bietet es einen tragfähigen Freiheitsbegriff, über den es sich ernsthaft zu reflektieren lohnte. Er ist der alte sozialistisch-kollektivistische Wein in neuen Schläuchen, der nur wieder zu Unfreiheit, Bevormundung, Unterdrückung, wirtschaftlichem Elend und am Ende schließlich zu Massenmord führt. Aber zu soviel Selbsterkenntnis sind Linke nicht fähig. Alles, was sie anstreben, ist immer und wieder immer gescheitert und hat Abermillionen Menschen Leben, Eigentum und Freiheit gekostet. Trotzdem wollen sie die Menschheit immer wieder aufs Neue für ihre zum Scheitern verdammten Experimente missbrauchen. (AS)