Deutschlands Industrie in einem Bild (Foto: Ajdin Kamber/Shutterstock)
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Deindustrialisierung: Pharma-Großkonzerne ziehen sich aus Deutschland zurück

Dieser Rückzug ist kein Einzelfall, sondern passt in ein größeres Muster der schleichenden Industriestandortkrise Deutschlands: In Rheinland-Pfalz haben Boehringer Ingelheim und Lilly Pharma in Alzey Millioneninvestitionen widerrufen; diese fließen nun ins Ausland. Kein Wunder: Hohe Energiepreise – der Strom oft vier- bis fünfmal teurer als in den USA – machen den Standort Deutschland zunehmend besonders für energieintensive Branchen unattraktiv. Nun auch Big Pharma: Studien und Umfragen zeigen: Bis zu 37 Prozent der Industrieunternehmen erwägen Produktionsverlagerungen oder Einschränkungen, bei energieintensiven sogar über 50 Prozent.

Der US-Pharmariese Eli Lilly halbiert seine geplante Milliardeninvestition in Alzey (Rheinland-Pfalz) von ursprünglich rund 2,3 Milliarden Euro auf etwa die Hälfte. Auch der heimische Konzern Boehringer Ingelheim streicht Investitionen in Höhe von 900 Millionen Euro für die Jahre 2027 bis 2030. Betroffen sind vor allem Neubauten wie Labore. Beide Unternehmen nennen explizit die Politik der Bundesregierung als Grund. Lilly plant ein Hightech-Werk für Injektionspräparate (u. a. Abnehmspritzen).

Rückzug im Rohbau

Der Rohbau steht, 300 Mitarbeiter sind eingestellt, doch ein großer Teil der geplanten 1.000 Stellen und der weiteren Ausbaustufen fällt nun weg. Konzernchef Dave Ricks sprach von einem „schrecklichen Signal“ der geplanten GKV-Reform. Boehringer begründet den Schritt mit mangelnder Planungssicherheit durch höhere Rabatte und Sparvorgaben für Arzneimittel. Das Geld fließt stattdessen an attraktivere Standorte, vor allem in die USA.

Die USA profitieren von günstiger Energie (u. a. durch Fracking und andere Politiken), während Deutschlands Energiewende mit Ausbau erneuerbarer Quellen, Netzausbauverzögerungen und CO₂-Bepreisung Kosten treibt. Hinzu kommen Bürokratie, lange Genehmigungsverfahren, Fachkräftemangel und eine immer komplexere Regulierung. Die Pharmabranche, eigentlich eine Stärke Deutschlands mit hoher Wertschöpfung und Exportkraft, leidet besonders unter Preisregulierung und fehlender Planbarkeit. Verbandsvertreter warnen bereits vor „Deindustrialisierung“ – nicht als dramatischer Kollaps, sondern als schleichender Attraktivitätsverlust.

Folgen für Wirtschaft und Standort

Die Entscheidungen von Lilly und Boehringer bedeuten weniger Jobs, geringere Steuereinnahmen und schwächere regionale Wertschöpfung in Rheinland-Pfalz. Sie senden ein Signal an andere Investoren: Deutschland ist risikoreich. Während die Politik Sparziele im Gesundheitswesen verfolgt, untergräbt sie langfristig Innovationskraft und Steuerbasis. Landespolitiker in Rheinland-Pfalz haben bereits vermittelnd eingegriffen – ein Weckruf für Berlin.

Experten fordern mehr Verlässlichkeit: günstigere Energiepreise (Brückenmodelle), schnellere Genehmigungen, planbare Regulierung und Anreize für Forschung. Ohne Kurswechsel droht die schleichende Flucht weiterer Branchen – von Chemie über Maschinenbau bis Pharma. Der Standort Deutschland verliert an Glanz, während USA und Asien investieren. Es ist Zeit für eine echte Standortoffensive, bevor weitere Milliardeninvestitionen ins Ausland abwandern. (AS)

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