In einer Zeit, in der Politik und Medien von „Zeitenwende“ und „Kriegstüchtigkeit“ fabulieren, dringt das Militär immer tiefer in den Alltag der Bürger vor. Besonders auffällig: Vor Kinofilmen laufen mittlerweile Werbespots der Bundeswehr. Anstatt in entspannter Atmosphäre in andere Welten einzutauchen, sehen Zuschauer adrette Soldatinnen und Soldaten in actionreichen Szenen wie aus einem Hollywood-Blockbuster oder einem Computerspiel. Zum morgigen „Tag der Bundeswehr“ am 6. Juni 2026 wird diese Kampagne besonders intensiv beworben – eben auch in Kinos, wie die “Nachdenkseiten“ in einem kritischen Hintergrundbericht aufzeigen.
Kinobetreiber haben zwar ein Vetorecht bei der Werbung; sie könnten solche Spots ablehnen. Doch viele tun es offenbar nicht. Die Gleichschaltung unter die Russenangst und das neue Mantra der “Kriegstüchtigkeit“ als nicht länger verpönter, sondern nunmehr positiv-verherrlichter Bestandteil des linksgrünen Mantra machen’s möglich. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Nachwuchsgewinnung für die Truppe. Die Bundesregierung will die gesamte Gesellschaft auf mögliche Konflikte einstellen. Verteidigungsministerium und Politik sprechen offen von Aufrüstung, höheren Verteidigungsausgaben und der Notwendigkeit, Deutschland „kriegstüchtig“ zu machen. In diesem Kontext wirkt die Kino-Werbung wie ein Stück gesellschaftlicher Normalisierung des Militärischen.
Verharmlosung mit Methode
Die Spots zeigen Hochglanzbilder mit moderner Ausrüstung; sie beschwören den “Teamgeist“, das Landser- und Kameradentum in queerwoker Weichspülung, dazu Abenteuer und Spaß für die Individualisten des Jahres 2026. Realitäten wie Verletzungen, Trauma oder die Schrecken bewaffneter Konflikte bleiben natürlich ausgeblendet; es darf zwischen Transgender-Paraden, Schwangeren-Uniformen, Wickeltischen und dritten Toiletten selbstverständlich keine Härten und Unschönheiten geben. Den Russen bekämpft man vor allem mit Worten und Bildern! Diese Verharmlosung hat Methode – und passt zur Bullerbü-Realitätsklitterung im bunten Vielfaltsstaat. Um Friedensorganisationen wie die DFG-VK oder ihren pazifistischen Wurzeln treu gebliebenen altlinken Vereinen zu beschwichtigen, reicht das natürlich nicht: Diese protestieren trotzdem dagegen, – besonders, weil die Werbung auch vor Kinder- und Jugendfilmen läuft. Im Land der Social-Media-Verbote ist das seltsamerweise inzwischen überhaupt kein Problem mehr. Auch die militärische Rekrutierung Minderjähriger wird kritisiert – selbst UN-Empfehlungen ächten diese –, doch das juckt im neuen Anti-Putin-Mindset und Hurra-Demokratierettungsrausch an der Waffe nicht länger.
Diese hochgradig paranoide, aber überaus bezeichnende Entwicklung passt in ein größeres Bild. Seit der „Zeitenwende“-Rede von Nachtkappen-Kanzler Scholz 2022 hat sich die Debatte verschoben. Schulen kooperieren mit der Bundeswehr, öffentliche Räume werden für Reklame genutzt – und nun auch die Kinos. Die Bundeswehr investiert jährlich Millionen in “Employer-Branding” mit Kampagnen wie „Weil du es kannst“, die den Dienst als persönliche Herausforderung und Lifestyle-Marke darstellen. Im Siedlungsgebiet Germanistan finden sich dazu viele pickelgesichtige Jungveteranen des Kampfs gegen rechts und von der Klimarettungsfront gerne bereit. Kein Problem, solange sie von echtem Krieg genau so keinen Schimmer haben wie vom Arbeitsleben.
Der neue martialische Zeitgeist
Das Pistorius-Verteidigungsministerium und Befürworter der Kampagne argumentieren, in unsicheren Zeiten brauche es eine “starke Verteidigung” und offene Werbung dafür. Die “Bedrohung durch Russland” oder andere Konflikte rechtfertige diesen Kurs. Abgesehen davon, dass es diese Bedrohungen nicht gibt, jedoch dauernd provoziert werden: Dass reale Bedrohungen im Atomzeitalter nicht durch konventionelle Aufrüstung gebannt werden könnten, so sie denn existieren, sondern nur durch unbedingten politischen Dialog und diplomatische Verständigung, wäre als Hinweis selbst dann wichtig, wenn Deutschland mit noch so viel Budget eine realistische militärische Stärke und Relevanz entfalten könnte; dass die Bundeswehr jedoch in Sachen Disziplin, Logistik, Gerät und Moral nur mehr eine Gurkentruppe ist und sich daran auch auf absehbare Zeit nichts mehr ändern wird, macht die Panikmache noch bizarrer. Die schleichende Militarisierung der Gesellschaft geht deshalb paradoxerweise gerade nicht mit einer echten militärischen Stärke einher – ungefähr so wenig, wie die Aufblähung des Staatsapparats mit einer effizienteren Verwaltung einherging.
Dass statt Friedenspolitik und Diplomatie “Aufrüstung” und “Abschreckung” im Vordergrund, die zu selbsterfüllenden Prophezeiungen zu werden drohen, ist das eine; das andere ist die Frage, wo der Raum für kritische Reflexion bleibt, wenn selbst Orte der Unterhaltung zur Bühne militärischer Imagepflege werden? Kinobetreiber tragen hier eigentlich eine große Verantwortung; sie könnten durchaus ein Zeichen setzen, indem sie sensible Werbung ablehnen oder zumindest ausgewogener gestalten. Stattdessen scheint der Zeitgeist der martialischen Kriegstreiberei viele von ihnen mitzureißen. Für Bürger, die ins Kino gehen, um abzuschalten und endlich einmal Ruhe vor der aufdringlichen politischen Berieselung auf allen Fronten von Vielfaltsagenda bis Erziehungsfernsehen zu haben, ist das eine Zumutung; sie verdienen Schutz vor einseitiger Propaganda. Eine offene Debatte über die Grenzen militärischer Präsenz im zivilen Leben ist dringend nötig – bevor der Krieg nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im Denken alltäglich wird. (TPL)






















