Soviel zum Thema Meinungsfreiheit und “jeder darf hier sagen, was er denkt“: In einer ZDF-Dokumentation wagte ein langjähriger Mitarbeiter des Jobcenters Bremen, offen über die Realitäten des Bürgergeld-Systems zu sprechen – und verlor prompt seinen Job. Fred Göcken, seit 2005 im Dienst, wurde nach seinem Auftritt in der Reportage „Am Puls mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung“ fristlos gekündigt. Die Stadt Bremen wirft ihm vor, das Jobcenter „diffamiert“ zu haben. Das Interview sei nicht genehmigt gewesen. Das Kündigungsschreiben vom 28. Mai liegt Medien wie der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” vor, die darüber berichtete. Göcken hatte sich zwar kritisch, aber absolut sachlich aus der Praxis seines Jobs geäußert – und geschätzt, dass 30 bis 40 Prozent der Bürgergeld-Empfänger in ihren Anträgen falsche oder unvollständige Angaben machen. Viele hätten die Motivation, „im System drin zu bleiben“.
Solche Tatsachenbenennungen sind im Linksstaat natürlich unerwünscht. Das Jobcenter wies diese Zahl als reine persönliche Einschätzung zurück – es gebe keine offiziellen Statistiken dazu. Dennoch beschreibt Göcken es als „offenes Geheimnis“ unter Kollegen. Noch brisanter: Göcken kritisierte die Kernaufgabe der Jobcenter. Statt konsequent in Arbeit zu vermitteln, gehe es primär darum, Geld zu verteilen. „Würde ich alle Bürgergeld-Empfänger in Jobs vermitteln, wäre ich irgendwann arbeitslos“, brachte er die strukturelle Problematik auf den Punkt. Das System schaffe sich selbst perpetuierende Strukturen: Je mehr Leistungen fließen, desto größer die Behörde. Sanktionen bei fehlender Kooperation seien oft wirkungslos, Schwarzarbeit neben dem Bezug schwer nachweisbar. Die Reaktion der Stadt Bremen war hart und konsequent: fristlose Kündigung. Das Vertrauensverhältnis sei „zerstört“.
Lücke zwischen Statistik und Alltag
Göcken, inzwischen 60, kündigte an, dagegen vor Gericht zu ziehen. Der Fall sorgt bundesweit für Aufsehen und wirft ein grelles Licht auf die Debattenkultur im öffentlichen Dienst. Wer aus der Praxis Missstände benennt – Missbrauchspotenzial, Fehlanreize, bürokratische Selbstbeschäftigung –, riskiert den Job. Wahrheit scheint nur genehmigungspflichtig erlaubt. Das Bürgergeld sollte Hilfe zur Selbsthilfe sein. Stattdessen berichten Praktiker von einer „Lebensalternative“ für Teile der Empfänger: Bürgergeld plus Minijob plus Schwarzarbeit. Offizielle Zahlen zu Betrugsverdachtsfällen (rund 110.000 bei ca. 5,5 Millionen Beziehern) wirken im Vergleich zu den Praxiserfahrungen gering – doch genau diese Lücke zwischen Statistik und Alltag macht die Kritik so explosiv.
Der Fall ist natürlich kein Einzelfall von „Diffamierung“, sondern Symptom eines tieferen Problems: Ein Sozialsystem, das Kritik von innen nicht erträgt. Statt Missstände zu beheben, schweigt man sie weg oder kündigt die Mahner. Solange Jobcenter primär als Zahlstellen funktionieren und echte Vermittlung zweitrangig bleibt, wächst der Frust – bei Mitarbeitern wie bei Steuerzahlern.Göcken hat nur ausgesprochen, was viele Insider denken. Die fristlose Kündigung sendet eine klare Botschaft: Im Bürgergeld-System darf die Wahrheit nicht frei ausgesprochen werden. Das schadet nicht nur der Debatte, sondern vor allem den wirklich Bedürftigen, die ernsthaft Unterstützung suchen. Es ist Zeit für eine ehrliche Reform statt Maulkorb-Politik. (TPL)






















