Während das Land in Chaos und politisch geschürter Polarisierung versinkt und Judenhasser längst wieder völlig ungeniert ihr Unwesen treiben dürfen, kämpfen die offiziellen Stellen weiterhin gegen imaginäre Nazis. Und wenn man gerade keine zur Hand hat, bekämpft man über 80 Jahre nach dem Holocaust eben längst verstorbene Menschen, denen man Fehlverhalten während der Nazi-Zeit vorwirft. Die Stadtverordnetenversammlung in Wiesbaden hatte nun nichts Wichtigeres zu tun, als Adam Herbert und Wilhelm von Opel die Ehrenbürgerwürde zu entziehen. Als Gründe wurden genannt, dass Opel die NS-Bewegung in erheblicher Höhe finanziell unterstützt und Herbert sich aktiv an der Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung während des „Dritten Reiches“ beteiligt habe. Mit dem Beschluss folgt die Stadt den Empfehlungen einer Historischen Fachkommission.
Der 1871 geborene Wilhelm von Opel machte Opel in Rüsselsheim zum einst größten Autohersteller Deutschlands. Dies, und dass er sich 1928 in Wiesbaden niederließ und die Stadt mit Wohltaten überschüttete, nützt ihm heute nichts mehr. Dem 1948 verstorbenen Industriellen war 1941 die Ehrenbürgerwürde verliehen worden. Diese wurde ihm nun aberkannt, weil er der NSDAP und weiteren NS-Organisationen beigetreten, die Anpassung der Adam Opel AG an die nationalsozialistische Betriebsverfassung mitgetragen und tausende Zwangsarbeiter eingesetzt hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er als „Mitläufer“ eingestuft und musste 2.000 Reichsmark Strafe zahlen. Auch der Apotheker und Unternehmer Adam Herbert (1887-1976) investierte einen großen Teil seines Vermögens in die Verschönerung der Stadt Wiesbaden, die ihm dafür 1962 die Ehrenbürgerwürde verlieh und ihm ein Ehrengrab gewährte. Doch auch das ist heute nichts mehr wert, weil er die NSDAP mit hohen Spenden unterstützt, auf seinem privaten Hofgut Zwangsarbeiter beschäftigt und eine Apotheke übernahm, die einem jüdischen Vorbesitzer gehört hatte.
Jagd auf lange verblichene Altnazis als neuer woker Volkssport
Die Stadt begnügte sich aber nicht mit dem Entzug der Ehrenbürgerwürden, sondern benannte auch gleich noch sämtliche Orte in Wiesbaden um, die nach Opel oder Herbert benannt worden waren. Man vollzog also mit deutscher Gründlichkeit einen kompletten historischen Exorzismus. Die Bürger dürften aufatmen, hat man die Stadt doch von einem Makel befreit, der auf vielen Menschen schwer gelastet haben dürfte. Dringendere Probleme gibt es offenbar nicht. Es ist einfach nur lächerlich, wie hier viele Jahrzehnte nach dem Tod von Menschen, die zweifellos mit dem Nazi-Regime verstrickt waren, eine wichtigtuerische Symbolpolitik betrieben wird. Man hätte sich damit begnügen können, auf die zwiespältigen Aspekte im Leben dieser beiden und anderer Personen hinzuweisen, die ihr Andenken überschatten. Doch soviel Vernunft ist in diesem Land nicht mehr möglich.
Mit pathologischem Eifer bekämpft man die “Nazis” von vorvorgestern – und bestätigt immer wieder aufs Neue das Bonmot des 1999 verstorbenen Journalisten Johannes Gross, der einst festgestellt hatte: „Je länger das Dritte Reich tot ist, umso stärker wird der Widerstand gegen Hitler und die Seinen“. Straßen und Plätze werden massenhaft umbenannt, die Mitgliederkartei der NSDAP ist nun auch online zugänglich, damit endlich jeder Nazi-Forschung in der eigenen Familie und am besten noch in den Familien anderer betreiben kann, auf das das laut SPD-Chefin Bärbel Bas „einheitsbraune“ deutsche Volk sich seiner ewigen Erbschuld bewusst bleibt und idealerweise auch gleich noch die richtigen Schlüsse für die Gegenwart zieht – und die lauten natürlich, die AfD aufs Schärfste zu bekämpfen, da diese ja angeblich die Wiedergängerin der NSDAP ist. In Wahrheit waren es genau diese krankhaften Züge, mit denen man nun nach 80 Jahren die endgültige Generalabrechnung mit den Nazis vollzieht, bereits eine der Ursachen dafür, dass sie überhaupt an die Macht kommen konnten. Ein Volk ohne Maß und Mitte verfällt unablässig von einem Extrem ins andere und kommt einfach nicht mit sich ins Reine. (TPL)






















