Die Debatte um den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der politischen Kommunikation gewinnt in Deutschland weiter an Fahrt. Nach den hochnotpeinlichen Fällen des thüringischen CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt, der sogar für Holocaust-Gedenkreden auf KI-generierte Retortentexte zurückgriff, und des CDU-Bundesdigitalministers (!) Karsten Wildberger, steht nun auch der parteilose Lügenkanzler-Vertraute und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer unter Verdacht, einen Gastbeitrag nicht selbst verfasst, sondern maßgeblich von einer KI generieren lassen zu haben, ohne dies transparent zu machen. Ausgerechnet Weimer, der eigentlich ein gebranntes Kind sein müsste nach dem Skandal um massenhaft zusammengeschnorrte und unautorisierte Texte namhafter “Autoren“, die von ihrem Glück gar nichts wussten, in seinem Magazin “The European“ (die neben verkauften Meetings mit Politikern letztes Jahr eine Großaffäre ausgelöst hatten). Doch da der Weimer-Skandal wie üblich natürlich keine Konsequenzen für ihn hatte, meint er anscheinend, mit allem durchkommen zu können.
Der österreichische Plagiatsforscher Stefan Weber hat in einer Analyse für die „Welt“ zahlreiche stilistische Merkmale identifiziert, die typisch für Textgeneratoren wie ChatGPT sind. Der Beitrag „Wenn YouTube das neue Fernsehen ist, braucht es neue Regeln“ erschien Mitte Mai 2026 in der „Welt“. Darin plädiert Weimer für strengere Regulierungen digitaler Plattformen, mehr Jugendschutz und ein „Level Playing Field“ zwischen traditionellen Medien und Tech-Giganten. Auffällige Formulierungen wie „In dieser Lage wird nicht das Angebot zum Problem, sondern die Auffindbarkeit“, „Vielfalt entsteht nicht allein durch das Vorhandensein von Inhalten, sondern durch ihre Sichtbarkeit“ oder tautologische Wendungen wie „Insgesamt bedeutet das allerdings nicht nur mehr Regulierung. Es bedeutet auch weniger“ gelten als klassische KI-Signaturen: abstrakte Antithesen, scheinbar tiefsinnige Gegenüberstellungen und inhaltlich vage Strukturen, die plausibel klingen, aber wenig eigene Handschrift verraten.
Von “geistigem Vampirismus“ reden und selbst Versatzstücke per KI nutzen
Weber spricht von einem „dringenden Tatverdacht“. Die Affäre reiht sich ein in eine Serie ähnlicher Enthüllungen. Bei Mario Voigt sollen Reden, darunter eine Holocaust-Gedenkrede, und Gastbeiträge mit KI-Unterstützung entstanden sein. Die Thüringer Staatskanzlei räumte ein, dass KI „unterstützend“ genutzt werde. Ähnlich beim Digitalminister Wildberger: Sein Haus verteidigte den Einsatz von KI als „Sparringspartner“ zur Strukturierung von Gedanken, betonte aber zugleich, “menschliche” Endkontrolle sei gewährleistet. Daran darf zumindest gezweifelt werden. Der eitle Minister selbst positioniert sich seit Monaten als Vorreiter in der KI-Debatte. Er kritisierte wiederholt „digitalen Kolonialismus“ und „geistigen Vampirismus“ großer Tech-Konzerne, die urheberrechtlich geschützte Werke ohne Einwilligung für das Training von Modellen nutzen. Auf der Frankfurter Buchmesse 2025 forderte er Schutz für Kreative und eine faire KI. Ironischerweise präsentierte er dann im September 2025 den „Weimatar“ – seinen eigenen KI-Avatar –, der in zahlreichen Sprachen Politik erklären soll und als Signal für verantwortungsvolle KI-Nutzung gedacht war. Die nunmehrigen Vorwürfe passen da genau ins Bild. Der Verdacht trifft diesen unwürdigen Kulturstaatsminister besonders hart, da dieser Medienregulierung und Urheberschutz eben zu seinen Kernaufgaben zählt.
Dass sich viele deutsche Politiker, selbst teils nicht mehr zum Denken, Schreiben und Reden fähig, mit der Flut an Texten, Manuskripten und Beiträgen überfordert zeigen, ist schon alarmierend genug; bloß fragt man sich eigentlich, wofür sie dann ein ganzes Heer an Referenten, Redenschreibern und Hiwis beschäftigen. Die nicht minder verstörende Antwort: Anscheinend sind gerade diese Ghostwriter und Assistenten im Hintergrund, die sie einen schlanken Fuß machen und die KI bemühen. Statt eigene Gedanken zu formulieren, greifen auch sie zu KI – obwohl sie wissen müssten, dass zumindest umredigierte “Ergüsse“ der entsprechenden Tools leicht zu enttarnen sind. (TPL)






















