Bevor die europäische Wirtschaft durch den Wahnsinn der Brüsseler Eurokraten endgültig zusammenbricht, haben sich über drei Dutzend in Europa produzierende Unternehmen aus energieintensiven Branchen, darunter BP, BASF, Thyssenkrupp, Evonik, Arcelor-Mittal, Covestro und Ineos, in einem geradezu verzweifelten Brandbrief an EU-Ratspräsident António Costa und den amtierenden Vorsitzenden des Rats, den zypriotischen Präsidenten Nikos Christodoulides, gewandt. „Mit Blick auf die bevorstehende Reform des Emissionshandels fordern wir Sie auf, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um den Anstieg der Kosten zu stoppen und weitere Schäden an Europas industrieller Basis zu vermeiden“, heißt es darin. Der Emissionshandel spiegele die globalen Realitäten nicht mehr wider. Europa handele „faktisch allein“, indem es seiner Industrie rasch steigende CO2-Kosten auferlege. Die Voraussetzungen für die industrielle Transformation seien nicht gegeben, weil die Infrastrukturen für Strom, Wasserstoff und den Transport und die Speicherung von CO2 fehlten oder unzureichend seien.
Die Hoffnung, dass die EU-Granden doch noch von selbst einsehen, dass sie der Wirtschaft mit der irren CO2-Bepreisung endgültig den Rest geben, haben die Konzerne aufgegeben und versuchen es jetzt mit einem dramatischen Appell an die Vernunft, mit der es in Brüssel aber bekanntlich nicht weit her ist. Im chinesischen Emissionshandel kostet ein CO2-Zertifikat umgerechnet rund zehn Euro, in der EU sind es rund 80 Euro. Parallel zu dem Brandbrief haben die Stahlproduzenten Arcelor-Mittal Europe, Thyssenkrupp und Voestalpine in einem weiteren gemeinsamen Appell zu einer pragmatischen Reform des Emissionshandelssystems aufgerufen. In der „Financial Times“ schrieb Lakshmi Mittal, der Vorsitzende des Verwaltungsrats von Arcelor-Mittal, der Emissionshandel funktioniere für energieintensive Industrien nicht. In der europäischen Stahlindustrie hätten nur wenige Dekarbonisierungsprojekte grünes Licht erhalten.
Tödliche “Transformation”
Kostengünstige, emissionsarme Energiequellen für Stahl und andere energieintensive Sektoren blieben schwer erreichbar. Mittal fordert, den Emissionshandel auf seinem jetzigen Niveau einzufrieren, bis die Voraussetzungen einer wirtschaftlich tragfähigen Dekarbonisierung vorhanden und der Erhalt der globalen Wettbewerbsfähigkeit der Industrie gewährleistet sei. „Wenn ich elektrifizieren will, der Netzanbieter den notwendigen Anschluss aber erst in zehn Jahren bereitstellt, dann werde ich für Bedingungen bestraft, die außerhalb meiner Verfügungsgewalt liegen“, kritisierte Christoph Baller vom Verband „Die Papierindustrie“ auf LinkedIn. Der Verband erklärte, die neuen Benchmarks würden die deutschen Papierfabriken mit rund 140 Millionen Euro pro Jahr belasten. Das Geld fehle den Unternehmen für dringend notwendige Investitionen in die Transformation. Und Wolfgang Große Entrup, der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), sagte: „Statt Transformation zu ermöglichen, entzieht Brüssel den Unternehmen mitten in der Krise dreistellige Millionenbeträge. Das schützt kein Klima, das verlagert nur Wertschöpfung“.
Auch von den Regierungen vieler Mitgliedstaaten gab es Forderungen, den Emissionshandel mindestens zu überarbeiten. Doch bisher zeigten die Eurokraten sich davon unbeeindruckt. Eine Ansammlung ungewählter, ungewollter und überbezahlter Bürokraten spinnt sich in ihren der Realität entzogenen Elfenbeintürmen ideologisch verbohrten Irrsinn zusammen, der einen ganzen Kontinent ruiniert und weigert sich in ihrer grenzenloser Arroganz auf die Sorgen von Menschen einzugehen, die versuchen, diesen Kollaps zu verhindern. Die Brüsseler Nomenklatura wird nicht eher zufrieden sein, als bis sie Europa kulturell, wirtschaftlich und politisch endgültig zerstört hat. (TPL)






















