Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn Marcel Fratzscher die hohe Teilzeitquote von Frauen als gesellschaftlichen Wohlstandsverzicht brandmarkt und Minijobs als „Falle“ bezeichnet. Gerade in dieser Debatte offenbart sich das Ende einer bestimmten Phase des Feminismus, der, genau wie linksdrehende Politiker, allzuoft gar nicht mehr weiß, was eine Frau überhaupt ist / von Nicole Höchst
An der Sichtweise kann man bereits erkennen, wie sehr die natürliche Gnade, dass Frauen imstande sind, zu gebären und Leben zu schenken, in dem gottlosen postmodernen, materialistischen und durchideologisierten Zeitalter, in dem wir leben, aus der weiblichen Identität verbannt wurde. Warum lassen wir Frauen uns das gefallen? Sind wir wirklich so leicht beeinflussbar? Wieviele Frauen sind mit dem Gedanken alleine, dass nur sie persönlich diese Doppelbelastung nicht hinbekommen und scheitern seelisch und gesundheitlich an der sich selbst auferlegten Doppelaufgabe? Wahrscheinlich war eine Gesellschaft noch nie so nahe daran, den „determinierenden Biologismus“ erfolgreich zu bekämpfen. Vielleicht sieht Simone de Beauvoir von irgendwo zu und findet es toll?!
Ursprünglich diente dieser der Befreiung der Frauen aus rechtlicher und persönlicher Abhängigkeit vom Ehemann. Die Durchsetzung der Gleichheit vor dem Gesetz war hier ein notwendiger Schritt. Die Kehrseite erweist sich jedoch als folgenschwer für Frauen, Familien und die Gesellschaft insgesamt. An die Stelle familiärer Verpflichtungen und Bindung trat zunehmend die Abhängigkeit vom Staat: Frauen wurden nicht nur direkt neuen Chefs unterstellt, denen sie nun ausgeliefert waren beziehungsweise sind, um gute Frauen zu sein. Nein, sie mussten und müssen Familie und Beruf vereinbaren, also zwei eigentlich Vollzeittätigkeiten in 24/7 pressen.
Leuchtende feministische Siege haben auch schwarze Schatten
Um nicht völlig im emotional viel höher zu bewertenden Familienbereich in den eigenen Augen zu versagen, arbeiten Frauen vorzugsweise halbtags. Ja, wohl die meisten Mütter lieben ihre Kinder und möchten an ihrer Fürsorge und Erziehung maßgeblichen Anteil haben. Das ist normal und kein bloßes überliefertes Rollenbild. Gefühle für den eigenen Nachwuchs sind in uns genetisch hartkodiert und kein gelerntes Verhalten. So hat die Menschheit überlebt.
Aber weiter zum „Segen“ des Feminismus: Wie immer haben leuchtende Siege auch schwarze Schatten. Denn fortan galten vor allem Steuerzahlerinnen als wertvolle Frauen. Vollzeitmütter wurden und werden durch dieses System strukturell benachteiligt und mit Altersarmut bestraft. Die strukturelle Geringschätzung von Mutterschaft bleibt nicht ohne Folgen. Gesellschaften, die Familienarbeit wirtschaftlich bestrafen und Kinder zunehmend als Karrierehindernis betrachten, verändern zwangsläufig auch ihr demografisches Verhalten. Die Folgen lassen sich inzwischen statistisch messen
Kinder als Bedrohung der Selbstverwirklichung
.Die demografischen Folgen sind unübersehbar. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 654.300 Kinder geboren – der niedrigste Wert seit 1946. Die Geburtenzahl sank zum vierten Mal in Folge, die Fertilitätsrate liegt bei etwa 1,35 Kindern pro Frau. Das Geburtendefizit erreichte mit rund 352.000 ein neues Nachkriegshoch. Böse Zungen behaupten, moderne westliche Gesellschaften führten nationalmasochistisch, konsumorientiert und moralisch vor allem selbstverliebt Krieg gegen sich selbst. Ein Kind wird schnell als wirtschaftliche Bedrohung des eigenen Lebens, der individuellen Selbstverwirklichung empfunden. Der Geburtenrückgang ist dabei nur ein Teil des Problems. Hinzu kommt eine Entwicklung, über die in Deutschland nur ungern gesprochen wird: der gesellschaftliche Umgang mit ungeborenem Leben. Wo Kinder immer stärker als finanzielles Risiko oder Einschränkung individueller Selbstverwirklichung erscheinen, verändert sich zwangsläufig auch die Einstellung zu Schwangerschaft und Mutterschaft.
Seit der Vereinheitlichung des Rechts zum Schwangerschaftsabbruch wurden in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Millionen Kinder abgetrieben, überwiegend nach der Beratungsregelung. Nicht aus kriminalistischen oder gesundheitlichen Gründen. Tatsächlich machen diese zusammen nicht einmal zehn Prozent aus. Für die Jahre 1996 bis 2023 ergeben sich in der Summe ungefähr 3,0 Millionen gemeldete Schwangerschaftsabbrüche.
Die Deutschen grübeln im eigenen Aussterben
Was ist das für eine Gesellschaft, die das toleriert? Ganz klar: Eine aussterbende. Statt das Leben für Familien zu erleichtern oder auch alleinstehende Mütter zu unterstützen, werden Männer und Frauen auseinanderdividiert, Männerhass geschürt, Familien und Alleinerziehende von Armut bedroht. Was ist das für eine Gesellschaft, die den Akt der Zeugung nach Kräften bagatellisiert und bonoboisiert? Liebe und Verantwortung füreinander spielten lange eine untergeordnete Rolle. Der Akt an sich mutierte zur aufwendigeren Selbstbefriedigung in One-Night-Stands. Soll ja jeder machen, wie er will. Aber ein Kind abzutreiben, ist eben keine „Verhütung danach“.
Doch die Entscheidung für oder gegen Kinder entsteht nicht einfach so in einem luftleeren Raum. Sie entsteht jeden Tag überall auf der Welt auch in unserem Land, Deutschland. Sie wird wesentlich von den Zukunftsbildern beeinflusst, die eine Gesellschaft von sich selbst zeichnet. Und genau hier zeigt sich ein weiteres Problem moderner westlicher Gesellschaften. Zivilisatorisch aussterbende Deutsche grübeln, während sich der „youthbulge“ anderswo fortpflanzt. Viele Frauen zögern heute, Kinder in diese Welt zu setzen. Mediale und gesellschaftliche Bilder tragen wesentlich dazu bei: Mutterschaft wird häufig als Belastung oder Karrierehemmnis dargestellt, während berufliche Selbstverwirklichung als oberstes Ziel propagiert wird. Dystopische Zukunftsszenarien – Klimakatastrophen, wirtschaftlicher Niedergang, soziale Konflikte – verstärken Zukunftsangst.
Zunehmende frühkindliche Indoktrination
Umfragen dokumentieren eine verbreitete Klimawahn-Pädagogik und eine alarmistische Vermittlung globaler Krisen, die bei Jugendlichen Ängste schüren, die sie leider oft unreflektiert zeitlebens für unverbrüchliche Wahrheiten halten. Ein erster Schritt in die kognitive Dissonanz! Parallel dazu erleben viele Eltern eine kulturelle Entwicklung, die das Vertrauen in staatliche Bildungs- und Erziehungseinrichtungen zusätzlich belastet. Während Familien immer stärker unter Druck geraten, werden zugleich gesellschaftliche Debatten geführt, die viele Eltern als weit entfernt von ihren tatsächlichen Sorgen wahrnehmen.
Hinzu kommt eine zunehmende Indoktrination bereits der Kleinsten: In Teilen der frühkindlichen und schulischen Erziehung wird eine Ideologisierung kritisiert, die Themen wie frühe Sexualisierung, Gender- und Transfragen sowie eine sexualpädagogische Ausrichtung umfasst, die von Eltern zunehmend als pädophil anmutend empfunden wird. Wer liefert schon gerne sein Kind in Märchenstunden über Sexualität und sexuelle Identität bei als liederlich gekleideten Tanten wie zum Beispiel „Großer Klit“ aus? Ich habe nie verstanden, welches persönliche Interesse diese Herrschaften verfolgen, indem sie sich ruchlos gekleidet wie Prostituierte nach einer harten Nacht in der Nähe von Kindern bewegen. Das sollten sich endlich mehr Leute fragen!
Grundlagen jeder nachhaltigen Gesellschaft
Zu diesen Sorgen kommen schließlich Veränderungen hinzu, die unmittelbar den Alltag vieler Familien betreffen. Denn die Frage, in welchem Umfeld Kinder aufwachsen, entscheidet wesentlich darüber, ob Menschen überhaupt bereit sind, eine Familie zu gründen oder zu vergrößern. Unrühmlich ergänzt wird dieser Regenbogensalat durch eine einseitige „Kampf-gegen-Rechts“-Haltung und Berichte über Mobbing und Konflikte durch hohe Anteile an Kindern mit Migrationshintergrund. Trotz redlicher Bemühungen vor Ort geraten immer mehr Schulen und Kindertagesstätten zu Einrichtungen, in denen deutsche Sprache, Kultur und Traditionen zur Mangelware werden und Parallelstrukturen sowie Verwahrlosung zunehmen. Berichte aus der Praxis weisen wiederholt auf Sprachdefizite und Integrationsprobleme hin, die den Bildungserfolg massiv beeinträchtigen.
Diese Entwicklungen stehen im Gegensatz zu einem elementaren Bedürfnis: Frauen, Männer und Familien haben ein dringendes, biologisch und psychologisch fundiertes Interesse daran, sich selbst um ihre Kinder zu kümmern. Nur so lassen sich gesunde Bindungen, kulturelle Kontinuität und eine verantwortungsvolle Wertevermittlung sicherstellen – Grundlagen jeder nachhaltigen Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund erscheint die Debatte über Teilzeitbeschäftigung geradezu bemerkenswert. Während Familien mit steigenden Belastungen, Zukunftsängsten, Bildungsproblemen und einer familienfeindlichen Steuer- und Sozialpolitik konfrontiert werden, richtet sich der Blick mancher Ökonomen ausgerechnet auf die Teilzeitarbeit von Müttern.
Förderung einheimischer Familienbildung gehört in den Mittelpunkt!
Teilzeitarbeit ist in diesem Kontext ganz sicher keine „Falle“, sondern für viele Mütter – und Väter – die rationale Antwort auf unzureichende Rahmenbedingungen. Die behaupteten Kosten für die Gesellschaft entstehen nicht primär durch Teilzeitarbeit von Müttern. Weit bedeutsamer sind die fiskalischen Belastungen durch die Aufnahme und Alimentierung von Millionen Zuwanderern, die häufig keiner oder nur geringfügiger Erwerbstätigkeit nachgehen. Dafür liefern sie die Kinder mit ihrer höheren Fertilitätsrate.
Böse Zungen behaupten womöglich zurecht, dass „der aussterbende Deutsche nach Hauptjob und zwei Nebenjobs, damit er die Familie ernähren kann, einfach zu selten auf seine arbeitsbedingt aushäusige Frau trifft, um sich erfolgreich erneut fortzupflanzen. Und falls sie einmal gleichzeitig daheim sind, hängt vor Müdigkeit mindestens einer von beiden mit dem Arsch nach oben tot überm Zaun.“
Wer die Ursachen der demografischen Krise verstehen will, muss deshalb tiefer graben. Die Frage lautet nicht, warum so viele Mütter Teilzeit arbeiten. Die Frage lautet vielmehr, warum immer weniger Menschen überhaupt noch Familien gründen und Kinder bekommen wollen. Eine sachliche Debatte müsste diese Zusammenhänge anerkennen. Statt Teilzeitarbeit von Müttern à la Fratzscher als individuelles oder gesellschaftliches Versagen zu pathologisieren, sollte eine nachhaltige Politik die Förderung einheimischer Familienbildung in den Mittelpunkt stellen – jenseits ideologischer Vorgaben und unter Anerkennung der realen Herausforderungen in Bildungseinrichtungen und bei der demografischen Entwicklung. Dieses immer öffentlicher werdende Herabwürdigen von Deutschen als gemeine Arbeitsdrohnen und Zahlmeister für die Probleme der Welt muss dringend beendet werden. Sonst verlieren wir alles: Familie, Zukunft, Deutschland.
Zur Person:
Nicole Höchst, Jahrgang 1970, ist AfD-Bundestagsabgeordnete aus Rheinland-Pfalz. Sie trat 2015 in die AfD ein und ist seit 2017 Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis 201 (Bad Kreuznach/Birkenfeld). Dort ist sie unter anderem als ordentliches Mitglied und Obfrau des Bildungsausschusses und als Sprecherin der AfD-Fraktion für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung tätig. Ferner ist sie stellvertretendes Mitglied in den Ausschüssen für Familie, Senioren und Jugend sowie für Digitales. Höchst ist desweiteren Delegierte des Deutschen Bundestages in den Europarat für die AfD-Fraktion und stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Desiderius-Erasmus-Stiftung.
Bis 2012 unterrichtete sie als Studienrätin am Staatlichen Speyer-Kolleg, anschließend war sie bis Oktober 2017 Referentin am Pädagogischen Landesinstitut (vormals IFB). Höchst war 2015 Mitglied der AfD-Bundesprogrammkommission und ist stellvertretende Vorsitzende des AfD-Kreisverbands Speyer. Sie ist katholisch, hat vier Kinder und lebt mit ihrer Familie in Speyer, wo sie auch Stadträtin ist.
Auf jouwatch veröffentlicht Nicole Höchst alle 14 Tage die kritische Kolumne „Höchst brisant“ zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen. Der erste Jahrgang dieser Kolumnen ist auch in Buchform erschienen. Unter demselben Titel veröffentlicht sie in unregelmäßigen Abständen Videobeiträge auf ihrem YouTube-Kanal.






















