Im kleinen Oststeinbek bei Hamburg, aber auch in mehreren Gebäuden in Bundesländern wie etwa Brandenburg, Hessen und Baden-Württemberg stand am Dienstagmorgen ein ganzes Aufgebot der Polizei vor der Tür. Der Grund sind bundesweite Terrornetzwerke, die allesamt mit dem IS zusammenhängen. Dabei ereignete sich das Szenario in Oststeinbek wie im Bilderbuch: Frühe Morgenstunden, Polizisten mit Sturmhauben, ein freistehendes Wohnhaus sowie fünf Tatverdächtige, die allesamt als IS-Kontaktpersonen gelten. Ihnen werden Verbindungen nachgesagt, die sich über das gesamte Bundesgebiet erstrecken. Während der Michel brav weiter schläft, werden klammheimlich unheilvolle Strippen gezogen. Wie immer.
Gleich mehrere Einsatzwägen und Bewaffnungen waren notwendig, um das besagte Haus in der Möllner Landstraße in Osteinbek zu observieren. Der Grund für das BKA-Aufgebot waren aber nicht nur die eingereisten Kontaktpersonen, sondern auch deren Auftrag, in Deutschland Gelder für den IS zu beschaffen. Zudem sollten die Kontakte auf ganz Europa ausgedehnt werden. Weil offenbar schon weitereichende Netzwerke bestehen, wurden zudem auch Wohnungen und weitere Immobilien in Filderstadt (Baden-Württemberg), Potsdam (Brandenburg) und Limburg-Weilburg (Hessen) durchsucht. Zudem kommen elf weitere Häuser von nicht-tatverdächtigen Personen, zu denen auch das Anwesen in Osteinbek gehört.
Unbekannt hohe Dunkelziffer
Als „nicht-tatverdächtig“ werden Menschen eingestuft, die ein reines Kenn-Verhältnis zu den eigentlichen Verdächtigen haben, ohne sich selbst eine Schuld aufgeladen zu haben. Freunde, Bekannte, Kollegen, Vermieter etc. zählen zu solch einem Personenkreis. Weitere Kontaktpersonen befanden sich jedoch zudem in Hof (Bayern), Berlin, im hessischen Wetteraukreis und in Dortmund (Nordrhein-Westphalen). Zu Festnahmen war es allerdings nicht gekommen.
Noch im April letzten Jahres stufte das BKA 575 Personen in ganz Deutschland als Gefährder ein. Vor allem die Kategorie der religiösen Ideologie mit 458 Personen ist damit der größte Bereich. Stand Februar 2023 sollen sich sogar noch 613 Gefährder in Deutschland aufgehalten haben, wie hoch die eigentliche Dunkelziffer ist, weiß wie immer niemand so genau. Als Gefährder gelten prinzipiell Personen, die ihre politischen oder religiösen Ansichten über die öffentliche Ordnung und sogar Menschenleben stellen, um diese Einstellung mit Mord und Anschlägen gewaltsam zu unterstreichen.






















