Die Zukunft der Deutschen Bahn in einem Bild – mancherorts schon die Gegenwart? (Foto: Anna Vaczi/Shutterstock)
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Still stehen alle Züge: Wieder mal DB-Großpanne in Kaputtistan Deutschland

Als ob die Deutsche Bahn und vor allem ihre Kunden nicht bereits mehr als genug Probleme hätten, fiel an Dienstagabend auch noch der digitale Funk aus, sodass der komplette Verkehr bundesweit eingestellt werden musste. Züge blieben an Ort und Stelle stehen, die Gäste saßen bei der Gluthitze in den oft maroden Zügen fest. Auch S-Bahnen und private Bahnunternehmen, die den Regionalverkehr bedienen, waren betroffen. Überall bildeten sich lange Schlangen vor Infoständen. Die Bahn gab Taxi-Gutscheine aus, manche Gäste versuchten, Fahrgemeinschaften zu bilden. „Derzeit werden alle S-Bahnen im gesamten S-Bahn-Netz an den Bahnsteigen zum Halten gebracht“, teilte die S-Bahn Stuttgart mit und empfahl: „Prüft in der Reiseauskunft eure Verbindung auf alternative Verkehrsmittel. Wir geben euch Bescheid, sobald wir neue Informationen haben und einschätzen können, wie lange die Störung dauert“. Auch die Metronom-Eisenbahngesellschaft war von der Störung betroffen. Durch die „umfangreiche Störung“ komme es zu „erheblichen Beeinträchtigungen im Bahnverkehr“, wurde mitgeteilt. „Alle Züge stehen still und wir rechnen damit, dass heute Nacht nichts mehr fährt“, sagte Simon Märtens, der Sprecher der Metronom-Eisenbahngesellschaft. Das Unternehmen rät Kunden, „heute definitiv keine Bahnreisen mehr anzutreten“ oder sich nach alternativen Fortbewegungsmitteln umzusehen.

Immerhin konnten die Probleme nach gut anderthalb Stunden behoben werden. Dennoch könne es weiter zu Verspätungen und auch kurzfristigen Fahrtausfällen kommen, teilte die Bahn mit, aber das ist wahrlich keine Neuigkeit. Mit einem Notfallsystem habe man die Lage stabilisieren können, sagte Konzernchefin Evelyn Palla. Deshalb würden nun alle Züge wieder fahren. Die Ursache des Problems müsse aber noch geklärt werden. Der Verband der privaten Güterbahnen, die mit der Güterverkehrssparte der Deutschen Bahn in Konkurrenz stehen, forderte eine genaue Aufarbeitung der Störung.

Zustände wie in einem Drittweltland

Die Ursache dürfe „nicht allein durch eine ‚Selbstauskunft‘ der DB InfraGo als Betreiberin beantwortet werden“, sagte Verbandsgeschäftsführer Peter Westenberger. Er verlangte auch eine bessere Überwachung und Steuerung des Schieneninfrastrukturbetriebs. Da der Güterverkehr zu einem erheblichen Teil in den Nachtstunden unterwegs sei, seien die Beeinträchtigungen durch den Shutdown auch sehr hoch. Der Vorfall ist ein weiteres Debakel für die krisengeschüttelte Bahn, die einst ein Synonym für deutsche Zuverlässigkeit war, aber längst zum weltweiten Gespött geworden ist. Im vergangenen Jahr waren nur noch ganze 60 Prozent der Fernzüge pünktlich, was einen neuen Tiefpunkt markierte. 2015 lag die Quote noch bei 74,4 Prozent. Zudem trickst die Bahn auch noch bei der Statistik, indem sie ganz oder teilweise ausgefallene Züge gar nicht mitzählt, wie eine parlamentarische Anfrage der AfD ergab. Insgesamt verstärkt sich der Eindruck eines Drittweltstaats, das nur noch das Nötigste aufbietet und nicht einmal damit mehr zurandekommt.

Als Gründe für die Verspätungen werden die vielen Baustellen im maroden Schienennetz und die überlasteten Fernverkehrsknoten genannt. Um diesem Missstand abzuhelfen, pumpt der Bund in diesem Jahr weitere 23 Milliarden (!) Euro in den desolaten Konzern. Mit wesentlichen Verbesserungen ist aber aller Erfahrung nach dennoch nicht zu rechnen. Wer heute noch in einen Zug steigt, kann nicht mehr erwarten, einigermaßen pünktlich ans Ziel zu kommen, dafür aber, dass es alle möglichen Ausreden und grotesk überteuerte Werbekampagnen gibt, für die Millionen verschleudert werden. Die Bahn ist also im Guten wie im Schlechten das ideale Abbild dieses Landes. Nachdem die nächtliche Funkstörung relativ schnell behoben werden konnte, kann nun der ganz normale Wahnsinn weitergehen. (TPL)

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