Das Instagram-Video des russischen Soldaten Alexander Lunin, der darin fordert, seinen Präsidenten Wladimir Putin im Kreml zu treffen, um ihn in einer Live-Sendung über gravierende Missstände in der Armee zu informieren, sorgt bei „Bild“ wieder einmal für Spekulationen über die angeblich erodierende Machtbasis Putins. Lunin erklärte, er habe das Video aufgenommen, nachdem sich „Vertreter hochrangiger Beamter des Verteidigungsministeriums und der Sicherheitsorgane“ mit ihm getroffen hätten, die über ihn eine Botschaft an Putin übermitteln wollten. Tausende Soldaten würden in Gruben festgehalten und gefoltert, weil sie sich weigerten, „selbstmörderische Befehle auszuführen“ und ihre Kommandeure zu bezahlen. Lunin will Putin persönlich erklären, „was jetzt in unserem Land geschieht“. Andernfalls werde die Armee ihre Waffen gegen den Kreml richten.
Der Wahrheitsgehalt von Lunins Behauptungen ist derzeit völlig unklar. Irgendwelche Belege oder konkretere Angaben machte er nicht. Offenbar handelt es sich bei ihm um einen 39-jährigen Angehörigen eines Freiwilligenbataillons, der seit Jahresbeginn mehrere Online-Kanäle betreibt. Am gestrigen Freitag verkündete er, eine Einladung nach Moskau erhalten zu haben. Dort werde er mit einem gewissen Vitali Borodin sprechen, möglicherweise ein hoher Beamter. Dass Putins Sprecher Dmitri Peskow „nur 24 Stunden nach Veröffentlichung des Video-Aufrufs“ mit einer öffentlichen Erklärung reagiert hat, in der er mitteilte: „Uns wurde mitgeteilt, dass es einen solchen Appell gibt. Wir hatten aber noch keine Gelegenheit, ihn näher anzusehen“, weshalb er dazu derzeit nichts sagen wolle; es scheine „einige recht merkwürdige Formulierungen zu geben und man müsse sich den Inhalt zunächst ansehen, nimmt man bei „Bild“ als Indiz dafür, dass im Kreml die Angst umgeht.
Eine Räuberpistole nach der nächsten
„Dass die Drohung eines einzelnen Veteranen nach wenigen Stunden vom Sprecher des Präsidenten erwähnt wird, ist ein äußerst ungewöhnlicher Schritt im autoritären Russland und könnte von der Furcht vor einem weiteren Aufstand zeugen“, wird geraunt. Üblicherweise würden kritische Meldungen vom Kreml sowie von staatlichen Medien ignoriert. „Putin fürchtet Aufstand der eigenen Armee“ und „Russen-Regime reagiert nervös“ lauteten die Schlagzeilen über dem Text, in dem natürlich der obligatorische Hinweis nicht fehlen durfte, dass die russische Armee einen „brutalen Angriffskrieg“ gegen die Ukraine führe. Gleich zweimal wurde der Begriff „Angriffskrieg“ untergebracht.
Außer Spekulationen findet sich in dem Artikel jedoch kaum etwas. Aber selbst wenn diese Räuberpistole ernstzunehmen wäre, würde sie nur einmal mehr die ganze Verlogenheit der Mainstream-Journaille entlarven, die gebetsmühlenartig behauptet, Putin würde spätestens 2029 zum Großangriff auf die NATO ansetzen, während er andererseits aber so geschwächt ist, dass er jederzeit durch einen Putsch hinweggefegt werden könnte. Ein Präsident, der es in fast viereinhalb Jahren nicht geschafft hat, die zerrissene, instabile, korrupte und zu einhundert Prozent von westlichem Geld abhängende Ukraine militärisch zu besiegen und der nun auch noch zuhause angeblich um den Fortbestand seines Regimes fürchten muss, soll zugleich mit einer kurz vor der Rebellion neigenden Armee einen gigantischen Angriff planen, der nichts anderes als einen nuklearen Holocaust nach sich ziehen würde, der sein eigenes Land unweigerlich auslöschen würde – ganz abgesehen, davon, dass er dazu weder die militärischen noch die ökonomischen Ressourcen hätte. Es ist nur noch lächerlich, welch einen hanebüchenen Unsinn einem solche Propagandamedien zumuten, die offenbar schon selbst nicht mehr merken, dass die Märchen, die sie den Leuten unablässig einhämmern, sogar schon in sich selbst völlig widersprüchlich sind. (TPL)






















