Ein bemerkenswerter Klimaratschlag kam dieser Tage von der Caritas. Auch wer mit Religiösem sonst nichts am Hut hat, soll eintreten in die heiligen Räume, um sich zu erfrischen. Obwohl es dort keine gekühlten Getränke gibt. Ob Mitglied oder nicht, eine Einlasskontrolle findet nicht statt. Steht nicht geschrieben: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28). Also nichts wie rein in die zentral gelegenen Kältekammern mit Weihraucharoma, die außerhalb der Gottesdienstzeiten zur Verfügung stünden.
Warum aber ist es in Kirchen im Sommer immer so kühl, obwohl dort keine Klimaanlagen surren? Seit Jahrhunderten wissen Kirchenarchitekten, wie mit Stein auf Stein hohe, weite Räume errichtet werden. Das steinerne Gemäuer hält die Sonnenhitze ab. Es ist einfach eine so dichte Masse, die zu lange braucht, um sich zu erwärmen. Also nichts wie rein ins Gotteshaus. Gläubige kennen die ungeschriebenen Verhaltensregeln. Höchstens flüstern, sich setzen und die Ruhe, die künstlerischen Gemälde, steinernen Figuren, die Kühle und Stille auf sich wirken lassen. Nicht telefonieren, keine mitgebrachten Speisen verzehren. Kinder nicht herumtollen lassen. Die heilsame Atmosphäre, auch die jenseits der Kühle, soll ja erhalten bleiben. Und nicht versehentlich Kunstgegenstände mitnehmen.
Geheimtip für verirrte Schäflein
Ungläubige, nicht mehr Gläubige oder ganz anders Gläubige bräuchten aber Platzanweiser, sagt die Caritas. Rüstige Rentner sollen sich als freiwillige Kalt-Kühl-Kirchen-Museumsführer zur Verfügung stellen, damit das Haus Gottes nicht zu einem Tummelplatz wird. Und zudem könnten verwirrte Schäflein wieder entdecken, wie schön es doch ist, mit Bachs Orgelklängen gleichzeitig auch noch eine geistige Dusche zu erhalten, die den Staub des Alltags von der Seele wischt.
Die Idee ist also gar nicht schlecht. Draußen brennt der Asphalt, drinnen wartet ein altes, kaltes Kirchenschiff. Keine Klimaanlage, kein Ventilator, kein Getränkestand. Nur Stein, Stille, Kühle und vielleicht ein Moment, in dem der Mensch wieder merkt, dass Abkühlung nicht immer aus der Steckdose kommen muss. Einfach mal wieder herunterkommen. Vielleicht denkt die katholische Caritas dabei auch an Mitgliedergewinnung. Schließlich kündigen doch pro Jahr über 250.000 Menschen die Mitgliedschaft im katholischen Kirchensteuerzahlerverein. Da kann ein kühles Kirchenschiff im Hochsommer plötzlich mehr remissionarische Wirkung entfalten als manche Hochglanzbroschüre. Wer im diesseitigen Leben schon wegen der Höllenhitze hereinkommt, denkt vielleicht auch an die ewige Höllenhitze, vor der man erst recht bewahrt werden will.






















