Fremdenfeindliche Gruppen haben undokumentierten Migranten in Südafrika bis zum 30. Juni 2026 eine klare Frist gesetzt: Das Land verlassen oder die Konsequenzen tragen. Das selbst ernannte Ultimatum von Organisationen wie „March and March“ und „Operation Dudula“ hat keine rechtliche Grundlage – doch es hat Angst, Fluchtwellen und erhöhte Sicherheitsvorkehrungen ausgelöst. Südafrika hält den Atem an. Die Initiativen – nicht etwa die ihrerseits rassistisch bedrohte weiße Minderheit, sondern durchweg schwarze ultranationalistische Organisationen – fordern die „sofortige und massive Abschiebung aller illegalen Ausländer“. Anführer wie Jacinta Ngobese-Zuma von March and March und Nkosikhona Ndabandaba, bekannt als „Phakel’umthakathi“, mobilisieren mit Slogans wie „Mabahambe“ (Sie müssen gehen). Sie machen Migranten für Arbeitslosigkeit, Kriminalität und überlastete Infrastruktur verantwortlich. In Videos und bei Protesten drohen Anhänger mit Gewalt: „Verlasst das Land jetzt – oder in einem Sarg.“ Ein Malawier berichtete, zwei Männer hätten ihm persönlich die Frist gesetzt.
Tausende Migranten, vor allem aus Malawi, Simbabwe, Mosambik, Ghana und Nigeria, flohen in Panik. In Durban campierten Hunderte bis Tausende unter freiem Himmel und warteten auf Busse oder Flüge in die Heimat. Malawi evakuierte über 3.000 seiner Staatsbürger, Ghana startete Charterflüge, weitere Länder folgten. Viele schlossen Geschäfte, schickten Familien weg oder suchten Schutz bei Botschaften. Auch legal aufhältige Migranten fühlten sich bedroht.
Massenflucht und Evakuierungen
Präsident Cyril Ramaphosa wies das Ultimatum entschieden zurück: „Wir werden nicht zulassen, dass Gruppen unser Land durch Gesetzlosigkeit und Gewalt destabilisieren.“ Polizeiminister Firoz Cachalia hoffte auf einen „normalen Tag“. Justizministerin Mmamoloko Kubayi warnte: Niemand dürfe willkürlich Dokumente verlangen oder Menschen den Zugang zu Kliniken und Schulen verwehren. Die Regierung verstärkte die Sicherheitskräfte massiv – mit Polizei, privaten Sicherheitsdiensten und Urlaubssperren. Gleichzeitig kündigte sie schärfere Maßnahmen gegen illegale Migration an: strengere Grenzkontrollen, Haftstrafen für Arbeitgeber und bessere Abschiebungen.
Südafrika weist auch nach dem Ende der Apartheid 1994 eine lange Geschichte xenophober Gewalt auf; soviel zum Thema “böse Weiße, gute Schwarze“: 2008 starben mindestens 62 Menschen, weitere Wellen folgten 2015 und 2019. Mit über drei Millionen Ausländern (rund 5 Prozent der Bevölkerung) und einer Arbeitslosenquote von über 32 Prozent sind Spannungen hoch. Viele Migranten arbeiten informell als Gärtner, Hausangestellte oder in kleinen Läden. Kritiker werfen der Regierung vor, das Problem jahrelang ignoriert zu haben. Gestern selbst blieben zwar noch größere Gewaltausbrüche aus – dank massiver Polizeipräsenz. Dennoch bleibt die Lage angespannt. Das Ultimatum hat gezeigt, wie fragil der soziale Frieden ist und wie schnell Frust über Armut und Ungleichheit in Fremdenfeindlichkeit umschlagen kann. Südafrika steht vor der Herausforderung, legale Migration zu regulieren, ohne Menschenrechte zu verletzen – und ohne dass Bürgerwehren das Heft des Handelns übernehmen. Die nächsten Tage werden zeigen, ob der Stichtag wirklich ein normaler Tag bleibt.






















