Über 3,09 Millionen Arbeitsplätze sind seit September 2019 durch Insolvenzen verloren gegangen. Das zeigt eine tägliche Aufstellung, die Egon W. Kreutzer erstellt hat; es sind aktuelle Daten zum Weinen.
Besonders bitter: In den letzten Monaten trifft es wieder viele alte, traditionsreiche Firmen. Dabei geht garantiert kein Unternehmer diesen Schritt freiwillig: Wenn ein Betrieb nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten aufgeben muss, weil die Kosten für Energie, Löhne und Vorschriften die Einnahmen längst übersteigen und die Aufträge ausbleiben, löst diese eine Kaskade aus.
Folgen des politisch selbstverschuldeten Nullwachstums
Hat der Unternehmer auch noch mit seinem Privatvermögen für seine Firma gehaftet, ist nicht selten auch die Privatinsolvenz die Folge. Eine der größten Sorgen ist dabei der Verlust der privaten Krankenversicherung. Übersehen wird dabei jedoch, dass keine private Krankenversicherung den Kunden einfach hinauswerfen darf. Seit 2009 rutscht der Kunde in den Basistarif, welcher der gesetzlichen Krankenversicherung entspricht. Diese Kosten übernimmt das Jobcenter.
Doch nicht nur Insolvenzen, sondern auch Standortschließungen und Schrumpfungen sind in dem Land, das seit nunmehr 8 Jahren ein annäherndes Nullwachstum hinlegt, an der Tagesordnung. Nachfolgend eine kurze Liste einiger Traditionsfirmen, darunter einige große Namen, die zuletzt mit Hiobsbotschaften aufwarteten und von der großen, politisch hausgemachten Not im Land künden (nur ein winziger Ausschnitt des gesamten Desasters):
- Hofbrauhaus Wolters, Braunschweig (gegründet 1627): Nach fast 400 Jahren Brautradition Insolvenz beantragt. 120 Mitarbeiter betroffen.
- Warsteiner : Die Brauerei gibt die Standorte in Herford und Paderborn auf. 211 Jobs sind verloren.
- Varta, Nördlingen: Die bekannte Batterie-Firma verliert einen Großkunden und muss das Werk schließen. Weitere 200 Jobs gehen verloren (nach früheren Streichungen).
- Playmobil, Dietenhofen: Die Herstellung der bekannten deutschen Spielzeugfiguren wird hier eingestellt. 350 Arbeitsplätze gehen verloren.
- Himolla Polstermöbel, Taufkirchen: Der bayerische Möbelhersteller ist im “Sanierungsverfahren”. Rund 2.000 Beschäftigte insgesamt betroffen, 850 am Stammsitz.
- Wachsmuth & Krogmann, Hamburg: Das bekannte Handelshaus mit fast 230 Jahren Tradition – insolvent.
- WMF, Geislingen: Traditionsfirma für Haushaltswaren baut rund 350 Stellen ab.
- Voith, Heidenheim: Das weltbekannte Familienunternehmen im Maschinenbau baut 2.500 Stellen ab.
- Festo, Esslingen: Der bekannte Automatisierer streicht in Deutschland 1.300 Jobs.
- Hellweg: Die Baumarktkette ist in Insolvenz – bis zu 2.900 Jobs betroffen.
Weitere schwere Schläge gab es bei Mahle, Porsche, Stoll (Strickmaschinen), Trützschler (Textilmaschinen), Lampe (Bäckerei-Kette) und vielen klassischen Mittelständlern aus Maschinenbau, Papier und Autozulieferung. Dazu kommen große Stellenstreichungen bei VW (bis zu 100.000 Stellen weltweit im Gespräch), BMW, Evonik und anderen bekannten Namen.
Schwerer Verlust für Deutschland
Viele dieser Firmen waren nicht nur Arbeitgeber. Sie gehörten zur Heimat, prägten ganze Regionen und waren jahrzehntelang verlässliche Steuerzahler. Wenn sie verschwinden, bleiben tiefe Lücken zurück. Die Aufstellung von Kreutzer zeigt keinen kurzen Rückschlag – sondern einen anhaltenden Abbau ganzer Branchen, die früher das Rückgrat der deutschen Wirtschaft waren.
Mitten in dieser schweren Zeit bilden sich Arbeitskreise, in denen Unternehmer mit Insolvenzerfahrung ihren Kollegen Erfahrungen weitergeben. Der Galgenhumor ist nicht verlorengegangene; eine App „Happy Insolvenz mit KI“ soll sogar in Vorbereitung sein.






















