Die Störche auf unserem Kirchturm und unsere Konsumlaune

Die Störche oben auf dem Kirchturm meines Heimatdorfes in Schwaben wissen es instinktiv: Ist die Witterung in einem Jahr ungünstig, gibt es weniger Frösche. Und wenn das Kinderfutter knapp wird, legen die Störche weniger Eier. Wenn die Umwelt weniger hergibt, schaltet die Natur sofort einen Gang zurück. Sie haben plötzlich kaum noch Bock mehr auf Frösche..

Und wie ist das bei uns Menschen? Die Wirtschaftsbosse und Politiker raufen sich die Haare. Sie verstehen es einfach nicht und starren fassungslos auf die leeren Kassen. Was die Frage aufwirft: Warum haben auch die Deutschen anscheinend plötzlich überhaupt keinen Bock mehr, Frösche zu suchen? Die Kauflaune im Land ist im Keller. Die Menschen lassen die Warenkörbe links liegen und drehen jeden Cent zweimal um. Der Grund ist politisch erzeugt. Die Krisen im Land und vor unserer Haustür wirken wie ein eisiger Wind. Dieser raubt den Menschen den Mut für die Zukunft. Und wer kalte Füße bekam, der traut sich nicht mehr auf die Jagd,

Das Biotop Deutschland ist derzeit einfach zu schlecht für uns Menschenkinder.

Trostpflaster aus dem Schaufenster

Uns fehlt im Alltag der Anlass zum Lachen. Die Folgen dieser großen Erschöpfung sieht man überall im Land: Die Deutschen kriegen weniger Kinder, sie kaufen weniger Autos, der Traum vom eigenen Haus ist für viele gestorben. Keiner plant mehr groß für die Zukunft. Warum auch? Wer weiß schon, was morgen kommt. Wenn das Vertrauen fehlt, zieht sich der Mensch in sein Gehäuse zurück und funktioniert nur noch von Tag zu Tag. Man baut kein Nest mehr, schon gar kein so risikoreiches wie die Störche es auf dem Kirchturm in Kleinbergkichen tun.

Vieles, was wir in guten Zeiten im Konsumrausch in die Einkaufstüten stopfen, brauchten wir eigentlich überhaupt nicht. Es ist oft nur ein Pflaster für die verwundete Seele, ein kleiner Trost, den wir schnell kaufen können. Eine innere Unruhe treibt uns in die Läden. Wir kaufen dieses oder jenes, um uns in genau diesem Moment den Frust wegzushoppen. Wir suchen ein schnelles, kurzes Glücksgefühl.

Machen wir’s den Störchen nach!

Doch dieser Trick funktioniert nicht mehr, wenn die Welt ringsherum ins Wanken gerät. Der Instinkt der Störche steckt auch in uns. Wenn das Gehalt wegen der explodierenden Kosten kaum noch für ein gutes Essen reicht, vergeht uns die Lust am fröhlichen Leben. Wenn nach Miete, Strom und Heizung nichts mehr übrig bleibt für schöne Kleidung oder ein gemütliches Zuhause, dann kippt die Stimmung komplett.

Dann herrscht bei uns eine graue, triste Novemberstimmung und das mitten im Juli. 

Wir sind am Ende eben genau wie unsere Störche: Wir kaufen erst dann wieder neue Äste für unser Nest und legen neue Eier, wenn der Sturm vorbei ist. Dann klappern sie mit ihren Schnäbeln, damit das ganze Dorf erfährt, dass es ihnen gut geht.