Nach einem halben Jahr muss das Kanzleramt nun endlich zugeben: Es gab entgegen den wiederholten Behauptungen des Berliner Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner keine direkten Gespräche oder Telefonate mit Bundeskanzler Friedrich Merz am 3. Januar 2026. Wegner hatte öffentlich erklärt, er habe an diesem Tag ab 8:08 Uhr mit dem Kanzleramt, dem Bundesinnenminister und anderen Stellen telefoniert – inklusive persönlicher Kontakte zu Merz. Das Kanzleramt korrigiert nun: „Der Bundeskanzler war in die Kommunikation zwar eingebunden, jedoch hat kein unmittelbares Gespräch oder Telefonat stattgefunden.“ Frühere Angaben beruhten auf einem „Missverständnis in der Kommunikation“. Auslöser war ein linksextremistischer Brandanschlag der “Vulkan-Gruppe“ auf eine Kabelbrücke, der den längsten Stromausfall der Berliner Nachkriegsgeschichte verursachte. Rund 100.000 Menschen im Südwesten der Stadt waren tagelang ohne Strom, Heizung und oft ohne Mobilfunk – mitten im Winter.
Wegner spielte an jenem Tag erstmal Tennis und tauchte ab. Sein Totalversagen im Krisenmanagement verschwieg oder beschönigte er zunächst. Seine Angaben zu den Telefonaten hielten einer genaueren Prüfung nicht stand: Das erste dienstliche Gespräch führte er erst um 12:45 Uhr mit seiner eigenen Wirtschaftssenatorin. Vorher nur Textnachrichten. Trotzdem behauptete er wochenlang das Gegenteil – und nannte dabei explizit Gespräche mit Merz. Merz deckte diese offensichtliche Lügenerzählung: Am 8. Januar 2026 hielt der Kanzler eine Pressekonferenz ab und lobte das Krisenmanagement in höchsten Tönen: „Ich würde mal sagen, in den Abläufen ist nichts zu kritisieren. Wir hätten das wahrscheinlich nicht viel besser machen können, als es so gemacht wurde.“ Er ließ die direkte Frage nach Wegners Verhalten offen und widersprach dessen falschen Angaben zu den angeblichen persönlichen Gesprächen mit ihm nicht.
Wer täuscht und trickst hier alles?
Jetzt, nach monatelanger Vertuschung oder zumindest Nicht-Korrektur, kommt die Wahrheit ans Licht – ausgerechnet nach einem Eilantrag des Tagesspiegel beim Verwaltungsgericht, der das Kanzleramt zur Herausgabe der Informationen zwang. Wegner hatte den nächsten Enthüllungen zuvorkommen wollen und trat am 10. Juli als CDU-Spitzenkandidat für die Berliner Abgeordnetenhauswahl zurück. Er räumte „kommunikative Fehler“ ein und sagte, die Debatte überlagere alles andere. Entweder log hier also Kai Wegner – oder das Kanzleramt deckte monatelang falsche Angaben. Oder beide logen. Brisant dabei: Lügt die Pressestelle des Kanzleramts auf Anweisung von oben, oder passt sie sich der Unaufrichtigkeit des Chefs allmählich von selbst an? Oder arbeiten dort nur Dilettanten, die monatelang nicht in der Lage waren, eine simple Tatsache richtigzustellen? Die Bürger haben ein Recht auf volle Aufklärung – nicht auf halbherzige „Missverständnis“-Formulierungen, die schon bei früheren Skandalen als Ausrede dienten.
Dass das Kanzleramt eine offenkundige Falschinformation monatelang stehen lässt und dann als harmloses Kommunikationsproblem verkauft, ist kein Einzelfall. Es erinnert an andere peinliche Erklärungen, bei denen plötzlich ein „junger Mitarbeiter“ die Verantwortung trug – etwa bei hochnotpeinlichen Tweet nach dem Ausscheiden Deutschlands bei der WM. Hier geht es aber um mehr – nicht zuletzt um die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung im Umgang mit einer Krisensituation mit terroristischem Hintergrund. Spätestens jetzt müsste Friedrich Merz die Konsequenzen ziehen und es Wegner gleichtun – und seinen Rückzug ankündigen. Er hat Wegners Lügen auf offener Bühne nicht widersprochen, das Krisenmanagement pauschal verteidigt und damit die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung beschädigt. Ein Kanzler, der Lügen eines Parteifreundes toleriert oder deckt, hat das Vertrauen der Bürger verspielt. (TPL)























