In einem weiteren Versuch, mit medienwirksamen Aktionen von wesentlich tieferliegenden Problemen abzulenken, denen man nicht Herr wird, hat die Kölner Polizei am vergangenen Donnerstag eine Razzia bei der “TikTok-Predigerin“ Hanna Hansen durchgeführt, der wohl einflussreichsten Influencerin der Salafistenszene. Grund dafür war die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, wie der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul dem Landtag mitteilte. Konkret ging es um das sogenannte „Hamas-Dreieck“, das in Propagandavideos der Kassam-Brigaden, des militärischen Arms der Terrororganisation Hamas verwendet wird, um israelische Ziele unmittelbar vor einem Angriff zu markieren. Bei der Durchsuchung wurden Datenträger sichergestellt, die nun ausgewertet werden.
Die 42-jährige Hansen belegte bei der Wahl zur Miss Germany 2004 den zweiten Platz, war ein international gefragtes Model, DJane, fünfmalige deutsche Kickbox-Meisterin und einmal sogar Weltmeisterin. Dann vollzog sie jedoch die Hinwendung zum radikalen Islam. Laut „Bild“ ist sie mit dem islamistischen Hassprediger Sven Lau verheiratet, was sie jedoch bestreitet. Mittlerweile bringt sie es sogar auf ein eigenes Kapitel im aktuellen Jahresbericht des Verfassungsschutzes. Auf TikTok und Instagram hat Hansen, die sich dort nur mit Kopftuch zeigt, fast eine halbe Million Follower. Ihre Reichweite nutzt sie, um junge Mädchen in die Salafistenszene zu locken.
Spektakulär wirkende Einzelmaßnahmen
Sie preist das islamische Steinzeitrecht Scharia an und wütet gegen die Demokratie, Homosexualität und die westliche Lebensweise. Auch nach der Razzia werde sich an ihren Überzeugungen und ihrer Tätigkeit nichts ändern, stellte sie klar. Wenn es auch überfällig ist, dass die Behörden endlich gegen diese gefährliche Figur vorgehen, wird sie wegen der Verwendung des Hamas-Dreiecks erstens keine nennenswerte Strafe erwarten und zweitens gäbe es in Nordrhein-Westfalen -und in ganz Deutschland- mehr als genug Hamas-Sympathisanten, die sich noch wesentlich drastischer äußern.
Gerade Reul, der jedes Jahr neue Rekorde bei der Clankriminalität in seinem Bundesland vermelden muss, greift immer wieder auf solche Inszenierungen zurück, um sein vermeintlich entschlossenes Vorgehen gegen Islamismus zu demonstrieren. In Wahrheit handelt es sich um spektakulär wirkende Einzelmaßnahmen, die am grundsätzlichen Problem, das stetig anwächst, nicht das Geringste ändern. Hansen dürfte der Polizeieinsatz sogar noch einen Popularitätsschub in ihrer Szene verschafft haben. (TPL)























