Volkswagen steckt in der größten Krise seiner Geschichte. Um den Konzern (vielleicht) noch retten zu können, sollen ca. 100.000 Arbeitsplätze gestrichen, die Investitionen um 45 Milliarden Euro gesenkt, die Modellpalette schrittweise halbiert und möglicherweise auch Werke geschlossen werden. Es ist eine einzige Katastrophe und der bisher drastischste Ausdruck der schlimmsten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit, in die Deutschland durch die eigenen Politiker gestürzt wurde. Der monströse Kahlschlag bei VW hat zudem Folgen, die weit über den Konzern hinausreichen, da auch eine lange Kette von Zulieferbetrieben und weiteren Firmen betroffen ist. Laut dem Ökonom Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hängen an einem Job bei einem großen Autobauer durchschnittlich 2,5 bis 3 weitere Arbeitsplätze bei Zulieferern und Dienstleistern. Frank Schwope von der Fachhochschule des Mittelstands Hannover rechnet daher mit weit über 100.000, vielleicht sogar über 200.000 weiteren Arbeitsplätzen, die von der VW-Krise betroffen sind – vor allem Zulieferer, „die stark am Verbrenner hängen – etwa Hersteller von Auspuffanlagen, Katalysatoren oder Motorenteilen“. Aber auch Speditionen, Handwerksbetriebe, Hotels, Restaurants, Bäckereien und Einzelhändler werden mit in den Sog gezogen. Den ohnehin völlig klammen Kommunen brechen zudem die Gewerbesteuereinnahmen weg.
Wenn Politiker auch die Hauptschuld tragen, wäre dieses Desaster nicht möglich gewesen, wenn die Autobosse nicht jahrelang in den Chor des Klimawahns eingestimmt und damit den Untergang ihrer eigenen Industrie eingeleitet hätten. Gerade VW wollte unbedingt an der Spitze der Transformation in die vermeintlich klimafreundliche Elektro-Zukunft stehen. „Wir haben verstanden und wir werden liefern. Das ist keine unverbindliche Absichtserklärung, sondern eine Selbstverpflichtung, an der wir uns ab heute messen lassen. Die Transformation in unserer Industrie ist durch nichts aufzuhalten. Wir werden diese Transformation anführen“, verkündete der damalige Vorstandsvorsitzende Matthias Müller 2017 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt.
Was von der großen Elektro-Euphorie übrigblieb…
Zwei Jahre später tönte sein Nachfolger Herbert Diess: „Volkswagen wird sich radikal verändern. Wir übernehmen bei den großen Zukunftsthemen Verantwortung – gerade auch beim Klimaschutz“. Als der vollelektrischen ID.3 im eigens dafür umgerüsteten Werk Zwickau in Serie ging, prophezeite Diess: „Der ID.3 wird einen wichtigen Beitrag zum Durchbruch der E-Mobilität leisten. Er macht saubere individuelle Mobilität für Millionen Menschen zugänglich und ist ein Meilenstein für unser Unternehmen auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2050“. Der Fortbestand des Zwickauer Werks steht nun auf der Kippe, es ist fraglich, ob es VW im Jahr 2050 noch geben wird.
Aber auch bei der Konkurrenz von BMW und Mercedes wurde euphorisch die strahlende Elektro-Zukunft der gesamten Autobranche verkündet, als deren Wegweiser man in typisch deutschem Größenwahn möglichst auch noch fungieren wollte. Zehn Jahre nach diesen großmäuligen Ankündigungen liegt die Autoindustrie, das Rückgrat der gesamten deutschen Wirtschaft und über Generationen das Aushängeschild Deutschlands in aller Welt, in Trümmern. Die Verantwortlichen haben Millionengehälter kassiert und sind von den Folgen der epochalen Katastrophe, die sie angerichtet haben, ebenso wenig betroffen wie die unfähigen Politiker, als deren Lakaien sie bereitwillig fungierten. Dafür müssen Hunderttausende Familien diesen verbrecherischen Ideologie-Wahnsinn ausbaden und Deutschland hat faktisch aufgehört, als Industriestandort zu existieren. (TPL)























