Es gibt Bilder, die den ungeheuerlichen Zustand dieses zum Schwellenland mit Fahrtrichtung Dritte Welt mutierenden Landes besser auf den Punkt bringen, als es die tiefgründigste Analyse vermag. Dazu gehört nun auch die Aufnahme eines Mitarbeiters der Deutschen Bahn, der am Samstag drei Packungen Klopapier kaufte. Allerdings nicht für private Zwecke, sondern weil sein Arbeitgeber nicht in der Lage war, einen ausreichenden Vorrat im ICE von Westerland nach Berlin sicherzustellen. Deshalb stoppte der Zug außerplanmäßig in Hamburg-Bergedorf. Den überraschten Fahrgästen teilte der Zugführer mit, dass der ICE vor der Abfahrt nicht mit Klopapier beladen worden sei. Deshalb hielt man auf der Strecke und schickte einen Mitarbeiter zum nächsten Supermarkt. Nachdem so für Abhilfe gesorgt worden war, konnte die Fahrt weitergehen.
Einer der Fahrgäste kommentierte auf Instagram: „Man kann darüber schmunzeln. Man kann mit den Augen rollen und sich fragen, wie der Bahn so etwas überhaupt passieren kann. Ich nehme aus dieser Geschichte etwas anderes mit: Organisationen funktionieren nicht allein durch Handbücher und Prozesse. Sie funktionieren, weil Menschen Eigenverantwortung zeigen“. Dafür erhielt er rund 14.000 Likes und begeisterte Nutzerreaktionen. Von „Mega Aktion“ und „Super Leistung“ wurde geschwärmt.
Spott für hochnotpeinlichen Offenbarungseid
Gegenüber „Bild“ bestätigte eine Bahn-Sprecherin den Vorfall. „Nachdem unsere Bordpersonale festgestellt haben, dass nicht ausreichend Toilettenpapier an Bord des Zuges gewesen ist, hat der Zugchef sofort gehandelt“. Üblicherweise werde der Bestand der Verbrauchsmaterialien bei der Bereitstellung des Zuges überprüft. Dazu sei es wegen eines kurzfristigen Personalausfalls jedoch nicht gekommen. „Wir begrüßen die Einsatzbereitschaft unseres Mitarbeiters. Die Kosten für das eingekaufte Toilettenpapier trägt die DB“, hieß es weiter.
An den Spott für diesen neuerlichen hochnotpeinlichen Offenbarungseid der Bahn, die einst als Sinnbild für Pünktlichkeit, Service und Sauberkeit stand, hat man sich längst gewöhnt. Es ist unglaublich, welcher Schlendrian in diesem Augiasstall herrscht. Dass die Gäste einen ungeplanten Halt bejubeln, damit ein Schnellzug auf offener Strecke mit Klopapier ausgerüstet werden kann, spricht ebenfalls Bände. Mit dem Missstand, der sich dadurch ausdrückt, hat man sich längst abgefunden und ist schon euphorisch, wenn irgendwem überhaupt noch etwas einfällt, um ihn wenigstens etwas abzumildern. Diese Farce ist wahrlich ein punktgenaues Abbild der Mentalität, die im ganzen Land vorherrscht. (TPL)























