Die einstige Hagia Sophia in Istanbul, heute die "Große Heilige Moschee“ (Foto:Imago)
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Istanbul: Russisches Paar liest ist in Hagia Sophia Bibel – und landet im Internierungslager

Wer immer noch glaubt, der Islam stünde für Toleranz und Frieden, der bekommt in diesem neusten Fall gleich die nächste Lektion verpasst: Ein russisches Touristenpaar wurde in der Hagia Sophia in Istanbul festgenommen, weil es dort in der Bibel las. Die beiden hatten weder ein Pornoheftchen in der Hand und waren auch in keine politisch fragwürdige Lektüre vertieft, nein, die heilige Schrift einer anderen Weltreligion in den Gemäuern der einstigen Konstantinopler Metropolitankirche des Byzantinischen Reiches war Anlass genug, um die beiden Russen in ein Internierungslager für Migranten zu stecken. Laut dem Artikel 216 des türkischen Strafgesetzbuches ist das Lesen in der Bibel nämlich eine „Anstiftung zum Hass“. Die beiden wurden am Montag von der Polizei aus der Hagia Sophia abgeführt und werden bis zum Abschluss der Verwaltungsverfahrens in Haft bleiben. Diese kann sich je nach bürokratischem Aufwand schon mal bis zum einem Jahr hinauszögern.

Ausschlaggebend für das Vorkommnis war der sechste Jahrestag der Wiedererklärung zur Moschee, die durch den türkischen Staatspräsidenten Erdogan im Juli 2020 erfolgte. Dabei wurde die Hagia Sophia im Jahr 537 als einstmals größte Kirche des Christentums gebaut. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen wurde sie 1453 in eine Moschee umgewandelt. In der türkischen Republik wurde die Hagia Sophia unter Staatsgründer Kemal Atatürk 1935 dann zum Museum gemacht. Der jetzige türkische Kulturminister Mehmet Nuri Ersoy sprach im Rahmen des Jahrestags zur Wiederöffnung der Moschee von einem „Symbol der Eroberung“ in den Social Media-Kanälen und sorgte damit vor allem in der griechisch-orthodoxen Welt für allerhand Empörung.

Als “Provokation“ aufgefasst

Zudem war von einem „historischen Tag“ und einem „langgehegten Wunsch“ die Rede: „In der Hagia Sophia, dem Symbol der Eroberung und dem einzigartigen Erbe von Sultan Mehmed dem Eroberer, führen wir mit größter Sorgfalt die umfangreichsten Restaurierungsarbeiten in der Geschichte der Republik Türkei durch, um dieses heilige Erbe für künftige Generationen in seiner ursprünglichen Form zu bewahren“, schrieb Ersoy.

Das Lesen der Bibel wurde im engstirnigen Islam eindeutig als Provokation aufgefasst. Sogar die Abschiebung droht dem russischen Pärchen nun – bei uns in Deutschland reichen nicht mal mehr die schwersten Vergehen dazu aus, um in den Flieger gesetzt zu werden. Im Gegensatz zu einem Flüchtlingslager ist das Internierungslager ein Ort, an dem sich Migranten und Zugereiste nicht mehr frei bewegen dürfen. Diese Orte dienen oft der Kontrolle, der Identitätsprüfung und der Vorbereitung auf die Abschiebung. Die persönliche Freiheit der Menschen ist dort stark eingeschränkt. Die Lebensbedingungen sind meist sehr schlecht. Die Inhaftierten haben oft keinen Zugang zu einem rechtlichen Beistand.

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