Jetzt kann er endlich wieder bestellen (Foto: IMAGO/GROK/Collage/Satire
[html5_ad]

Wird Jens Spahn jetzt für immer in den „Mutterschaftsurlaub“ geschickt?

Es brodelt mal wieder in der untergehenden CDU. Dieses Mal geht es um ein Baby Während Kanzler Merz seinem geschätzten Kollegen Jens Spahn herzlich zum gekauften Familienzuwachs gratulierte, hat die Thüringer Frauen-Union (eine CDU-Gruppierung) explizit seinen Rücktritt gefordert und kritisiert, dass er gegen deutsches Recht und die Haltung der CDU verstoßen habe.

Boris Cherny sagt uns noch einmal worum es geht:

»Jens Spahn ist Vater geworden – zumindest gesetzlich – mit seinem Ehemann Daniel Funke. Über eine Leihmutter in den USA hat das Ehepaar ein Kind adoptiert – die Praxis ist in Deutschland nämlich streng verboten. Noch dazu hat sich Spahn als Bundesgesundheitsminister stets selbst gegen eine Teil-Legalisierung von Leihmutterschaften eingesetzt – die Christdemokraten setzen sich für diese Position schon immer ein. Doch @jensspahn sind die Parteiwerte im Privatleben offensichtlich völlig egal – da braucht man sich aber auch nicht darüber wundern, wenn die meisten Bürger Politikern nicht vertrauen…..«

Auch auf X toben sich die Leute aus.

Jana Hermann schreibt:

„Leihmutterschaft. Maskenaffäre. Villa. Spendendinner. Jens Spahn spielt im «Team Ich, Ich, Ich»

Jens Spahn hat ein bemerkenswertes Verhältnis zu Regeln: Für die Allgemeinheit können sie kaum streng genug sein. Sobald sie seinen eigenen Interessen im Weg stehen, findet sich jedoch erstaunlich zuverlässig ein Ausweg.

Nun ist Spahn mithilfe einer Leihmutter in den USA Vater geworden. Dem Kind ist selbstverständlich alles Gute zu wünschen. Der politische Vorgang aber verdient keine sentimentale Babyglück-Berichterstattung, sondern eine Debatte über Macht, Geld und Doppelmoral.

Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Ärzte dürfen sie nicht durchführen, Agenturen nicht vermitteln. Spahns CDU will daran ausdrücklich festhalten. Der Grund: Die Partei warnt vor der Kommerzialisierung des weiblichen Körpers und der Ausbeutung von Frauen.

CDU-Spahn umgeht dieses Verbot, indem er genau jene Dienstleistung im Ausland in Anspruch nimmt, die er deutschen Paaren weiterhin verwehren will. Das ist nicht strafbar. Aber es unterläuft den Sinn der deutschen Rechtslage: Wer reich und international vernetzt genug ist, fliegt in die USA. Wer sich das nicht leisten kann, muss sich an das Verbot halten.

Regeln für die anderen. Ausnahmen für Jens Spahn.

Dieses Muster ist nicht neu.

Als Gesundheitsminister ließ Spahn in der Pandemie Masken in einem Umfang beschaffen, dessen finanzielle Folgen den Bund noch Jahre später beschäftigen. Milliarden Masken blieben ungenutzt, milliardenschwere Prozessrisiken entstanden. Eine Sonderermittlerin warf ihm überteuerte Einkäufe, mangelnde Kontrolle und die Bevorzugung eines Unternehmens aus seinem Heimatwahlkreis vor. Ihre vernichtende Zusammenfassung: nicht «Team Staat», sondern «Team Ich».

Strafrechtliche Ermittlungen wurden zwar eingestellt. Politische Verantwortung verschwindet dadurch aber nicht. Wer Milliardenrisiken produziert, kann sich nicht für entlastet erklären, nur weil sich schlechte Amtsführung nicht ohne Weiteres in einen Straftatbestand übersetzen lässt.

Dann war da die Berliner Luxusvilla, deren Kaufpreis Spahn gegenüber der Öffentlichkeit geheim halten wollte. Er ging juristisch gegen Journalisten vor, die zu seiner Finanzierung recherchierten. Ausgerechnet ein Politiker, der über Regeln, Pflichten und Verzicht für Millionen Menschen entschied, beanspruchte beim eigenen Vermögen größtmögliche Diskretion.

Hinzu kamen Spendendinner, bei denen Unternehmer für mehrere Tausend Euro mit Spahn speisen konnten, sowie seine auffällige Nähe zu Wirtschafts- und Gesundheitslobbyisten. Auch hier gilt: Nicht alles, was politisch anrüchig ist, ist automatisch illegal. Doch genau in dieser Grauzone hat Spahn es sich gemütlich gemacht.

Er fordert Härte vom Staat, wenn sie andere trifft. Er predigt Eigenverantwortung, während der Steuerzahler für die Folgen seiner Maskenpolitik einstehen muss. Er verteidigt Verbote, die er selbst mit genügend Geld im Ausland umgehen kann. Und er verlangt Vertrauen, während er Transparenz in eigenen Angelegenheiten als Zumutung behandelt.

Das Problem ist deshalb nicht, dass Jens Spahn Vater geworden ist. Das Problem ist ein Spitzenpolitiker, der Gesetze als moralische Leitplanken verkauft, solange er selbst bequem daran vorbeikommt.

Bei Spahn lautet die eigentliche Regel offenbar: Verboten ist, was sich die anderen nicht leisten können.“

3b51152d37ea4324b49855c19844b629
Der SPIEGEL in Sachen Leihmutterschaft und Jens Spahn: „Gegen die kommerzielle Leihmutterschaft gibt es gute Gründe. Die Geschäftsmodelle sind teils hochgradig unmoralisch. Babys werden mit Rabattcodes angeboten. Manche Frauen werden vertraglich zu einer Abtreibung verpflichtet, wenn bei der Untersuchung des Fötus eine Behinderung erwartet wird oder das Ungeborene das »falsche« Geschlecht hat. In vielen Fällen gibt es wegen des steilen Gefälles zwischen Arm und Reich ein hohes Risiko, dass die Leihmütter ausgebeutet werde. Der Körper der Frau wird zum Objekt, das Kind zur Ware. (…) Die Art, wie Jens Spahn Vater wurde, ist verwerflich.“
Ulrich Vosgerau schreibt:
Es ist ja nicht so, daß Jens Spahn „Wein trinkt und Wasser predigt“, wie jetzt gesagt wird. Sondern er trinkt den Wein, den er seinen Landsleuten gesetzlich verboten hat…
Waldemar Hartmann schreibt:
Was geht in Jens Spahn vor? Er muss doch wissen, dass er mit der Veröffentlichung der Vaterschaft durch eine in Deutschland verbotene Leihmutterschaft eine öffentliche Debatte auslöst, die mit Sicherheit nicht mehrheitlich bei der CDU positiv einzahlt. Spahn ist Fraktionsführer von CDU und CSU. Ich weiß, dass eine erhebliche Anzahl von Abgeordneten sehr,sehr unglücklich mit dem Zeitpunkt der Veröffentlichung ist. Bin gespannt, wann sich die ersten Stimmen aus dem Süden aus der Deckung wagen.
Volker Böhme-Neßler schreibt:
Doppelte Standards im Recht und Sonderrechte verletzen das Gerechtigkeitsempfinden der allermeisten Menschen sehr. Was Spahn hier macht, ist fatal für das ohnehin sehr beschädigte Vertrauen der Bürger in die Politik und den Rechtsstaat.
Mittlerweile gibt es ja die böse Verschwörungstheorie, dass dieser Skandal dafür sorgen soll, dass die CDU sich endlich spaltet und die AfD das Ruder in die Hand nehmen kann, während die ehemalige Volkspartei jenseits der Brandmauer politisch verrottet.
Ist wirklich alles nur noch Baby, Baby, Ballaballa? Vielleicht sollte man Spahn vorsichtshalber erst einmal in einen verlängerten Mutterschaftsurlaub schicken.
Und diese Frage muss uns auch mal jemand beantworten:
Bildschirmfoto 2026 07 17 um 05.24.09
image_printGerne ausdrucken

Themen