Wer früher ins Bergwerk frisch geduscht einfuhr, kam abends kohlrabenschwarz wieder ans Tageslicht. Ganz ähnlich wird diese Tradition nun offenbar auf die Niederungen der Parteitage übertragen. Zumindest sind diese nicht bunt, es sei denn ein blaues Auge zählte dazu.
Gerade in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, hatte es die AfD gegen den Traditionsverein SPD besonders schwer. Doch mittlerweile schreiten die Genossen nicht mehr Seit’ an Seit’.
Von der roten hin zur blauen Fahne
Die Arbeiter wechseln von der roten zur blauen Fahne. Im aktuellen NRW-Trend erreichen AfD und SPD jeweils 17 Prozent. Für die AfD ist das ein Rekordwert. Aus dem schwierigen Gelände wird ein gutes AfD-Pflaster. Rund 30 Sitze im nächsten Landtag erscheinen möglich.
Die CDU, lange Jahre bei 40 %, fiel Richtung 30 %, wenn man den Umfragen glauben schenken darf. Und die Gründe sind allesamt hausgemacht. Denn es gäbe genug zu tun in NRW. 70 Prozent der Schulleiter erklären, ihre Gebäude müssten dringend saniert werden.
Regenbogenfahnen stopfen keine Löcher im Dach
Die CDU könnte schwule Klempner, queere Maurer, lesbische Malerinnen, transsexuelle Elektrikerinnen und aromantische Trockenbauer in die Schulen schicken. Dann wären Vielfalt und Wasserrohrbruch mit demselben Förderantrag erledigt.
Schulen werden vom Land NRW ausdrücklich zu einer von „Vielfalt“ geprägten Schulkultur ermuntert. Das Schulministerium verbreitet dazu Broschüren, Beratungsangebote und Fortbildungen über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. Kein Wunder also, wenn die Wähler eine neue Partei auch als politische Vielfalt begreifen.
Zwei Könige im Wanderverein
Der NRW-Vorsitzende Martin Vincentz und der Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich können sich nicht ausstehen. Um beide haben sich zwei Lager gebildet. Das unterscheidet eine Partei kaum von einem Wanderverein. Die einen wollen nach Lourdes, die anderen zum Kloster Andechs in Bayern. Beide halten ihren Weg für den einzig richtigen.
Bei der Aufstellungsversammlung verfügte das Vincentz-Lager über die Mehrheit. Sie reichte aus, um den eigenen Leuten gute Plätze auf der Landesliste zu sichern. Das Helferich-Lager musste zusehen, wie ein aussichtsreicher Platz nach dem anderen an die Gegenseite ging. Was als Streit um die politische Richtung begann, wurde zum Kampf zweier Könige um das nächste Hermannsdenkmal. Jeder möchte auf den Sockel. Der andere soll höchstens noch den Mörtel anrühren.
Die Fleischtöpfe des Landtags
Wie bei allen Parteien ist die Aufstellungsversammlung der Schlüssel zum Einzug ins Parlament. Eine gute Platzierung auf der Landesliste kann den Weg in den Landtag sichern. Dort sind die Fleischtöpfe üppiger gefüllt als im Gemeinderat von Kleinbergkirchen. Wer aber in seinem Wahlkreis bekannt genug ist und die meisten Erststimmen erhält, kann auch als Direktkandidat einziehen. Doch für die meisten Bewerber bleibt die Landesliste der sicherere Weg.
Noch bevor die Delegierten ihre Stimmkarten heben, werden, wue bei allen Parteien, Bündnisse geschlossen, Mehrheiten organisiert oder Kandidaten zum Verzicht bewegt. Wer wen unterstützt und welchem Lager er zugerechnet wird, kann über berufliche und politische Schicksale entscheiden. Für die Delegierten steht ein Name zur Wahl. Für den Kandidaten geht es um Listenplatz 15 oder 35, um Einzug oder Abschied und womöglich um die nächsten fünf Jahre seines Lebens.
Warnschuss aus Berlin
Inzwischen verlangten Alice Weidel und Tino Chrupalla den Abbruch und eine neue Aufstellung der Landesliste. Vincentz widersetzte sich. Aus dem Streit zweier NRW-Lager wurde damit eine Kraftprobe mit der Bundesspitze.
Nach 13 Jahren Kampf steht die AfD in Nordrhein-Westfalen vor ihrer größten Chance. Die SPD verliert ihre Arbeiter, die CDU verliert Vertrauen und das Land sucht nach einer Alternative. Umso betrüblicher wäre es, wenn das gute AfD-Pflaster nicht am politischen Gegner, sondern unter den eigenen Grabenkämpfen aufbricht.























