von Bernd Volkmer
Ich stehe hier im Wahlkampfbüro in Magdeburg, es riecht nach kaltem Kaffee und Verzweiflung, und ich klebe zum gefühlt hundertsten Mal Plakate mit „Wendezeit jetzt!“ auf.
Eigentlich sollte ich motiviert sein. Eigentlich. Stattdessen schaue ich auf mein Handy und lese die neuesten „Erfolgsmeldungen“ aus der Partei.
Uwe Steimle – Stauffenberg und der Nagel
In Dessau war Uwe Steimle zu einer Wahlkampfveranstaltung eingeladen und hat vor unseren eigenen Leuten nach Stauffenberg für Merz gerufen. Ja, genau der Stauffenberg. Ich hab’s auf Video gesehen.
Die Leute haben gegrölt, ein paar haben geklatscht, und ich saß da mit meinem Stapel Flyer und dachte: „Super, Jungs. Genau das brauchen wir kurz vor der Wahl – Attentatsfantasien als Pointe.“
Danach kam noch der Hammer mit Merkel: „An die Wand stellen, wenn der Nagel bricht.“ Ich hab mir fast den Kaffee über die Tastatur gekotzt. Das Absingen der DDR Nationalhymne war dann nur folgerichtig.
Während ich versuche, Rentnern zu erklären, warum wir die einzige echte Alternative sind, liefern uns unsere prominenten „Freunde“ das perfekte Material für die gegnerischen Wahlwerbespots.
Die CDU muss gar nichts machen. Die sitzen wahrscheinlich gerade in klimatisierten Büros, schauen sich die Clips an und lachen sich schlapp. Danke, Uwe. Wirklich. Sehr hilfreich.
Helferich – „das freundliche Gesicht des NS“
Und als wäre Sachsen-Anhalt nicht genug, kommt aus NRW die nächste Lieferung interner Liebe: Helferich gegen Vincentz. Ja, der Helferich, der von sich selbst sagt „das freundliche Gesicht des NS“ zu sein.
Grabenkämpfe um die Landesliste, Bedrohungen im eigenen Lager, Druck von Chrupalla und Weidel von oben. Unsere Vorsitzenden spielen Schiedsrichter in einem Boxkampf, bei dem beide Seiten aus der eigenen Mannschaft kommen.
Ich sitze hier und versuche, Bürgern zu erklären, dass bei uns alles mit rechten Dingen zugeht, während in der WhatsApp-Gruppe der Landesverband schon wieder jemand „Verrat“ schreit und ein anderer mit Rücktritt droht.
Wisst ihr, was das Schlimmste ist? Ich glaube immer noch an das, wofür wir eigentlich stehen. Ich hab monatelang Flyer verteilt, Haustürgespräche geführt, mir Beleidigungen abgeholt und trotzdem weitergemacht. Und jetzt das.
Ich mache weiter, weil es sonst keine Alternative gibt
Statt über Energiepreise, Migration und den ganzen Wahnsinn in Berlin zu reden, diskutieren wir, ob man die ehemalige Kanzlerinnen stilvoll an die Wand stellen sollte oder nicht.
Ich klebe weiter Plakate. Lächelnd. Weil ich nicht weiß, was ich sonst machen soll. Manchmal frage ich mich, ob die anderen Parteien uns überhaupt noch bekämpfen müssen. Wir erledigen das gerade ziemlich gründlich selbst.
Und das Schlimmste: Ein Teil von mir versteht sogar, warum manche so wütend sind. Aber der andere Teil will einfach nur diese verdammte Wahl gewinnen, ohne dass wir uns vorher komplett selbst sprengen.
Trotzdem. Morgen geht’s weiter. Tür auf, Lächeln an, „Guten Tag, haben Sie schon von der AfD gehört?“
Und innerlich denke ich: Bitte, liebe Parteifreunde… hört auf, uns die Munition direkt in den eigenen Fuß zu schießen. Nur dieses eine Mal!























