Der eine geht, der andere kommt - alles eine Frage der Perspektive (Foto: IMAGO)
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Wo gemerzt wird, da fällt schon mal ein Spahn

Es ist phänomenal, wie dieser Mann es geschafft hat, sich selbst in so kurzer Zeit zu einem so vollkommenen Symbol der Lüge, der Heuchelei und zum Gespött aller Anständigen zu machen. (Dr. Markus Krall über die Glaubwürdigkeit des Kanzlers)

Endlich handelt der Kanzler mal, endlich zeigt er Entschlossenheit – könnte man denken, wenn man Friedrich Merz so hört: „Die Entscheidung ist richtig und war unvermeidlich. Glaubwürdigkeit ist in der Politik das höchste Gut.“

Das klingt so, als ob Merz seinen Parteikollegen dazu gedrängt hatte, in den verlängerten Mutterschaftsurlaub zu gehen (aus dem er dann irgendwann, gestärkt für neue Aufgaben zurückkehrt.

Es klingt auch wie ein Befreiungsschlag: Endlich hat der Kanzler freie Bahn, um seinen Vernichtungsplan ungestört und ungebremst mit seinen Lieblingskollegen in der SPD fortzusetzen.

Auf X tobt natürlich die Debatte:

Jan A. Karon schreibt:

Der Rücktritt von Jens Spahn als Unionsfraktionschef nach der Geburt seines Kindes durch eine Leihmutter wirft für mich mehr Fragen auf, als er beantwortet. Spahn und sein Mann Daniel Funke kennen sich seit dem Frühjahr 2013. Ein Kinderwunsch entsteht nicht über Nacht. Leihmutterschaft in USA bedeutet einen langwierigen Prozess. Von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Beginn einer Schwangerschaft vergehen in der Regel viele Monate.

Die Leihmutter von Spahns Kind war nach Medienberichten bereits im Februar 2026 etwa vier Monate schwanger. Der Embryotransfer muss daher im Herbst 2025 stattgefunden haben. Die Entscheidung für diesen Weg und der Beginn des gesamten Prozesses lagen folglich deutlich früher. Sie wurde vermutlich im Verlauf des Jahres 2025 oder sogar bereits Ende 2024 getroffen.

Im Sommer 2025 geriet die schwarz-rote Koalition unter Kanzler Merz und Fraktionschef Spahn in eine Krise um die Richterkandidatin Frauke Brosius-Gersdorf. Es kam zu einem Aufstand der Unionsbasis, und es entbrannte eine grundsätzliche Debatte darüber, was zum christlichen Profil der CDU gehört: Lebensschutz, Menschenwürde und die Frage, wo ethische rote Linien bei Schwangerschaftsabbrüchen verlaufen. Spahn schrieb Briefe an die Fraktion, räumte ein, die Dimension der inhaltlichen Bedenken in der eigenen Fraktion unterschätzt zu haben. Zu dem Zeitpunkt muss der Embryotransfer schon festgestanden haben und Spahn im Wissen agiert haben, dass er Vater werden dürfte. Zu dem Zeitpunkt muss sich das Paar Funke/Spahn auch schon Gedanken gemacht haben, wie man die Entscheidung nach innen und außen kommunizieren wird müssen.

Im Februar 2026 bekräftigte der CDU-Bundesparteitag in Stuttgart: Leihmutterschaft, auch die sogenanten altruistischen Formen, sollen in Deutschland verboten bleiben. Spahn war beim Parteitag. Während all dieser Debatten schwieg er zum Thema, wohl auch gegenüber der CDU-Führungsriege.

Nur wenig später, im April 2026, sorgte Spahns CDU-Parteikollege Hendrik Streeck für Aufsehen, weil mit seinem Mann über eine Leihmutter in den USA Vater geworden war. Die Berichterstattung in »Bild« und »Bunte« sorgte für heftige Kritik an Streeck, vor allem aus konservativen und kirchennahen Kreisen. Spahn schwieg, weihte weiterhin die Führungsriege nicht ein, aber muss das alles mitbekommen haben – wenige Monate, bevor sein Kind zur Welt kam, nachdem er (oder sein Partner) für ein 20-Wochen-Ultraschall in den USA gewesen sein müssen und zu einem Zeitpunkt, an dem eine Fehlgeburt sehr unwahrscheinlich wird (in den ersten 2.5 Monaten ist sie sehr hoch).

Mitte Juli 2026, kurz vor Beginn der parlamentarischen Sommerpause, wird die Geburt des gemeinsamen Sohnes dann über eine Homestory von Tanja May in der »Bild«-Zeitung publik gemacht: mit Fotos und dem bekannten sentimentalen Duktus. Spahn und Funke (der übrigens Kommunikationsexperte ist) mussten sich zu diesem Zeitpunkt, nach dem Streeck-Fall und dem klaren Parteitagsbeschluss, der politischen Brisanz ihres Schrittes bewusst gewesen sein. Und entscheiden sich, aus den USA, für eine Veröffentlichung, die rückblickend fast schon wie »ragebait« wirkt – und breite Kritik auf sich zieht, die von rechtskonservativen über radikalfeministische, katholische Akteure und die Unionsbasis bis zu linken Stimmen reicht.

Ich verstehe schlichtweg nicht, was sich Spahn angesichts solcher einer Kommunikation erwartet haben soll. Ein Politiker seiner Gewichtsklasse, der sich trotz zahlreicher Skandale an der Macht halten konnte, weiß doch, welche Debatte er auslöst, wenn er als Fraktionschef der CDU wenige Monate nach dem eigenen Parteitagsbeschluss gegen Leihmutterschaft mit einer solchen Geschichte in dieser Form an die Öffentlichkeit geht. Dabei handelt es sich auch nicht um einen Politikanfänger, sondern um jemanden, der sehr kalkulierend ist. Mir kann doch niemand erzählen, dass jemand wie er mit seiner Vorgeschichte, »die Lage falsch einschätzt« oder »von den Reaktionen überrollt« wird. Vielmehr beschleicht einen das Gefühl, dass an dieser Timeline doch deutlich wird, dass der Rückzug ab einem gewissen Zeitpunkt zumindest teilkalkuliert gewesen sein muss, hingenommen wurde oder es andere Beweggründe gab, diesen Schritt so nicht-zu-kommunizieren. Das ist reine Spekulation meinerseits und nicht gesourct, aber umso länger ich über die Zeit Spahns als Fraktionschef, seine politische Karriere und das Handling dieser Leihmutterschaftsnummer nachdenke, desto mehr erscheint mir alles sehr, sehr schräg.

sparbuchfeinde schreibt:

Spahn ist einer der cleversten Berufspolitiker, die es in Deutschland gibt.

Geisteskrankes Netzwerk, jeden Skandal politisch irgendwie überlebt.

Jetzt nutzt er die günstige Gelegenheit um sich aus der Verantwortung für die unbeliebteste Unionsregierung aller Zeiten zu verabschieden.

Kurz bevor die Union wichtige Landtagswahlen verlieren wird. Und Leute mit dem Finger nach Berlin zeigen werden.

Sein Bundestagsmandat gibt er natürlich nicht auf.

Smart.

Marie schreibt:

Jens Spahn ist nach dem Leihmutter-Skandal zurückgetreten und (fast) alle freuen sich, sprechen von Gerechtigkeit und „endlich ist er weg“.

Pustekuchen!

Dieser Rücktritt ist Opium fürs Volk und soll nur den Pöbel besänftigen. Aber zum Glück gibt es ja Social Media.

Manaf Hassan schreibt:

Ich spüre eine ganz kleine Genugtuung.

Für alles, was dieser Mann uns angetan hat.

Als Gesundheitsminister hat Jens Spahn in der Maskenaffäre Milliarden Masken (rund 5,8 Milliarden Stück für etwa 6 Milliarden Euro) ohne Ausschreibung und oft zu stark überhöhten Preisen (bis zu 7 Euro pro Stück) gekauft. Viele davon waren fehlerhaft, wurden nie genutzt oder mussten vernichtet werden. Er hat uns damit übrigens auch die Maskenpflicht beschert. Zudem hat er Parteifreunde und Bekannte bevorzugt – etwa Emix-Trading, das über Andrea Tandler Millionen-Provisionen erhielt. Den Milliardenschaden trugen am Ende die Steuerzahler, die hart arbeitenden Bürger.

Im Berliner Villa-Skandal kaufte er eine Villa in Berlin-Dahlem für 4,125 Millionen Euro mit einem Kredit, der größtenteils von der Sparkasse Westmünsterland stammte – bei der er früher im Verwaltungsrat saß. Öffentlich sprach er zunächst von einem angeblichen Erbe seines Partners, später verkaufte er die Immobilie mit Verlust. Es gab Vorwürfe von Interessenkonflikten und mangelnder Transparenz.

Er veranstaltete zudem Spenden-Dinner mit CDU-Spendern, obwohl er selbst positiv auf Corona getestet war – während normale Bürger mit positivem Test eingesperrt wurden.

Zur Leihmutterschaft hat er sich in Deutschland heuchlerisch und doppelmoralisch dagegen ausgesprochen. Privat aber hat er im Ausland von der Kommerzialisierung des menschlichen Lebens, der Ausbeutung von Frauen sowie dem Handel mit Kindern Gebrauch gemacht.

Dieser Mann ist wirklich alles, nur kein Volksvertreter. Ein Rücktritt ist das Mindeste – und eigentlich viel zu wenig. Er hätte rausgeworfen und hart bestraft werden müssen. Aber in der Bananenrepublik Deutschland ist das leider nicht mehr möglich.

Nach all den Skandalen von Jens Spahn wird er unterm Strich einfach in Elternzeit geschickt. Er tritt als Fraktionsvorsitzender selbst zurück, um sein Gesicht zu wahren, und verdient als Bundestagsabgeordneter weiterhin 11.833,47 € monatlich. So sieht Bestrafung in der Bananenrepublik Deutschland aus. Jens Spahn ist nur ein Spiegelbild seiner Partei. CDU/CSU ist voller Politiker wie Spahn.

Mathias Priebe schreibt:

Kanzlerdarsteller Merz ist von diesem skrupellosen Verbrecher Jens Spahn ordentlich gefickt worden. Mitwisser, Gutheißer, Gratulant und jetzt in die Röhre guckender, gelackmeierter Vollpfosten.

Der eine genießt sein zusammengeraubtes privates „Glück“. Der andere steht mal wieder als Depp der Nation da.

Merz ist so durch.

Milena Preradovic schreibt:

Rücktrtt Spahn: Als ich Spahn bei Ronzheimer hörte, war mir klar: er will gar nicht mehr. Er war nicht kämpferisch, er hatte abgeschlossen. Politisch: er weiß, daß er in dieser Koalition keine Meriten einheimst. Die ist tot. Privat: Familie ist jetzt wichtiger, wie er sagte….Spahn will sich entweder um sein Kind kümmern oder hat einen Job in der HInterhand. Oder aber er lässt sich Zeit, weil eh keine Geldprobleme … Aber ganz klar: er wollte raus aus dieser Unterganges-Regierung. Vielleicht auch raus aus dem Land, um seiner Verantwortung im Falle eines AfD-Erfolgs zu entfliehen…Wir werden sehen, welches „oder“ stimmt…

Morten Freidel schreibt:

Der Rücktritt hat, so sehr man ihn begrüssen muss, eine tragische Note. Die Union verliert mit @jensspahn ein politisches Ausnahmetalent mit bürgerlichem Kompass, das vom Fraktionsvorsitz aus nach Höherem hätte streben können. So viele gibt es davon in der CDU gar nicht mehr.

Birgit Kelle schreibt:

Mein Problem mit Jens Spahn ist nicht der Fraktionsvorsitz, sondern sein Mandat. Ein Gesetzgeber sollte selbst nicht Gesetze umgehen.

Ratko R. schreibt:

Fallt doch bitte nicht alle auf dieses Theaterspiel rein!
Mensch, Mensch, Mensch!

Der Menschenhändler Jens Spahn gibt nur den Fraktionsvorsitz ab, nicht mehr!
Der hockt weiter im Bundestag, wo er seit seinem 22 Lebensjahr sitzt und diverse krimminelle Machenschaften abgezogen hat.

Hier handelt es sich nur um ein Theaterspiel um die Massen zu beruhigen.

Der Menschenhändler hat fast keine finanziellen Nachteile.

Auch wird er den gekauften Menschen nicht zurückgeben, noch da hinziehen wo soetwas erlaubt ist.

Dieser Menschenhändler schuldet euch 4 Milliarden Euro❗️

Sein spanischer Kollege hat für eine kleinere Summe 26 (?) Jahre Haft erhalten.

Der muss hinter Gitter und der Merz muss weg!

Ulrich Vosgerau schreibt:

…Der jetzige Ausgang ist für Jens Spahn eine Katastrophe; hatte er doch offenbar vorgehabt, den Bundeskanzler ruhig vor sich herzutreiben und auf kleiner Flamme weichzukochen, bis der sich irgendwann aufgrund seiner impulsiv-unüberlegten Art selber aus dem Spiel nimmt, und dann eben selbst Bundeskanzler zu werden.

Die viel interessantere Frage ist doch: warum haben weder Merz noch Spahn im Entferntesten vorhergesehen, was da dann kam? Jedenfalls letzterer gilt ja vielfach als politischer Voll-Profi. (Der Bundeskanzler, wie immer machtpolitisch ein tumber Melchior, hatte Spahn ja noch brav gratuliert!).

Man hat es leicht vorhersehen können und hätte es vorhersehen müssen. Denn – darauf habe ich ja schon öfters hingewiesen – es geht hier nicht um die Frage, ob Leihmutterschaft gut oder schlecht ist. Ginge es im Kern um diese Frage, hätte sich Spahn wohl in der Tat darauf verlassen können, daß das Fernsehpublikum die zahlreichen hierdurch aufgeworfenen ethischen und juristischen Probleme weder versteht, noch sich überhaupt für sie interessiert, weswegen das Interesse bald erlöschen würde. Aber darum ging es nicht, sondern um das – die gesamte Öffentlichkeit elektrisierende – Thema: die Politiker sind nicht nur irgendwie privilegiert, sie privilegieren sich selber, indem sie die Gesetze machen! Die dann für sie selbst nicht gelten sollen! Und hier kam noch dazu: Nicht-Anwendung der deutschen Rechtslage kann sich nur erkaufen, wer eben sehr viel Geld hat! Und Spahn hat offenbar sehr viel Geld, und zwar auf unsere Kosten! Es überlagern sich hier gleich mehrere Privilegierungs-Problematiken. Das konnte nicht gutgehen!

Der Grund dafür, warum weder Merz noch Spahn den Sprengstoff wahrgenommen haben, berührt das Thema, das ich ja hier schon länger verwalte, den Übergang zur Postdemokratie, in der der Elitenkonsens als legitimitätsstiftend gilt. Konkrete Folge hier: „professionelle“ Politiker wie Merz und Spahn können gar nicht mehr realitätsorientiert über die Frage nachdenken: „Was werden die Leute dazu sagen?“. Wenn sie auch nur versuchen, über diese Frage nachzudenken, gelingt es ihnen nicht. Stattdessen denken sie (weitgehend unbewußt!) über die Frage nach: „Wie werden Journalisten von ARD+ZDF, taz und Spiegel das am Ende finden?“. Wenn die es „am Ende OK“ finden würden, dann, denken die Politiker, „geht es auch durch“, da die normalen Leute nicht selber entscheiden würden, was die denken, sondern sich an den Medien orientieren, v.a. an ARD+ZDF.

Daher ja auch Merkels zentrale Entscheidung u.a. bei der Grenzöffnung: „Wir machen nur noch, was der ÖRR richtig findet, dann kann uns keiner mehr was!“. Allerdings hat sich wegen des Internets und der sozialen Netzwerke die Gatekeeper- und Steuerungsfunktion von ÖRR und Mainstream-Medien aufgelöst. Die Leute können, z.B. über X, ihre eigenen politischen Diskurse führen, ohne daß Dunja Halali das erstmal „einordnet“. Sie bekommen daher mit und tauschen sich darüber aus, wie selbstgerecht und abgehoben @jensspahn agiert.

Und an diese Lage haben sich die Politiker immer noch nicht gewöhnt. Sie wollen daher (1) die Opposition verbieten und (2) Internet + soziale Netzwerke „regulieren“. Dann, glauben sie, wird alles wieder wie früher und die Leute wählen sie dann auch wieder.

Gerald Grosz schreibt:

Jens Spahn ist zurückgetreten. Bald wird Friedrich Merz folgen müssen. Die angeblichen Konservativen haben sich als das erwiesen, was sie immer waren: Opportunisten mit Prinzipien aus Gummi. Sie haben rechts geworben, links regiert und den Konservatismus in seiner jetzigen Form systematisch zu Grabe getragen. Ein würdiges Ende für jene, die ihre Wähler jahrelang für dumm verkauft haben.
Die Maske ist gefallen.

Dr. David Lütke schreibt:

Wäre Jens Spahn von allen Ämtern zurückgetreten und hätte dann die Leihmutterschaft verkündet, wäre es glaubwürdig gewesen.

Stattdessen wollte er nicht glaubwürdig sondern weiter vollversorgt sein.

Nicht Glaubwürdigkeit somdern Vollversorgung ist in der Politik das höchste Gut.

Fakt ist: Mit oder ohne Jens Spahn, mit Vater oder ohne Mutter: Die CDU wird untergehen. So wie die SPD und irgendwann auch die Grünen – weil ihnen alle das Wasser bis zum Hals steht (was dann woanders, wie zum Beispiel in München, fehlt).

Und wie immer zum Schluss: Der wohl beste Kommentar:

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