"Verfängliche" Daten; Bei Terminen, die die Altparteien festlegen, kein Thema (Symbolbild:KI)
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Ist die Bundespräsidentenwahl jetzt auch voll Nazi?

Katrin Göring-Eckardt, Grüne, gehörte zu denen, die sich im Kontext des vor zwei Wochen über die Bühne gegangenen Erfurter Bundesparteitags der AfD besonders kräftig in die Nesseln gesetzt hat: Mit spitzer Zunge gehörte sie zu denen, die der AfD vorwarfen, den  am 4. und 5. Juli 2026 stattfindenden Parteitag  in Erfurt „gezielt“ auf den Jahrestag des NSDAP-Reichsparteitags vom 3. und 4. Juli 1926 in Weimar gelegt zu haben. Auch etliche Qualitätsmedien und Systemparteivertreter hielten an dieser Unterstellung blind fest.

Dann kam bekanntlich die nüchterne Antwort der Messe Erfurt, eine städtische Gesellschaft, die dummerweise eindeutig klarstellte und das auch noch ausgerechnet gegenüber dem “Investigativteam“ des MDR: Die AfD hatte mehrere Termine angefragt, sämtliche anderen Wochenenden waren monatelang ausgebucht – der 4. und 5. Juli war schlicht der einzige freie Termin. Keine finstere Symbolik, nur der profane Belegungsplan einer Halle.

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und der 30. Januar

Während Frau Göring-Eckardt noch mit großer Geste auf Erfurt deutete, legte Bundestagspräsidentin Julia Klöckner den Termin für die Wahl des nächsten Bundespräsidenten fest: den 30. Januar 2027.

Wie bitte? Genau jener Tag, an dem sich 2027 zum 94. Mal die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler durch Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933 jährt? Ein Skandal! Nazisymbolik! Zumindest nach der eigenen Logik der wahnhaften Nazi-Gespensterjäger sollte man das doch meinen. Oder?


Die feine Doppelmoral der Katrin Göring-Eckardt

Mitnichten. Keine Empörung. Und auch kein Aufschrei von KGE. Kein mahnender Zeigefinger. Es ist schon eine bemerkenswerte Leistung: Die gleiche Politikerin, findet bei einem ungleich belasteteren, schwererwiegenderen Termin nichts Anstößiges – obwohl der 30. Januar als Datum der Machtergreifung und deutscher Schicksalstag allgemein bekannt ist.

Hingegen hatte das “100jährige Parteitagsjubiläum” vom 4./5. Juli nicht einmal Historikern etwas gesagt, bevor es zu Skandalisierungszwecken ausgegraben und von allen Medien aufgebauscht wurde.

Gartenfest zu Hermann Görings Geburtstag

Es scheint daher ratsam, vor dem nächsten Gartenfest, Liederabend, Stadtfest oder Schützenumzug vorsorglich das Bundesarchiv zu konsultieren. Man möchte ja nicht riskieren, dass an ebenjenem Tag zufällig ein Hermann Göring oder Rudolf Heß oder ein anderer Minister Geburtstag hatte. Denn das könnte ja missverstanden werden.

Es ist die gleiche Doppelmoral, die bei der AfD sofort „Nazi-Symbolik“ schreit, während sie bei der eigenen Seite plötzlich nur noch von „Terminzwängen“ spricht und dabei elegant über den 30. Januar 2027 hinweggeht. Gartenfest und deutsche Vergangenheit: Bei manchen gilt das eine eben deutlich mehr als das andere.

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