Ganzkörperscans von heute (hier am Flughafen) sind nichts gegen das, was künftig jedes Mobilgerät vermag (Symbolbild:Imago)
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Nächster Mobilfunkstandard 6G: Totalüberwachung und Durchleuchtung in ungeahntem Ausmaß

Der Weg zum gläsernen, totalüberwachten Bürger ohne jede Privatsphäre nimmt immer schneller und von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt Gestalt an. Der neue Mobilfunkstandard 6G, der etwa ab 2030 zum Standard werden soll, wird dazu führen, dass jedes funkfähige Gerät zu einem Radar wird. Durch die Technologie ISAC (Integrated Sensing and Communication) können Antennen künftig Abstände, Geschwindigkeiten und Bewegungsmuster erfassen. Sogar Atmung und Herzschlag können erkannt werden – und das selbst durch Wände hindurch. Einzelne Personen können am Gang erkannt und Gesten sowie Gesichtsmerkmale abgeleitet werden. ISAC arbeitet ausschließlich über reflektierte Funkwellen. Damit kann jede Person im Strahlungsbereich erfasst werden, auch wenn sie gar kein technisches Gerät bei sich trägt.

Letzten Monat hat die Deutsche Datenschutzkonferenz (DSK) eindringlich vor den Folgen dieser Technologie gewarnt und proaktives Handeln bereits während der Standardisierung von 6G gefordert. Da die damit erhobenen Informationen in den Bereich besonderer Kategorien personenbezogener Daten nach Artikel 9 der Datenschutz-Grundverordnung fallen und die Technik Hindernisse wie Wände durchdringen kann, sieht man sogar die Unverletzlichkeit der Wohnung nach Artikel 13 des Grundgesetzes berührt. DSK-Chef Tobias Keber erklärte: „Wir müssen den Datenschutz bereits in die technischen Standards und gesetzlichen Rahmenbedingungen integrieren, statt ihn als nachträgliches Korrektiv zu begreifen“.

Technik nicht mehr in den Griff zu bekommen

Der jeweilige Anwendungsfall der Technik müsse genau geprüft werden, etwa wenn Sensorik zur Unfallvermeidung im Straßenverkehr oder in der industriellen Automatisierung eingesetzt wird. Man könne die Technologie nicht pauschal verurteilen oder als generell unzulässig einstufen. Es werde Szenarien geben, bei denen ihr Einsatz sinnvoll sei, zum Beispiel beim Flug- und Schiffsverkehr und im Automobilbereich, etwa für automatische Abstandshalter oder Einparkhilfen. Entscheidend bleibe jedoch eine strenge Prüfung des jeweiligen Einzelfalls“, so Keber.

Forscher des Dresdner Barkhausen-Instituts arbeiten derzeit an der Entwicklung eines Schalters, der die Sensorfunktion in Geräten komplett deaktiviert, während die Kommunikation weiterläuft. Eine App soll zudem anzeigen, ob gerade eine Umgebungserfassung stattfindet. Derzeit ist jedoch noch völlig offen, ob es möglich sein wird, diese Technik in den Griff zu bekommen. Im September wird eine Tagung internationaler Fachleute in Dresden zu dem Thema stattfinden. Es droht ein weiterer dystopischer Alptraum, in dem der freie, unverfügbare Menschen endgültig abgeschafft wird. (TPL)

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