Vater Staat und seine Kinder... wenn es nur so harmonisch wäre (Symbolbild:KI)
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Vater Staat und wir da unten

Forsa berichtet aktuell, nur noch 17 Prozent hielten den Staat für kompetent, eine traurige Feststellung die mich bewog dies melancholisch zu betrachten.

Nachdem mein Vater aus Krieg und Gefangenschaft zurückkam, übernahm er den kleinen Hof. Diese Zeit muss ihn geprägt haben, denn er war als Vater streng, jedoch nicht immer gerecht. Vielleicht sehe ich heute auch den „Vater Staat“ mit anderen Augen. Ein Vater darf fordern, ordnen und Grenzen setzen. Doch er muss für die Seinen sorgen, und er darf niemals das Gefühl entstehen lassen, dass es im Vaterhaus ungerecht zugeht. Und viele Vaterhäuser ergeben letztendlich unser Vaterland. Schlimm wird es, wenn erwachsene Kinder ihren Vater meiden, weil sie die als ungerecht empfundene Jugendzeit nicht vergessen können.

Ich habe lange über diesen alten Begriff „Vater Staat“ gebrütet. Er klingt ein wenig nach Pfeife, Ohrensessel und Sonntagsbraten.

Vater Staat steht für eine Macht, die Schutz gibt und Ordnung bieten sollte. Er soll das Tor schließen, wenn von draußen Gefahr droht. Er soll Maß halten, wenn er Geld nimmt. Er soll die Fleißigen achten und die Schwachen schützen. Er darf streng sein, denn ein Vater ohne Ordnung hülfe niemandem. Verliert Vater Staat jedoch die herzliche Verbindung zu seinen Bürgern, würden wir insgesamt zu einer vaterlosen Gesellschaft. Und diese Entwicklung spüren wir, die Vater-Kind-Beziehung ist vielfach bereits zerrüttet. Wie es Millionen vaterlosen Kindern ergeht, das wissen wir alle.

Ein guter Vater?

Genau hier beginnt mein Schmerz. Wir Bürger wollen den guten Vater im Grunde umarmen, wie man es auch im Privaten tut. Wir wollen für ihn sorgen, wenn er alt und gebrechlich wird. Wir wollen ihn warnen, wenn er mit zwei Bier und 82 Jahren noch mit dem Auto fahren will. Man liebt einen Vater nicht deshalb, weil er immer recht hat. Man liebt ihn, wenn er gerecht, gütig und verzeihend bleibt, wenn er Maß hält und wenn er seine Familie nicht im Stich lässt.

Ein guter Vater bestraft kein Kind für den zu Bruch gegangenen Krug, den ein anderes umgeworfen hat. Er verprasst auch kein Haushaltsgeld, wenn fremde Kumpane ihn in die Kneipe verleiten wollen. Er will nicht, dass seine Familie den Gürtel enger schnallen solle. Er handelt auch sofort, wenn zu Hause die Heizung unbezahlbar wird. Er ist doch der große Kümmerer, wenn Brücken und Schulen bröckeln und der Arzt erst in drei Monaten Zeit hätte. Was täten wir lieber, als Vater Staat ständig zu danken, den Millionen Beamten, die ihn repräsentieren? Wir wollen Vater Staat eigentlich feiern, wie einen gütigen Monarchen.

Beim heutigen Vater Staat ermangeln viele Bürger genau dieses Gefühl. Sie arbeiten, zahlen, warten und hoffen. Doch zurückkommen unsichere Renten, ein müdes Gesundheitssystem, ausfallender Unterricht, steigende Energiekosten und eine Politik, die Milliarden bewegt, als seien es Spielchips aus dem Casino. Und unseren Kindern und Enkeln Schuldenberge hinterlässt. Die Verursacher der Fehlentscheidungen leben dann wohl nicht mehr, aber die Bankkredite überleben weiter. Unsere Enkel werden die Zinsen zahlen müssen.

Vater Staat darf stark sein

Er muss sogar stark sein, wenn er Haus und Hof schützen will. Doch Stärke braucht Weisheit. Wenn aber Vater Staat vom Pfad der Tugend abweicht, verliert er sein Ansehen. Wenn er gegen den Mehrheitswillen regiert, wird aus väterlicher Autorität schnell kalte Bevormundung. Wenn er die eigenen Leute nur belehrt, statt ihnen zuzuhören, steht er irgendwann allein in der guten Stube.

Der Handschlag zwischen Vater Staat und seinen Bürgern ist brüchig geworden

Bei der Migration entstand bei vielen Bürgern das Gefühl, Vater Staat habe die eigene Haustür offenstehen lassen. Bei der Energiepolitik fühlten sich Hausbesitzer plötzlich behandelt wie Störfälle im eigenen Heizungskeller. Bei Corona erlebten viele, wie schnell aus Freiheit ein Verbot werden kann. Bei Bahn, Brücken, Schulen und Verwaltung sieht man jeden Tag, wie viel Vater Staat nimmt und wie wenig Verlässlichkeit er dafür liefert. Bei Rente, Steuern und Abgaben fragt sich die arbeitende Mitte immer häufiger, ob Fleiß noch geachtet oder nur noch abgeschöpft wird. Ist der gute Vater überhaupt noch im Dienst?

Auch die Kriegsfrage gehört dazu. Ein guter Vater schützt seine Leute vor Gefahr. Er redet besonnen, wenn es ernst wird. Er wirft das Geld der Familie nicht in fremde Feuer, während zu Hause die Scheune bröckelt und die Alten am Küchentisch mit jedem Cent rechnen müssen. Wenn Vater Staat draußen mit großem Ernst auftritt, während drinnen Schulen, Bahnhöfe, Brücken und Krankenhäuser müde werden, dann fragen sich viele Bürger, ist unser Vater Staat noch für uns unterwegs.

Besonders bitter wird es, wenn Vater Staat die eigenen Leute kaum noch ernst nimmt. Millionen Bürger sehen, dass etwas schief läuft. Und sie werden zu schnell zu Staatsfeinden erklärt. Doch sie sehen es im Portemonnaie, in der Schule, auf dem Amt, im Krankenhaus, auf dem Bahnsteig und in der eigenen Straße. Vater Staat aber hört lieber auf jene, die ihm zuflüstern, alles sei in bester Ordnung. Und übersieht das jämmerliche Stadtbild.

Sie machen aus Misstrauen ein Gewerbe

Manchmal wirkt Vater Staat selbst gefangen. Er sitzt oben in seinem großen Haus. Um ihn herum stehen Berater, Schreiber, Petzer und Silberlinge-Sammler. Sie zeigen auf die eigenen Leute und nennen es Wachsamkeit, und werden vom Staat für diese Hinweise bezahlt. Sie machen aus Misstrauen ein Gewerbe. Vater Staat hört ihnen zu und entfernt sich von jenen, die den Hof jeden Tag am Leben halten.

So verliert unser Vater Staat Würde

Oft wird von Spaltung gesprochen. Dann heißt es, die Gesellschaft zerfalle in links und rechts, in Stadt und Land, in laut und leise. Ich sehe den tieferen Riss woanders. Der Riss verläuft horizontal: Oben sitzt Vater Staat, unten stehen die Bürger wie Bittsteller vor der Tür. Sie arbeiten, zahlen, warten, schlucken und fragen sich, ob der Vater sie überhaupt noch kennt.

Unser Vater Staat muss erhalten bleiben.

Wir wollen ihn auch nicht demütigen. Wir wollen den guten Vater zurück, der das Tor schließt, die Vorräte zählt, die Werkstatt in Ordnung hält, den Kindern die Schule sichert, den Alten einen warmen Platz lässt und die Fleißigen nicht ausnimmt wie Weihnachtsgänse.

Ein Vater darf streng sein, aber er muss gerecht bleiben.

Wenn Vater Staat vom Pfad der Tugend abweicht, muss man ihn warnen. Wenn er gegen den Willen der Familie handelt, muss man ihm widersprechen dürfen. Wenn er mit zwei Bier und 82 Jahren noch fahren will, muss man ihm den Schlüssel nehmen. Das geschieht nicht mit einem Dolch im Gewande, sondern mit blutendem Herzen.

Vielleicht ist jetzt die Zeit dafür.

Wenn Vater Staat unsicher geworden ist, wenn er lieber auf Petzer hört und diese auch noch mit dreißig Silberlingen bezahlt, dann ist es Zeit, im Merzen oder in jedem anderen Monat neue Rösslein einzuspannen.

Dann könnte man ihm wieder die Hand geben.

Dann könnte man vielleicht sogar wieder sagen: Vater Staat, komm an den Tisch. Wir haben vieles zu besprechen. Aber wir wollen, dass dieser Hof bleibt für die nächsten Generationen. Und wir wollen, dass auf diesem Hof wieder gerecht gewirtschaftet wird. Und lass nicht Generationen vaterlos heranwachsen. Diese Saat würde nicht fruchtbringend sein.

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