Nicole Höchst MdB; Bild: Nicole Höchst
Nicole Höchst (MdB) vom AfD-Landesverband Rheinland-Pfalz
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Höchst brisant: Schrott oder Spekulation?

Der große Klima-Hoax “unserer Wissenschaft“, die Potsdamer Klima-Studien und der Preis der Dringlichkeit / von Nicole Höchst

Nicht jede Studie, die in “Nature” oder den “Proceedings of the National Academy of Sciences” (PNAS) erscheint, ist automatisch ein wissenschaftlicher Meilenstein. Manche Arbeiten entfalten vor allem deshalb enorme Wirkung, weil sie spektakuläre Zahlen liefern, die den politischen Zeitgeist bedienen. Genau das zeigt sich an mehreren Veröffentlichungen, die eng mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) verbunden sind. Am eindeutigsten ist der Fall der 2024 in “Nature” veröffentlichten und bereits 2025 wieder zurückgezogenen Arbeit von Kotz, Levermann und Wenz. Die Studie prognostizierte weltweite Einkommensverluste von 19 Prozent bis 2050 – und zwar weitgehend unabhängig davon, wie stark die Emissionen künftig noch sinken. Diese Zahl machte weltweit Schlagzeilen. Sie fand Eingang in die Klimaszenarien des Network for Greening the Financial System (NGFS) und damit in die Risikomodelle von Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden.

Dann folgte der Rückzug. Die Autoren selbst erklärten, die Fehler seien zu gravierend, um sie mit einer einfachen Korrektur beheben zu können. Ein Datenfehler im Zusammenhang mit Usbekistan und methodische Probleme bei der räumlichen Statistik hatten die Ergebnisse erheblich verzerrt. Das NGFS warnte seine Nutzer zwar, nahm die Szenarien jedoch nicht zurück. Hier kann man also ohne Übertreibung von einer Schrottstudie sprechen – jedenfalls in der Form, in der sie veröffentlicht, verbreitet und politisch wirksam wurde. Aufgrund dieser Schrottstudien erfolgten allzu erwartbar weltweit politische Maßnahmen.

Annahmen und Vorurteile

Anders gelagert ist die berühmte “Kipppunkte”-Arbeit von 2008 von Lenton und Kollegen, zu denen auch Hans Joachim Schellnhuber und Stefan Rahmstorf gehörten. Diese Veröffentlichung war kein klassisches Forschungspaper mit neuen empirischen Ergebnissen, sondern ein sogenannter Introductory Article, den neu gewählte Mitglieder der US-amerikanischen National Academy of Sciences einreichen dürfen. Die dort genannten Schwellenwerte für mögliche Kipppunkte stützten sich zu einem erheblichen Teil auf Experteneinschätzungen (eine kritische Beurteilung siehe hier). Die Autoren räumten selbst ein, dass solche Verfahren bestehende Annahmen und Vorurteile verstärken können. Trotzdem entwickelte sich der Beitrag zu einer der meistzitierten Veröffentlichungen der Klimaforschung überhaupt und prägte den öffentlichen Alarmdiskurs über viele Jahre. Spätere Arbeiten derselben Forschergruppe fielen deutlich vorsichtiger aus. Die Veröffentlichung von 2008 zeigt beispielhaft, wie aus wissenschaftlichen Einschätzungen politische Gewissheiten werden können – nicht weil sie bewiesen wären, sondern weil sie im richtigen Moment von den richtigen Personen veröffentlicht wurden. Merken Sie was?

Ähnlich verhält es sich mit dem Planetary-Boundaries-Konzept von Johan Rockström und seinen Mitautoren aus dem Jahr 2009: Auch hier handelt es sich weniger um den Nachweis harter naturwissenschaftlicher Grenzwerte als um ein konzeptionelles Modell. Mehrere der postulierten „planetaren Grenzen“ besitzen bis heute keine eindeutig belegbaren globalen Kipppunkte, sondern beschreiben regionale oder theoretische Zusammenhänge. Das hat seiner politischen Karriere allerdings keinen Abbruch getan. Das Konzept fand Eingang in Strategiepapiere der Europäischen Union und in zahlreiche politische Programme. Aus einem wissenschaftlichen Ordnungsmodell wurde ein politischer Maßstab.

Schädliche politische Weichenstellung

Genau hier liegt das eigentliche Problem. Es geht doch schon lange nicht mehr um einzelne Fehler; Fehler gehören zur Wissenschaft. Entscheidend ist in diesem Tusammenhang doch eher die Kombination aus staatlicher Finanzierung, enormer politischer Aufmerksamkeit und einer Forschungskultur, in der Unsicherheiten allzu oft zugunsten dramatischer Botschaften in den Hintergrund treten. Das PIK wird in erheblichem Umfang aus Bundes- und Landesmitteln finanziert. Gerade deshalb müsst dort eigentlich ein besonders hoher Maßstab an methodischer Sorgfalt gelten. Warum? Ganz einfach: Die Studien dieses Instituts verschwinden nicht in Fachzeitschriften. Sie beeinflussen Gesetze, Klimaziele, Finanzmarktregulierung und milliardenschwere Investitionsentscheidungen. Das eigentliche Dilemma besteht also darin, dass die wissenschaftliche Selbstkorrektur fast immer zu spät kommt.

Bis eine Studie korrigiert oder sogar zurückgezogen wird, haben ihre Aussagen längst Wirkung entfaltet – in den Medien, in politischen Debatten, in Gesetzesbegründungen und in den Risikomodellen von Zentralbanken. Genau das konnte man bei der Kotz-Levermann-Studie beobachten: Die dramatischen Schadensprognosen wurden übernommen und weiterverarbeitet, bevor die gravierenden Fehler überhaupt öffentlich bekannt wurden. Die Warnung des NGFS änderte daran wenig. Die zugrunde liegenden Szenarien blieben bestehen. Die insbesondere für Deutschland schädliche politische Weichenstellung wird beibehalten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Studien mit besonders dramatischen Botschaften

Dasselbe Muster findet sich auch bei älteren Konzepten. Sind Narrative erst einmal in Gesetzen, Förderrichtlinien oder Regulierungsrahmen angekommen, lassen sie sich kaum noch korrigieren. Selbst wenn die wissenschaftliche Grundlage später deutlich vorsichtiger bewertet wird, bleibt die politische Wirkung bestehen. Es geht hier mitnichten darum, die Klimaforschung pauschal infrage zu stellen. Seriöse Wissenschaft lebt von Kritik, Überprüfung und Korrektur. Aber genau deshalb darf auch gefragt werden, weshalb ausgerechnet Studien mit besonders dramatischen Botschaften regelmäßig die größte politische Aufmerksamkeit erhalten, während spätere Korrekturen kaum noch jemanden interessieren. Merken Sie jetzt etwas?

Nicht jede vielzitierte Veröffentlichung ist eine belastbare Grundlage für milliardenschwere politische Entscheidungen. Manche Arbeiten sind methodisch schwach. Andere beruhen auf spekulativen Annahmen. Wieder andere entwickeln ihre größte Wirkung weniger durch ihre wissenschaftliche Qualität als durch ihre politische Verwertbarkeit. Nachtigall, ick hör dir trapsen… nein, Moment: Ich höre sogar ganze Nachtigallengeschwader trapsen! Also, ich weiß ja nicht wie es Ihnen geht… und genau deshalb darf, ja MUSS man fordern: Wenn öffentliche Gelder, Gesetze und tiefgreifende Eingriffe in Wirtschaft und Gesellschaft auf wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt werden, muss diese Unterscheidung konsequent vorgenommen werden.

Verspieltes Vertrauen

In der jüngeren Vergangenheit ist viel Vertrauen in Politik und Wissenschaft verspielt worden. Eben weil Politik mit Steuermitteln Institute fördert, deren Veröffentlichungen häufig die politische Linie der jeweiligen Zeit stützen. Ob dies Zufall oder struktureller Anreiz ist, darüber muss offen und entschieden offensiv diskutiert werden.

Die hier dargestellten Beispiele zeigen jedenfalls, dass einzelne Veröffentlichungen nicht immer geeignet waren, weitreichende Gesetze und milliardenschwere Maßnahmen wissenschaftlich belastbar zu begründen. Alarmistische Veröffentlichungen haben maßgeblich dazu beigetragen, Deutschland abzuwracken. Und die schädlichen Maßnahmen laufen einfach weiter. Politik braucht belastbare Wissenschaft – keine Schlagzeilen mit Haltbarkeitsdatum! Und jetzt? Den angeblich bevorstehenden, tödlichen menschengemachten Klimawandel kann man offenbar tatsächlich abwählen. Denn wenn Bund und Länder künftig keine Politik mehr verfolgen, die auf möglichst dramatische Klimaszenarien setzt, und entsprechende Fördermittel anders priorisieren, dürfte sich auch die öffentliche Debatte verändern. Wetten?

 

 

 

 

Zur Person:

Nicole Höchst, Jahrgang 1970, ist AfD-Bundestagsabgeordnete aus Rheinland-Pfalz. Sie trat 2015 in die AfD ein und ist seit 2017 Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis 201 (Bad Kreuznach/Birkenfeld). Dort ist sie unter anderem als ordentliches Mitglied und Obfrau des Bildungsausschusses und als Sprecherin der AfD-Fraktion für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung tätig. Ferner ist sie stellvertretendes Mitglied in den Ausschüssen für Familie, Senioren und Jugend sowie für Digitales. Höchst ist desweiteren Delegierte des Deutschen Bundestages in den Europarat für die AfD-Fraktion und stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Desiderius-Erasmus-Stiftung.

Bis 2012 unterrichtete sie als Studienrätin am Staatlichen Speyer-Kolleg, anschließend war sie bis Oktober 2017 Referentin am Pädagogischen Landesinstitut (vormals IFB). Höchst war 2015 Mitglied der AfD-Bundesprogrammkommission und ist stellvertretende Vorsitzende des AfD-Kreisverbands Speyer. Sie ist katholisch, hat vier Kinder und lebt mit ihrer Familie in Speyer, wo sie auch Stadträtin ist.

Auf jouwatch veröffentlicht Nicole Höchst alle 14 Tage die kritische Kolumne „Höchst brisant“ zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen. Der erste Jahrgang dieser Kolumnen ist auch in Buchform erschienen. Unter demselben Titel veröffentlicht sie in unregelmäßigen Abständen Videobeiträge auf ihrem YouTube-Kanal.

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