Sich zum Affen machen und 5000 Euro kassieren
Nordrhein-Westfalen leidet unter seinem ehemaligen Kohle-Image und besonders unter der schwarzen CDU. Aus diesem Tal der Verdammten will man heraus – Teufel komm raus, koste es, was es wolle. Selbst wenn man dabei einen Affen den Löwen zum Fraße vorwirft. Es wird ein Gladiator gesucht, berichtet die ”Welt“.
Wem es also völlig egal ist, von einer Ruhrpott-YouTuberin und Comedienne vor laufender Kamera vera……, verhöhnt und zur Belustigung ihrer Community durch den Kakao gezogen zu werden, der kann sich bewerben. Was zunächst wie ein Scherz aussieht, ist eine Werbeaktion des Regionalverbands Ruhr.
Livestream-Material zur Erheiterung der Follower
Der Ruhrpott soll anscheinend so cool und sehenswert werden wie Hawaii oder wenigstens wie Mallorca. Dafür steckt man einen freiwilligen „Affen“ in ein Tiny-House-Käfig auf der Halde Hoheward und filmt ihn rund um die Uhr. Zweck: Livestream-Material zur Erheiterung der Follower von Luisa Charlotte Schulz – der Essener Influencerin und „Ruhrpott-Chaya“, die mit frechen Ruhrdeutsch-Übersetzungen von Adele-Hits und Co. bekannt wurde und jetzt als offizielle Haldenwärter-Wärterin fungiert.
Aufgaben des Glücklichen: Roboter-Schafe hüten, Sonnenaufgänge inspizieren und brav nicht „rumjanken“, wenn die Comedienne mit ihren typischen Sprüchen („Das fängt ja schon scheiße an“) um die Ecke kommt. Das Vorstellungsgespräch führt sie selbst – mit reichlich Provokation. Dafür gibt’s 5000 Euro und die Ehre, Testimonial in der Kampagne „Das Ruhrgebiet. Hier bleibt alles anders“ zu sein.
Am Ende freuen sich die Algorithmen
Kurz: Eine Woche lang lebende Werbefigur und Punchline-Lieferant. Bewerbungsschluss 9. August. Wer Bock auf öffentliche Demütigung hat – nur zu. Ob das Image des Ruhrgebiets dadurch wirklich gewinnt, darf man bezweifeln. Eine künstliche Abraumhalde mit Roboter-Schaf und Comedienne-Dauerbegleitung ersetzt weder Strand noch Palmen. Es ersetzt auch kein ernsthaftes Standortmarketing, sondern liefert vor allem Klicks, Reichweite und das gute Gefühl, mal wieder „anders“ zu sein.
Am Ende freuen sich die Algorithmen, die Influencerin und der Regionalverband. Der Haldenwärter selbst darf sich freuen, dass er für seine Rolle als freiwilliger Affe immerhin fünftausend Euro bekommt – und die Gewissheit, dass sein peinlichstes Lebensjahr in unzähligen Clips verewigt bleibt. Willkommen im neuen Ruhrgebiet: Hier bleibt wirklich alles anders.